Befreiung mitten im Alttag

Gründonnerstag und Abendmahl ­der Zusammenhang ist logisch. Wir kennen die Geschichte ­ und wer sie nicht kennt, hört sie jedesmal bei den Einsetzungsworten zum Abendmahl. Aber warum an diesem Tag Jesus dieses Mahl mit den Jüngern feierte, hatte einen tieferen liturgischen Hintergrund, den wir uns heute in Erinnerung rufen wollen. Israel war in Ägypten in der Sklaverei. Gott selber wollte sein Volk befreien. Mose und Aaron waren seine Helfer dabei:

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Das Abendmahl, das wir feiern steht in der Tradition des Volkes Israel. Wir gehören nicht dazu, wohl aber unser Herr Jesus Christus. Er hat uns eingeladen, mit ihm das Passahmahl zu feiern und in jedem Abendmahl steckt auch etwas von diesem Passahmahl. Dieses Mahl ist das Mahl der Befreiung. Gott will keine Sklaverei und darum befreit er selber sein Volk. Manches an diesem Ritual mutete uns vielleicht fremd an. Aber sehen wir uns an, was passiert:

Die versklavten Juden hören den Ruf Gottes in die Freiheit. Und sie gehorchen ohne Wenn und Aber. Sie lassen sich auf alles ein, machen alles mit, obwohl sie vorher 9 Plagen erlebt haben und jedesmal enttäuscht wurden. Sie schlachten ihre Lämmer. Manche laden andere zum Essen ein. Die Solidarität von Alleinstehenden und Armen beeindruckt. Keiner soll auf ein Lamm verzichten müssen, aber es dürfen auch keine Reste übrigbleiben. Auch in der Hektik des Aufbruchs darf nichts umkommen. So setzen sie sich zusammen, reisefertig, auf gepackten Koffern in Reisekleidung. Sie essen das Lamm, das Brot ist nicht aus gesäuertem Teig, dazu langt die Zeit des Aufbruchs nicht.

Das Abendmahl ist nicht einfach das Passahmahl, aber es ist genauso ein Mahl des Aufbruchs ­ der Befreiung. Die Teilnehmer am Passah trugen Reisekleidung. Sie waren auf dem Sprung. Wenn wir im Gottesdienst Abendmahl feiern, sind wir auch auf dem Sprung. Wir ziehen bald wieder hinaus aus der Kirche in den Alltag, wir sind bereit zum Aufbruch ins Leben, zu den Menschen. Wir gehen nicht in die Wüste, unser Ziel ist nicht das Gelobte Land. Wir gehen in unser Leben, in die Schule auf die Arbeit, in die Nachbarschaft. In viele Situationen, die uns schwer sind. Das Abendmahl ist das Mahl des Aufbruchs mit der Verheißung: wir gehen nicht alleine: Schwestern und Brüder gehen mit uns. Und der Segen Gottes liegt auf uns.

Die Geschichte das Passahmahls gehört zum Glaubensbekenntnis des Volkes Israel: Gott ist es, der uns aus der Sklaverei befreit. Das steht in der Voraussetzung zu den 10 Geboten. Sie bleiben gültig, weil Gott die Befreiung will. Er will unsere Befreiung mitten im Alltag. Darum hat sein Sohn uns sein Mahl geschenkt als Mahl der Verheißung, auch über den Tod hinaus. Seinen Tod und unseren Tod.

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