Das Licht ist da!

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir Epiphanias, das Weihnachtsfest in der Ostkirche, den Dreikönigstag in der katholischen Kirche. Im Weihnachtsfestkreis ist das noch ein Höhepunkt. Bis heute steht auch noch der Weihnachtsbaum. Epiphanias das ist das Fest der Erscheinung des Lichts und deshalb haben wir heute auch einen Predigttext, in dem das Licht im Mittelpunkt steht. Ich lese 2 Kor 4:3-6.

[TEXT]

In unseren Herzen leuchtet der Lichtglanz Gottes. Wir sind Menschen, also ist das so. Der Lichtglanz Gottes in unseren Herzen das ist eine menschliche Grunderfahrung. Wir alle kennen diesen Glanz. Wir werden mit ihm geboren und es gibt immer wieder Momente in unserem Leben, wo wir fühlen wie dieses göttliche Licht in uns leuchtet. Das Licht ist da, in allen Menschen. Auch wenn es klein und kaum wahrnehmbar ist. Es ist so wie in dem Märchen vom "Hirtenmädchen und Schornsteinfeger". Nachts im Kinderzimmer werden die Porzellanpuppen lebendig. Ein Schornsteinfeger und ein Hirtenmädchen haben sich ineinander verliebt. Die beiden wollen ihre Liebe leben. Ihre einzige Fluchtmöglichkeit aber ist der Schornstein. Das Hirtenmädchen, schaut sich um und bemerkt, dass alles schwarz ist. Sie guckt in den Schornstein und auch dort ist alles schwarz. Aber der Schornsteinfeger sagt: "Du musst da ganz weit hoch schauen, dort siehst du den Himmel." Das Mädchen sieht weit entfernt einen ganz winzigen Lichtfleck und beginnt zu klettern. Weit entfernt in der Höhe blinkt ein Stern. Die Strecke ist mühsam und der Lichtpunkt sehr klein. Aber er wird allmählich breiter und größer und plötzlich erscheinen die Puppen, das Hirtenmädchen und der Schornsteinfeger auf dem Dach. Die ganze Welt um sie und über ihnen ein Sternenmeer. Die Dunkelheit ist verschwunden, sie sind im überwältigenden Licht der Sterne angekommen.

Das Licht ist da. Es ist vor uns und es ist in uns. Aber wir können auch im Dunkeln sitzen bleiben und uns nicht auf es zu bewegen. In der Hektik des Alltags und in dem Streben nach Geld und Glück und Fun da kann der Zugang zu diesem inneren Leuchten verschüttet werden. Dann erscheint es uns als wäre es erloschen. Und wir finden uns wieder in der Finsternis unserer Verzweiflung oder unserer Langeweile. Und dann machen wir den Fernseher an und haben das Problem gelöst, denn dann wird das innere Dunkel von dem Licht auf dem Bildschirm überdeckt.

Aber es geht auch anders. Wir können das innere und gleichzeitig äußere göttliche Licht finden. Wir können den Schornstein hinaufklettern. Dazu stehen uns verschiedene Wege offen. Als Buddhisten würden wir meditieren, als Indianer weite Wege in die Einsamkeit der Berge oder der Wüste zurücklegen. Wenn wir das können, können wir singen oder tanzen. Es gibt viele Wege. Wohin sie führen würden weis ich nicht.

Aber für uns Christinnen und Christen zeigt Paulus hier einen ganz einfachen Weg, wie wir das göttliche Licht in unserem Herzen entdecken können. Wir können auf Jesus Christus blicken. In seinem Gesicht sehen wir das göttliche Licht gespiegelt und erkennen es in unseren eigenen Herzen wieder.

Wir erfahren wie im Glauben an Jesus Christus sich unser Herz wandelt und das göttliche Licht wieder an Leuchtkraft gewinnt.

Auf Jesus Christus blicken, wie geht das?

Eigentlich ist das völlig überflüssig, dass ich Ihnen etwas darüber erzähle. Sie sind am 6. Januar trotz Eis und glatten Wegen hier in die Kirche gekommen. Die meisten von Ihnen gehen seit Jahrzehnten regelmäßig in die Kirche. Seit Ihrer Jugend beten Sie und hören immer wieder die Geschichten von Jesus Christus. Seit Ihrer Kindheit blicken Sie auf Christus. Sie finden im Glauben an Jesus Christus Halt für Ihr Leben. Sie vertrauen auf Gott, und erleben in der Kirche und gerade auch in den alten Geschichten der Bibel Trost und Geborgenheit. Was soll ich Ihnen also erzählen? Sie sind die Profis. Mit „auf Jesus Christus blicken“ kennen Sie sich aus. Sie wissen, wie hilfreich das „auf Jesus Christus blicken“ gerade in Krisen sein kann. Aber Sie kennen sicher auch die andere Seite.

Sie wissen auch, dass der Glaube immer in Gefahr ist, und zum Glauben auch die Zweifel gehören. Wenn wir auf Jesus Christus blicken, sehen wir nämlich nicht nur hilfreiches und bestätigendes. Wenn wir auf Jesus Christus blicken, dann sehen wir auch Dinge, die uns verunsichern und uns ärgern und mit denen wir ein Leben lang nicht fertig werden. Wir sehen unsere eigenen Schwächen und Fehler und wir erleben Ansprüche an unser Handeln, von denen wir uns überfordert fühlen. Auf Jesus Christus blicken, das ist auch ein Abenteuer. Dieses Abenteuer führt uns in jede Menge Schwierigkeiten, innere und äußere. Das ist keine glatte und einfache Sache. Aber wann wäre das Leben je glatt und einfach gewesen? Niemals, und auch das erfahren wir, wenn wir auf Jesus Christus blicken. Jesus Christus hat eine Menge Feindschaft und Ablehnung erfahren. Er ist nur etwas über dreißig Jahre alte geworden und am Ende ist er brutal hingerichtet worden. Wir befinden uns also mit unseren Schwierigkeiten heute in guter Gesellschaft. Aber wenn wir auf Jesus Christus blicken, dann wissen wir, dass das alles nicht umsonst und sinnlos ist. Wir brauchen kein einfaches Leben und keinen bombensicheren Glauben. Das ist nicht nötig, denn das innere Licht leitet uns durch alle Schwierigkeiten unseres Lebens hindurch und es schenkt uns die Hoffnung, dass eines Tages die göttliche Wirklichkeit, die in diesem Licht noch ganz klein und verborgen und gefährdet da ist, unsere einzige und wahre Wirklichkeit sein wird.

Liebe Gemeinde, Sie sind diejenigen, die sich mit dem göttlichen Licht im Herzen auskennen. Und Sie bewahren die Hoffnung, die die Menschen um Sie herum brauchen, denen das innere Licht durch ihre Alltagshektik und ihre Ablenkungen und auch ihre Sorgen verstellt ist. Das ist extrem wichtig. Gerade weil heute so viele Menschen keinen Zugang mehr zum Glauben finden, sind die die noch wissen, wie das geht „auf Jesus Christus blicken“ heute so wichtig. Lassen Sie das göttliche Licht in Ihrem Herzen leuchten. Und bewahren Sie es auch für die anderen, die noch keinen Zugang dazu haben. Wenn wir weiterhin dabei bleiben auf Jesus Christus zu blicken, uns von Jesus Christus herausfordern und trösten zu lassen, dann bleibt die Hoffnung. Es ist nicht nur eine Hoffnung für uns. Meinen Sie die anderen, die unseren Glauben verspotten und unsere Religion langweilig finden, sind mit ihrem Leben zufrieden? Das sind sie meistens nicht. Nur suchen sie ihr Glück und ihre Zufriedenheit in immer mehr konsumieren und immer wilderem Abenteuerurlaub und andern Kicks und mehr Geld. Viele brauchen einfach etwas länger bis sie merken, in welche Sackgasse sie damit geraten sind. Gerade die brauchen unsere Hoffnung. Gerade die brauchen das innere Licht, dass Gott in den Herzen leuchten lässt. Viele haben halt noch nicht angefangen danach auf einem Weg zu suchen, auf dem sie es auch finden können. Mit ihnen brauchen wir einfach etwas Geduld. Wir müssen noch etwas warten bis sie beginnen uns wieder zu fragen, was habt ihr da in eurem Glauben? Könnte das auch etwas für mich sein? Und so lange wir unsere Überlieferung beschützen und bewahren, so lange bleibt auch der Weg zum inneren göttlichen Licht bekannt, und für andere offen, und für uns selbst die Hoffnung eines Tages bei Jesus Christus in diesem Licht anzukommen.

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