… damit das Leben unter uns zum Siege kommt!

Liebe Gemeinde,

Gott schützt den Mörder. Er wäre sonst der Willkür anderer ausgesetzt. Ihm droht die Todesstrafe.

Gott durchbricht den Zusammenhang, dass Mord den Tod nach sich zieht. Damit schiebt er dem endlosen Töten einen Riegel vor. Das Blutvergießen soll bereits von Anfang an unterbunden werden.

Blut gehört Gott. Wo Menschen es vergießen, greifen sie in Gottes eigenstes Besitzrecht ein. Leben zu verderben geht weit über die Zuständigkeit des Menschen hinaus.

Gott kennzeichnet Kain so, dass sich niemand an ihn vergreift. Ob es ein gegenständliches, sichtbares Zeichen war, lässt sich nicht sagen. Seine Aufgabe ist jedoch eindeutig. Dem unhaltsamen Lauf des Tötens soll Einhalt geboten werden. Kain, nun ein nicht mehr sesshafter Mensch, bleibt als ruheloser Mensch auf der Erde, aber dennoch unter Gottes Schutz.

Das Töten hat unter uns Menschen niemals aufgehört. Es ging weiter. Es geht weiter. War schon die intime Gemeinschaft von Mann und Frau zerstört durch Lüge und Beschuldigungen, so wird es noch schlimmer.

Geschwister kämpfen gegeneinander, töten sich. Kriege, Mord und Totschlag sind weiterhin an der Tagesordnung. Niemand ist davor geschützt, einen anderen Menschen nicht in irgendeiner Weise zu schädigen, zu zerstören. Die Verletzungen und Tötungsabsichten mit Worten, zerstören ebenfalls den Menschen. Einen anderen zu verachten, ihn nicht zu beachten, hinterlässt zumindestens schwere Wunden.

Das Böse, die Sünde, auf andere reinschlagen, schlummert vor jeder Herzentür. Die Sünde ist als eine objektive Macht zu verstehen. Sie steht gleichsam außerhalb und über dem Menschen. Sie will begierig von ihm Besitz ergreifen. Kein Mensch ist davon ausgenommen. Der Mensch aber soll sie beherrschen und niederhalten.

In Kain können wir uns leicht selbst erkennen. Die innere Erregung und Wut spiegelt sich auf dem Gesicht wieder. Kain ist bis ins Körperliche hinein vom Zorn geprägt. "Warum ergrimmst Du? Und warum senkst Du Deinen Blick?" Wie lässt sich denn auch der Blick aufrichten, wenn gerade im Herzen Gedanken der Zerstörung des anderen aufbrechen? Gott fragt ihn und gibt ihm so noch die Möglichkeit zur Rückkehr ohne Gesichtsverlust. Kain ergreift diese Gelegenheit aber nicht.

Wieviele Angebote für den Frieden wurden schon im ehemaligen Jugoslawien vorgelegt. Angebote, die auch vor Gesichtsverlust der Kriegsführenden bewahrten. Sie sind bis heute noch nicht angenommen worden.

Wir kennen das selbst, wenn Wut und Zorn so stark geworden sind, dass wir keine andern Gedanken mehr zulassen als nur die unserer Rache. Warum Gott Abels Opfer mehr angesehen hat als Kains Opfer bleibt ungeklärt. Es spiegelt Gottes Freiheit wieder, sich dem Menschen zu-zuwenden, dem er sich zuwenden will. In dieser Geschichte geht es nicht um Bauer, der sesshaft ist und dem Hirten, der herumzieht. Beide opfern ihrem Gott. Hier Altar kommt es nun zum ersten Mord um Gottes Willen!

Wie oft Kirchen und Altäre in die Mordmaschinerie der Kriegsführung hineingezogen worden sind, kennen wir aus der leidvollen Geschichte. Die Kirche machte dabei auch mit. Der 30jährige Krieg oder die Kreuzzüge. Der Staat ließ auf die Koppelschlösser schreiben "Gott mit uns". So wird Gott vereinnahmt, bis in unsere Zeit, um Gewalt, Mord und Totschlag zu rechtfertigen.

Gott ist wie in der Sündenfallgeschichte sofort zur Stelle. Er fragt nicht nach "Wo bist Du" er fragt nach dem Bruder "Wo ist Dein Bruder?"

Die Verantwortung vor Gott ist die Verantwortung für den Bruder.

Kain lügt Gott mit einem frechen Witz ins Gesicht: Soll ich den Hirten hüten? Ich muss ja nicht Hüter des Hüters sein, er ist selbstständig. Ja, Du sollst Deines Bruders Hüter sein, wenn er in Gefahr ist – und sei es in Gefahr vor Dir selbst.

Gott hat uns nicht aufgeben, wo wir außerhalb vom Gottesdienst und seinen Regeln unser Leben versuchen selbst zu Leben. Da erfahren wir uns als unstet und flüchtig. Auf der Suche nach dem Sinn unseres Lebens. Er lädt uns ein, an die Quelle des Glaubens zurückzukehren. Unser Zeichen ist die Taufe. Damit wir ihm nicht verloren gehen, hat er unser Namen in seine Handflächen tätowiert.

Gott hat bereits mit Kain dem Töten Einhalt geboten. Mit Christus hat er endgültig klargemacht, dass nicht der Tod, das Morden und Brandschatzen, das Verletzten und Beleidigen, sondern das Heilen und Verbinden, das Beschützen und Bewahren für ihn und uns entscheidend sind. Christus hat selbst den Tod, die Gewalt erlitten. Gott hat ihn herausgenommen, damit das Leben unter uns zum Siege kommt. Er will, dass wir leben, selbst dann, wenn wir sterben.

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