Das Licht in der Finsternis

Das ist ein wenig ein ungewohnter Weihnachtstext, wir kennen ihn nicht so gut wie etwa die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, mit Maria und Josef, den Hirten, den Engeln, dem Stall und dem Kindlein in der Krippe. Es ist keine " Geschichte ", sondern ein fast theoretisch anmutender Text, über den man ein wenig länger nachdenken muss, damit man etwas davon begreift.

Wovon spricht also dieser Anfang des Johannesevangeliums?

Vom Wort
Vom Leben
Vom Licht und der Finsternis
Von dieser Welt
Und vom Wort, das Fleisch, das Mensch, wird.

Ich könnte nun zu jedem dieser Stichworte eine ganze Predigt machen. Von der Kraft des Wortes Gottes, über das ewige Leben, das Gott uns in Jesus schenkt, von dieser Welt, die Gott und sein Kommen nicht erkennen kann oder will, vom Menschwerden Gottes, in Jesus Christus.

Das Thema, das mich aber in dieser Weihnachtszeit besonders beschäftigt, ist das Licht in der Finsternis.

Wie schön war es eben, als die Kinder mit den brennenden Lämpchen hier einzogen. Diese kleinen Flammen haben die Gesichter der Kinder beleuchtet und uns vielleicht erst so richtig in Weihnachtsstimmung versetzt. Es sind " Nachtlichtchen ", wie man sie früher den Kindern, die sich im Dunkeln fürchteten, ins Zimmer stellte. Nur so eine kleine Kerzenflamme kann uns trösten, Mut machen, die Angst bannen.

Wie wichtig für uns Licht in den dunkelsten, kürzesten Tagen des Jahres ist, spüren wir auch, wenn wir etwa spätabends noch unterwegs sind. Wie schön und tröstlich sind da die vielen mit allerlei Lichtern geschmückten Häuser.

Und wer sich einmal bei einer Nachtwanderung im Dunkeln verirrt hat, hat bestimmt noch das Gefühl der Erleichterung in Erinnerung, wenn plötzlich in der Ferne das Licht eines Hauses zu sehen war.

Auch in der Bibel begegnen wir dem Thema des Lichtes immer wieder. Im Jesajabuch, auch einem der beliebten Texte in der Weihnachtszeit, und von Georg Friedrich Händel im " Messias " wundervoll vertont, lesen wir: Jesaja 9:2 Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Und in der uns wohlbekannten Weihnachtsgeschichte bei Lukas steht: 9 Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie.

Mitten in der Nacht scheint plötzlich ein Licht auf, wird es hell. Was vorher dunkel und furchterregend war, ist auf einmal beleuchtet, man sieht den Weg und alles, was um ihn liegt. Das ist im ersten Moment vielleicht nicht einmal angenehm, in der Helle kommt manches ans Licht, das vielleicht nicht so schön und gut ist. Auch die Hirten erschraken uns fürchteten sich zuerst sehr. Aber das Licht schafft Klarheit, bedeutet Leben, eine gute, frohe Nachricht.

In unserem Predigttext heißt es im Vers 4: In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Jörg Zink überträgt: In ihm war Gottes lebendige Kraft, und das Leben aus Gott war das Licht der Menschen.

Und ein wenig weiter, in Vers 14: Und das Wort ward ein Mensch, ein Mensch dieser Erde, und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, den Lichtglanz des einzigen Sohnes Gottes, der vom Vater kam, voller Gnade und Wahrheit.

Das ist die selbe frohe Weihnachtsbotschaft, den der Engel im Lichtglanz Gottes den Hirten verkündet hat : Euch ist heute der Heiland geboren – Gottes kraftvolles, leuchtendes Wort verkörpert sich, wird, wie wir, ein Mensch, Jesus, ganz Mensch, und doch ganz Gottes Sohn. Auf vielen Weihnachtsbildern sieht man das Kind in der Krippe: oft geht ein helles Licht von ihm aus, das den ganzen ärmlichen Stall erhellt, dem ungemütlichen, kalten Raum die Trautheit einer warmen Stube verleiht.

Dieses Kind in der Krippe, dieser Mensch Jesus von Nazareth, der vor 2000 Jahren geboren wurde, ist in seinem historischen Umfeld ein Licht gewesen, einer, der Heilung und Friede brachte – aber auch Unschönes ans Licht zog und bereinigte, denken wir z.B. an den Zöllner Zachäus. Und er, Jesus Christus, der Sohn Gottes ist ein Licht geblieben, durch all die Jahrhunderte hindurch, oft Stein des Anstoßes, aber auch einer, der die Angst wegzunehmen vermag, der Frieden schenkt, der im Dunkeln aller Zeiten immer wieder leuchtet.

Ein wenig weiter im Johannesevangelium steht, was er von sich selbst sagte: Johannes 8:12 Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Schon in der Antike bedeutet das Symbol des Lichtes Wissen, Klarsicht, Weisheit und Leben, das Gegenteil davon ist die Finsternis, die Unwissenheit, Verwirrung und Tod bedeutet. Jesus ist das Licht, das in der Finsternis scheint. à 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

In anderen Übersetzungen heißt es: …aber die Finsternis kann es nicht zerstören, nicht überwältigen, nicht schlucken. Das Licht ist stärker als die Finsternis, die Liebe ist stârker als das Böse, Jesus Christus ist stärker als der Tod.

Das darf auch in unserem Leben wahr werden, und das ist die gute Nachricht von Weihnachten: In Jesus ist ein Licht in unsere Welt gekommen, das alle finstern Winkel in unserem Leben hell machen will. Wie manches ist doch dunkel und macht uns Angst! In unserer Gesellschaft ist das Recht des Stärkeren Trumpf, wer nicht mithält, geht unter, Selbstsucht und materielle Gier stehen zuvorderst. Gottes Weihnachtslicht will uns andere Seiten aufzeigen, Platz für den Schwächeren unter uns schaffen, uns den Bruder, die Schwester zeigen, die uns und unsere Fürsorge nötig haben. In unseren Familien gilt auch oft: jeder für sich, und die Entfremdung zwischen Ehepartnern, zwischen Eltern und Kindern wächst. Auch hier darf das verändernde und heilende Licht Gottes neue Anfänge ermöglichen, können sich auswegslos scheinende Situation zum Guten wenden, dürfen Versöhnung, Vergebung und Friede Wirklichkeit werden.

Und dann darf auch gelten, was Jesus an einer anderen Stelle sagt: Matthäus 5:14 Ihr seid das Licht der Welt. Wir selbst dürfen um uns das Gotteslicht verbreiten, dürfen Gefäße für das Weihnachtslicht sein – wie diese Lämpchen hier: die Gläser selbst leuchten nicht, aber die Kerzen, die darin sind, die verbreiten ein warmes, freundliches Leuchten. Wir sind die Gefäße, Gottes Geist in uns ist das Licht. In dem wir in dieser Welt tätig und mutig für Gerechtigkeit und Frieden einstehen, sind wir Lichtträger. Vielleicht kennen einige von Euch das Lied noch, dass wir als Kinder in der Sonntagschule manchmal gesungen haben: Jesus heißt uns leuchten mit hellem Schein …du in deiner Ecke, ich in meiner hier. Wenn jedes an dem Platz, an dem es steht, ein Licht ist, so wird unsere Welt ein wenig heller werden.

Jesus Christus, dessen Geburt wir heute feiern, ist die Lichtquelle, das wahre Licht, das die Finsternis überwindet, das nicht nur an Weihnachten, sondern auch im kommenden neuen Jahr, auch nach der Jahrtausenwende, unser Leben hell und froh machen will.

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