Das Gute ist stets das Böse, das man lässt.

<i>[In diesem Gottesdienst werden drei Kinder getauft und ihre Eltern kirchlich getraut.]</i>

Drei Kinder haben wir getauft. Zwei von ihnen *** Emanuel und *** Jesus tragen den Namen des Herrn unserer Kirche in ihrem Namen. Sicher auch deswegen, weil sie an großen Feiertagen, die eng mit dem Namen Jesus Christus verknüpft sind, geboren sind. Aber irgendwie steckt dahinter vielleicht auch mehr. Wir wollen, dass unsere Kinder Jesus nicht aus ihrem Blickfeld verlieren. Wir wollen, dass sie Jesus nachfolgen. Ich denke, dieser Wunsch hat Euch auch hierhin geführt: Der Wunsch, dass Ihr beiden und Eure drei Kinder Jesus nicht aus den Augen verlieren. Aber, was bedeutet dieses ‚Jesus nicht aus den Augen verlieren‘? Liegt es nur darin, ein guter Mensch zu sein, oder gibt es da noch mehr? Ein bisschen davon verrät unser heutiger Predigttext:

[TEXT]

Es sieht aus, wie ein kleiner Tugendkatalog – ein Katalog dessen, was ein guter Christ / eine gute Christin tut: Eine Lebensweise, die dem Geglaubten entsprechen soll. Die Gemeinde im Geiste lebt nicht vergeistigt, sondern praktisch. Paulus knüpft an eine Erfahrung mit sich selbst an, wie er sie Römer 7,15 darstellt: ‚Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.‘ Er sieht eine Lücke zwischen Wollen und Vollbringen.

Aber es geht nicht einfach um das praktische Tun – das auch! Der Gegensatz zum Bösen ist nicht das Gute oder die Tugend, sondern der Glaube, der lebt. Darum geht es hier um Beispiele für das, was der Glaube bewirken kann.

Für Paulus ist der Glaube das Allerwichtigste – und er leidet darunter, dass der Glaube bei ihm nicht automatisch das richtige Leben bewirkt. Für ihn ist klar, dass wer glaubt, Rachegefühle und Vergeltungsgelüste verliert. Aber gleichzeitig merkt er, dass er diesen Glauben wohl nicht besitzt. Das macht ihm Sorgen.

Eigentlich ist es ganz klar: Wenn Jesus Christus das Wichtigste ist in meinem Leben, dann kann ich alle Rache, alle Vergeltung ihm überlassen. Dann kann ich mich daran erinnern, dass Jesus nicht auferstanden ist um seine Peiniger zu strafen, sondern um allen das Leben zu schenken. Am Kreuz hat er noch um Vergebung gerade auch für die, die ihn gekreuzigt haben, gebetet. Aber mir geht es immer wieder wie Paulus: Im Prinzip ja, aber mein Leben entspricht dem nicht. ‚Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.‘ Was heißt das konkret, wenn ich z.B. an Osama bin Laden denke?

Joseph aus dem Alten Testament, dessen Brüder ihn verraten und verkauft haben fällt mir als Beispiel an: vor seiner Rache zittern seine Brüder, als ihr Vater gestorben ist – Er steht vor ihnen und sagt: ‚Stehe ich denn an Gottes Statt‘ so leitet er die Versöhnung ein.

‚feurige Kohlen auf das Haupt seines Gegners sammeln‘ schreibt Paulus – das heißt, dass ich den anderen dem Gericht Gottes überlassen kann. Christlich leben, heißt auch den Moment zu ergreifen, wo ich lerne loszulassen und den Rest Gott zu überlassen. Ihm zutrauen, dass er Gott ist.

Unser Amt ist es nicht zu strafen. Es ist unser Amt, die Verfolgten zu schützen. Das sagt sich so einfach – und ist doch so schwer.

Aber damit anzufangen könnte uns auf einen guten weg bringen. Oder wie Wilhelm Busch es ausdrückt: ‚Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, das man lässt.‘ (die fromme Helene)

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