Das Außergewöhnliche wagen

Drei Menschen stehen vor der Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Doch zuvor will sich ein jeder auf seine Weise dazu bereit machen. Und Jesus sagt jedem etwas Besonderes und doch das Gleiche. Denn Jesu Nachfolge schließt das Außergewöhnliche ein, welches man bereit sein muss zu tun.

Einer vernimmt den Ruf Jesu: »Folge mir nach«! Obwohl dies doch eine Zumutung ist, erklärt sich dieser generell dazu bereit.

Allerdings bittet er noch um ein wenig Aufschub, da er sich zu Hause verabschieden will. Dies gebietet nicht nur der Anstand und die Höflichkeit, nein, sondern auch die Liebe zum Nächsten.

Und trotzdem wird ihm diese nahe liegende Bitte von Jesus abgeschlagen. Ganz schön hart, liebe Gemeinde, das passt so gar nicht in das Bild, das wir von Jesus haben und das uns vertraut ist.

Jesus schneidet jede weitere Diskussion ab mit der Aufforderung zur sofortigen, radikalen, ja rücksichtslosen Entscheidung: »Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, den kann Gott nicht gebrauchen, wenn er jetzt seine Herrschaft aufrichten will«.

Offenbar gibt es Bindungen, die uns aufhalten, die uns fesseln, wenn uns der Glaube in Bewegung setzen möchte. Dabei müssen es gar nicht fragwürdige oder verdächtige Bindungen sein. Jesus hat die Familie nicht schlechter gemacht, als sie ist.

Das menschliche Verlangen nach einer gesicherten Existenz ist natürlich und die Verantwortung, sowie die Fürsorge für die Familie ebenso. Die Familie wird von Jesus nicht geleugnet oder gar verachtet.

Unsere menschlichen Bindungen sind begrenzt. Die Bindung an Jesus aber, sprengt jedes Maß. Er kann das Außergewöhnliche von uns fordern, selbst wenn alle menschlichen Maßstäbe ungültig werden.

Sein Ruf: »Komm, folge mir«! verneint nicht grundsätzlich die menschlichen Ordnungen. Er fordert aber die Bereitschaft, für Jesus das Außergewöhnliche zu wagen.

Und im entscheidenden Augenblick kann es sich als unabwendbar zeigen, zunächst alles, was uns gerade beschäftigt, stehen und liegen zu lassen, nämlich dann: wenn Gott jetzt, hier und heute seine Herrschaft, sein Reich aufrichten will.

Das Reich Gottes hat Jesus einmal mit einer Perle verglichen (s. Mt 13, 45-46), die alles andere bei weitem überstrahlt.

Und was wir dann empfangen, wenn wir uns entschließen, Jesus zu folgen und mit ihm zu leben, liebe Gemeinde, das ist so immens groß und so einmalig, dass alles, was wir hier und heute erreichen und auch haben können, an Farbe verlieren wird und zurücktreten muss.

Seinen Jüngern hat Jesus zugemutet ihre alten Wohnstätten zu verlassen wenngleich er ihnen auch keine neue Adresse nennen konnte, sondern nur das Ziel: das Reich Gottes, seine Herrschaft unter uns.

Dadurch, dass Jesu Jünger alles, aber auch alles hinter sich ließen mit Jesus unterwegs waren konnten sie für sich eine ganz neue und entscheidende Entdeckung machen: Gott lebt und er übt seine Herrschaft unter den Menschen, mitten unter uns aus. Sein Reich baut er in mitten dieser Welt.

Nicht nur unser heutiger Predigttext macht uns darauf aufmerksam, dass sich unser Glaube nicht mit unserem rückwärtsgewandten Leben verträgt.

Dem Verderben bereits davongelaufen war Lots Frau und sie hatte den Weg in ein neues Leben bereits begonnen. Doch ihr Blick zurück, das war ihr Tod.

Das Israelische Volk war aus der ägyptischen Gefangenschaft in die Freiheit aufgebrochen. Da der Weg durch die Wüste beschwerlich war, fingen es an sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurückzusehnen. Doch niemand von ihnen, die den Blick zurück wandten, erreichte das Gelobte Land.

»Wer seine Hand an den Pflug legt und zurückschaut, den kann Gott nicht gebrauchen, wenn er jetzt seine Herrschaft aufrichten will«.

Eine einleuchtende Beschreibung eines alltäglichen Vorgangs aus der Arbeitswelt der Landwirtschaft. Eine jede und ein jeder von uns weiß, dass die Furche krumm wird, wenn er oder sie den Zielpunkt aus dem Auge verliert. Aber wo ist dieser Zielpunkt eigentlich im Leben? Wohin und worauf kann ich meinen Pflug richten, um das richtige Ziel zu erreichen? Lebe ich hier und heute im Sinne der Herrschaft Gottes, des Reiches Gottes?

Jesus identifiziert mit der bäuerlichen Tätigkeit des Pfluges die Nähe der Herrschaft Gottes, des Reiches Gottes. In diesem Reich werden Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet. In diesem Reich hat das Bebauen und Bewahren Vorrang, Vorrang vor dem Erobern und Erlegen.

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag wird Okuli genannt, was übersetzt bedeutet: »Meine Augen sehen stets auf den Herrn« (Psalm 25, 15) Auf Jesus schauen kann bedeuten, dass wir noch einmal aufmerksam seine Botschaft in uns aufnehmen.

Sein Ruf: »Komm, folge mir«! kann uns bewegen unser Lebenskonzept, unsere Wege einer Befragung zu unterziehen.

Was brauchen wir, was belastet uns, was hindert uns daran zu seinem Weg, in seine Nachfolge zu kommen? Wird vielleicht von uns Umkehr gefordert? Wird von uns vielleicht auch das Loslassen von Dingen, die uns festhalten und am Gehen hindern, gefordert?

Sein Ruf: »Komm, folge mir«! verneint nicht grundsätzlich unsere menschlichen Ordnungen. Er fordert aber die Bereitschaft von uns, dass wir für Jesus das Außergewöhnliche wagen.

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