Das Gebet, das Gott erhört

Liebe Gemeinde,

in der Geschichte geht es um einen Pharisäer und einen Zolleinnehmer. Machen wir zuerst einmal eine kleine Umfrage unter den Konfirmandinnen und Konfirmanden: wer von den beiden wollest du lieber sein, der Zolleinnehmer oder der Pharisäer? (fragen)

Bevor wir uns mit den Antworten auf diese Frage beschäftigen, will ich einige Informationen über die Pharisäer und die Zolleinnehmer geben:

Hintergrundinformation Pharisäer
Im Volksmund kommen sie nicht gut weg, da ist das „Heucheln wie ein Pharisäer“ sprichwörtlich geworden. Schauen wir uns zuerst einmal die Tatsachen an: Die Pharisäer betonten die persönliche Gesetzeserfüllung. Das Gesetz der 5 Bücher Mose wurde dabei den alltäglichen Bedingungen angepasst; die jeweiligen Durchführungsbestimmungen waren dann für alle verbindlich. Sie enthielten zur Zeit Jesu 613 Gebote, 248 Gebote und 365 Verbote. Diese wurden durch eine Vielzahl von Zusatzgeboten ergänzt, so dass keiner gegen die Grundsätze verstoßen sollte; z.B. gab es 39 Gruppen von am Sabbat verbotenen Tätigkeiten. Die Pharisäer legten großen Wert auf die Einhaltung des Zehnten und das Fasten. Sie waren davon überzeugt, dass ihre Tradition, die richtige Anwendung des Gesetzes ist.
Die Pharisäer verfolgten gute Ziele. Jesus widerspricht auch nicht dieser Lehre der Pharisäer, sondern er unterstützt sie in Matthäus 23 sogar und sagt: „Richtet euch nach ihren Vorschriften!“ Und er fährt dann fort: „Folgt aber nicht ihrem Beispiel! Denn sie selber tun nicht, was sie von den anderen verlangen.“ Das ewig strebend sich bemühen reicht nicht aus, die besten Ziele sind nicht wert, wenn ich an ihnen vorbei lebe. Das Problem der Pharisäer war, das sie ein frommes Leben aus eigener Kraft schaffen wollten. Und an dieser unzureichenden eigenen Kraft sind sie gescheitert. Wer auf seine eigene Kraft vertraut, fällt oft auf seine Nase.

Hintergrundinformation Zolleinnehmer
Mit unseren heutigen Zollbeamten haben die Zolleinnehmer von damals wenig gemeinsam. Zolleinnehmer zur Zeit Jesu waren angestellte Personen, die im Namen der Römer Steuern und Zollabgaben einnahmen. Das Recht Steuern einzunehmen konnte gekauft werden. Dieses System bot viele Möglichkeiten zum Missbrauch, und waren darum waren Zolleinnehmer für ihren Betrug und Amtsmissbrauch bekannt und verachtet. Die Pächter einer Zollstation stammten häufig nicht aus den römischen Provinzen, in denen sie arbeiteten, die ihnen unterstellten Mitarbeiter waren dagegen meist Einheimische. Sie wurden von den Juden gemieden, weil sie mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeiteten und weil der ständige Umgang mit Nichtjuden sie religiös unrein machte. Der Zolleinnehmer hatte also allen Grund, Gott um Vergebung zu bitten und hier merken wir, das es Gott nicht auf gute und wohl formulierte Worte ankommt, sondern vor allem darauf, das ich ehrlich bin.

Kommen wir zu den Antworten auf die Frage, wer von den beiden ich lieber sein möchte, vielleicht hat sich der eine oder andere nach den gerade gesagten Informationen schon überlegt, seine Meinung zu ändern. Beginnen wir mit einem kurzen Vers von dem Dichter Eugen Roth: „Ein Mensch betrachtete einst näher, die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei, dafür, dass er kein Zöllner sei. Gottlob! rief er im eitlen Sinn, dass ich kein Pharisäer bin.“

Der Wechsel zwischen Pharisäer und Zolleinnehmer ist, wie wir in dem Vers sehen, fließend und darum lautet meiner Meinung nach die Antwort auf die Frage, wer ich lieber sein will: Ich habe gar nicht die Wahl, ich bin immer beides. In mir steckt ein Stück Pharisäer und in mir steckt ein Stück Zolleinnehmer. Und ich brauche beide, um den jeweils anderen in mir in Schach zu halten. Der Pharisäer in uns wird durch den Zolleinnehmer an die eigenen Fehler und Unvollkommenheit erinnert, die der Vergebung Gottes bedarf und uns gegenüber anderen Menschen barmherzig macht. Er braucht Gottes Kraft und Vergebung um weiter an den hohen Zielen des Lebens zu arbeiten.

Der Zolleinnehmer in uns wird durch den Pharisäer an die Ziele und ein Leben nach Gottes Geboten erinnert, das er nicht aus dem Augen verlieren soll. Er braucht Gottes Wort und Vergebung, um an die Aufräumarbeiten der verkorksten Stellen seines Lebens zu gehen. So ergänzen sich die beiden und helfen uns über das Gebet, das Reden mit Gott, nachzudenken.

Denn drei Gedanken zum Gebet zeigt uns diese Geschichte: Gott kennt die jeweiligen Umstände, in denen wir Menschen uns befinden. Er kannte den Pharisäer ganz genau und ebenso den Zolleinnehmer. Er kennt auch dein und mein Leben bis in die kleinste Einzelheit. Gebet dient nicht dazu, das ich Gott mein Leben schildere, das macht der Pharisäer, Gebet dient dazu, das ich mit klar werde, wie mein leben in Gottes Augen aussieht, so betet der Zolleinnehmer.

Gott weiß, was ich brauche, brauche es ihm nicht zu sagen, damit er es zur Kenntnis nimmt. Trotzdem ist gut, Gott zu sagen, was uns beschäftigt, denn in dem Gespräch mit ihm, stellen wir unser Leben in sein Licht. Der Pharisäer stellt sein Leben in sein Licht, während der Zolleinnehmer im Lichte Gottes auch die Schatten sieht, die darin sichtbar werden.

Gebet dient also dazu, dass auch ich vor Gott herausfinde, was ich für mein Leben brauche. Ich spreche mit ihm die jeweiligen Umstände meines Lebens, die er oft besser kennt als ich, durch. Ich kläre mit ihm die Möglichkeiten ab und das was ich brauche und ich höre dann in Gottes Wort, was er mir sagen will.

Das Entscheidende ist und bleibt: Ehrlich sein vor Gott und auf Gottes Kraft, auf die Kraft der Vergebung vertrauen, das ist das Gebet, das Gott erhört. Engt mich dass nicht ein? Den Christen wird immer wieder vorgeworfen, dass sie die Finger auf die wunden Punkte legen und die Schuld betonen. Lasst mich das an einem Beispiel deutlich machen: Zwei Menschen springen aus dem Flugzeug ab. Einer sagt sich, was brauche ich den Fallschirm, der engt mich nur ein und bremst meinen Fall ab. Ich will die volle Geschwindigkeit des Falls genießen und tut das auch, bis er auf dem Boden ankommt. Der andere sagt sich, den Fallschirm schnall ich um, er drückt zwar ein bisschen und bremst meinen Fall, aber am Ende komme ich sicher an.

Unser leben ist so ein Fallschirmsprung, zu dem der christliche Glaube den sicheren Fallschirm liefert. Doch halt, ich habe den dritten Springer vergesse, der schnallt sich im Flugzeug wie der zweite auch den Fallschirm um, aber dann geht es im wie dem Pharisäer in Jesu Geschichte. Er vergisst die Reißlinie zu ziehen und den Falschschirm zu öffnen. Er hat alles gewusst, er hatte alles dabei und trotzdem hat es ihm nichts genutzt. Der Fallschirm der Vergebung von Jesus Christus heißt: ‚Gott! Vergib mir, ich weiß, dass ich ein Sünder bin!‘ Ich rate jedem von euch, das er diesen Fallschirm anlegt, damit er nicht ungebremst am Boden des Lebens, das ist der Tod, zerschellt, sondern sicher gebremst durch den Tod hindurch in der ewigen Herrlichkeit bei Gott landet.

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