Das Ewige Leben beginnt mit ihm

Liebe Gemeinde,

in unserem heutigen Predigttext geht es um Hoffnung und Haltlosigkeit, um Nicht-Haben und Doch-Haben, ja letztlich um das Leben. Weihnachten ist fast zwei Wochen her, wir haben das neue Jahr 2004 begonnen. Es ist erst 4 Tage alt. Und doch stellt sich für mich die Frage:
Woran sollen wir uns halten, woran kann ich mich heute halten? Was ist verlässlich? In einer Welt, in der sich schon zu Anfang eines neuen Jahres voller Umstellungen Unsicherheit breit macht, ich denke an Krankenkassenreform und Arbeitsmarktreform. Wo schon zu Beginn des Jahres wieder Schreckensmeldungen von Erdbeben Katastrophen, Flugzeugabstürzen, Giftgasunfällen und Terroranschlägen, erst im Irak und Israel, jetzt auch die Bedrohung in Deutschland, in Hamburg, uns den Mut nehmen wollen, Schritte in das neue Jahr zu machen. In diesen Tagen stellt sich mir wirklich die Frage: Woran kann ich mich noch halten, worauf darf ich mich verlassen?

Ähnlich ist es den Menschen in der Gemeinde gegangen, an die Johannes seinen Brief schreibt. Dort schleichen sich Unruhe und Missstände ein, von denen man nicht genau sagen kann, woher sie kommen und wie sie genau aussehen. Falsche Lehren, so nennt es die Bibel, Ablenkung vom WesWesentlichen könnte ich es heute nennen. Und genau hier will Johannes Orientierung geben. Er schreibt im 1Joh im 5. Kapitel:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, der, dessen Geburt wir vor zwei Wochen zu Weihnachten gefeiert haben, ist in die Welt gekommen, um Gottes Liebe zu uns Menschen zu zeigen. Die Liebe und Zuwendung, die jedem Menschen gilt, ohne wenn und aber. Auch Dir, jedem und jeder einzelnen von uns. Jesus hat Menschen, die Not litten, nicht abgewiesen. Er hat ihnen in Wort und Tast gezeigt: Gott kommt zu dir, und will heil machen, was in deinem Leben gebrochen und krank ist. Mit ihm nahm das Reich Gottes bei den Menschen seinen Anfang. Zum Heilwerden an Körper und Seele gehört auch so etwas wie Beständigkeit. Bei Jesus ging es nicht nach dem Motto ex und hopp, aus den Augen, aus dem Sinn.

Im sogenannten Taufbefehl sagt Jesus : Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende." Wir haben die Zusage, dass Gott uns begleiten wird, aber sehen und anfassen können wir das nicht. Das ist richtig. Die liebevolle Zuwendung Gottes, seine Heilsame nähe wahrzunehmen und zu spüren ist gar nicht so leicht! Vor lauter Geschäftigkeit und Beschäftigung mit sich selbst fällt es schwer, zu bemerken, das das Heil, das Gott mir zugedacht hat, eigentlich schon da ist und mich begleitet. Sorgen und Trauer decken die das Gute, das von Gott kommt zu, so dass ich es nicht spüren kann.

Gott kommt anders, sein Reich sieht anders aus, als erwartet. Zugegeben. Und das ist eine Erfahrung, die Menschen mit Gott immer wieder machten. So war es auch beim ersten Weihnachtsfest vor ungefähr 2000 Jahren. Die Menschen warteten auf einen starken und kraftvollen Messias, der Unrecht und Unfriede, Leid und Unterdrückung mit kraftvollem Arm hinwegfegen sollte. Und Gott kam als kleines Kind, das zunächst selbst auf Hilfe angewiesen war. Das entsprach so gar nicht den Vorstellungen. Aber er war es. Es fällt schwer, Gottes Ankunft in dieser Welt und sein Geschenk für uns wahrzunehmen.

Und deswegen sagt Johannes: Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat … Zeugnis, ein seltsames Wort in diese Zusammenhang: Zeugnis – wer zur Schule geht, denkt vielleicht sofort an die letzten Klassenarbeiten, die noch geschrieben werden müssen, bevor das Halbjahreszeugnis zeigt, wie gut oder auch wie unzureichend gelernt wurde. Mit diesem Zeugnis sind Ängste und auch Hoffnungen von euch SchülerInnen und Schülern, aber auch von Eltern verbunden …

Zeugnis – wer im Arbeitsleben einmal Fußgefasst hat, weiß: Wird der Arbeitsplatz verlassen, gibts ein Arbeitszeugnis, indem in fast zu schönen Worten doppelzüngig fesgehalten ist, wie ich mich gemacht habe an meinem Platz, in meiner Aufgabe. Ein neuer Arbeitgeber wird mich daran messen, wie mich mein alter Arbeitgeber einschätzt. Auch an diesem Zeugnis hängen Hoffnungen, aber auch eine große Zahl von Ängste.

Das Zeugnis, von dem der Johannesbrief spricht, meint eine ganz andere Art von Zeugnis. Gott hat ein Zeugnis der Hoffnung für uns Menschen gegeben. Johannes meint Taufe und Abendmahl.

Taufe und Abendmahl sind die Zeugnisse, die uns zeigen sollen, dass Gott uns das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn, in Jesus Christus.

In der Taufe verspricht uns Gott, unser ganzes Leben zu begleiten und mit der Taufe gehören wir zur Gemeinschaft der Christen. Im Abendmahl können wir sehen, dass Gott uns verbindet zu einer Gemeinschaft, die größer ist, als das, was Menschen selbst schaffen können.
Im Abendmahl feiern wir die Gemeinschaft mit Jesus Christus in einer Gemeinschaft, die Gott unter uns Menschen gestiftet hat. Denn ohne ihn würden wir heute morgen nicht in dieser Kirche nicht zusammensitzen und Gottesdienst feiern.

Und das zeigt vielleicht ein wenig davon, was der Satz meint: Wer den Sohn hat, der hat das Leben. und ich möchte ergänzen: der hat Anteil an dem Leben, dass Gott für uns vorgesehen hat.

Dieses Leben hat für mich zu tun mit Gemeinschaft, die mich verlässlich trägt, gerade auch dann, wenn ich selbst Halt brauche. Die mir Orientierung gibt, wenn ich selbst nicht weiß, in welche RRichtung ich meinen nächsten Schritt gehen kann. Das ich einen Sinn in meinem Leben finde, der mir meinen Platz in dieser Welt zuweist.

Dieses Leben hat für mich zu tun mit Hoffnung darauf, dass nicht Not und Gefahr, Bedrückung und Angst siegen, sondern das Freiheit und Geborgenheit wachsen und stark werden. Im Großen wie im kleinen.

Dieses Leben hat für mich etwas zu tun mit Vertrauen und Beständigkeit. Nur wenn ich eine Umgebung habe, in es der bei aller Bewegung auch eine gewisses Maß an Sicherheit gibt, kann ich mich Öffnen und mich weiterentwickeln.

Dieses Leben schenkt uns Gott im Geschenk seines Sohnes. An seinem Leben konnten wir sehen, wie sich dieses in gewisser Weise göttliche Leben im Leben von Menschen in Bedrängnis und Not heilsam gewirkt hat. Und wo mir Menschen begegnen, die diesem Vorbild nachfolgen und wie Jesus auf den Nächsten freundlich und tatkräftig zugehen, wird dieses göttliche Leben Stück für Stück auch in meinem Leben hier und heute Wirklichkeit. So antwortet Gott auch heute auf die menschliche Sehnsucht nach Geborgenheit, Sicherheit und liebevoller Zuwendung. So wächst das Reich Gottes als Antwort auf unser Sehnen. Und mit dieser Antwort Gottes kann ich die ersten Schritte in das neue Jahr gehen, im Bewusstsein, dass dieses Jahr nicht nur Angenehmes, sondern auch Schwierigkeiten bringen wird. Aber ich darf mich aber daran halten, was Jesus getan und gesagt hat. Das ist verlässlich. Auf ewig. Denn es gilt, was Jesus selbst gesagt hat: "Himmel und Erde werden vergehen, aber mein Worte werde nicht vergehen." (mk 13,31) Und so schließe ich mit Johannes: Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.

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