Aus der Liebe Gottes leben …

Liebe Gemeinde,

am Freitag war der Reformationsfeiertag. Es gab einen Gottesdienst in der Stadtkirche und vielleicht hier und da noch einen weiteren Gottesdienst. Vom Reformationsfest wüssten die jungen Menschen kaum etwas. Wohl aber von Halloween. Gut, dann soviel doch für uns. Von Philipp Melanchthon stammt, dass Martin Luther seine 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an die Schloss- und Universitätskirche zu Wittenberg angeschlagen habe. Am 31. Oktober 1517 waren sie aber einem eindringlichen Brief an Albrecht von Mainz und Magdeburg (und wahrscheinlich noch anderen Empfängern), unter dessen Autorität in diesen beiden Kirchenprovinzen, sofern es die Landesherren erlaubten, der Ablass für die Peterskirche in Rom vertrieben wurde. Luther ermahnte den Erzbischof umgehend die von ihm herausgegebenen Anweisungen für den Vertreib des Petersablasses zurückzuziehen und für Predigt des Evangeliums statt des Ablasses zu sorgen. Diesen Brief legte er seine 95 Thesen gegen Ablass bei.

Damals wie heute geht es um das Evangelium. Es geht um Gottes Liebe, die er uns in Jesus Christus zuwendet. Es geht um die Gewissheit von Gott geliebt und angenommen zu sein. Menschliche Satzungen müssen sich an der Liebe Gottes messen und überprüfen lassen.

Ein gar nicht auf dem ersten Blick reformatorischer Text für diesen Gottesdienst, verweist und zuletzt auf das Wesentliche. Versuchen wir es heraus zu hören.

Jesus wird zur Scheidung von den Pharisäern befragt. Vielleicht können sie ihm eine Falle damit stellen. Die Bibel als ein menschliches Buch kann auch über dieses Thema streiten und reden. Nicht das Fest und die Freude der Eheschließung stehen im Mittelpunkt. Wie ist es, wenn zwei Menschen miteinander erfahren, wir halten es nicht mehr aus Wer begleitet sie dann? Wer steht ihnen bei? Jesus stellt eine Gegenfrage. Die Antwort liegt klar auf der Hand. Gott hat es von Anfang der Schöpfung darauf angelegt, dass menschliches Miteinander, erst recht die Ehe, gelingen. Ursprünglich und von Anfang an hat Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Ihre Gemeinsamkeit, ihr Einssein liegt in ihrer Geschöpflichkeit, in ihrem Menschsein, aus dem gleichen Fleisch und Blut zu sein. Darin erkennen sich Mann und Frau gegenseitig und finden zueinander.

Die Zwei beginnen dann ein Neues. Ein Fleisch zu sein sind sie nicht durch ihre Sexualität, sondern als zwei mit unterschiedlichster Herkunft, eigenen Gedanken und Lebensvorstellungen zu einer Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Eins sind sie, weil die Liebe sie miteinander verbindet und sie erkennen, mit Dir und niemand anderes möchte ich mein Leben zusammen leben.

Am Anfang, ganz ursprünglich stand die Liebe, die alles Gegensätzliche von Mann und Frau, von zwei Menschen miteinander verbunden hat. Wenn hier in unserem Text von Beginn steht, so heißt das im griechischen Texte Arche, von Anfang an. Das bedeutet stets soviel wie "wesentlich, eigentlich, prinzipiell". Jesus führt hier keinen Gelehrtenstreit. Es geht hier um das Wesen der Liebe, wie Gott sie "ursprünglich" gemeint hat. Was aber war das für eine Liebe am Anfang? Es ist die Liebe, wie sie im Paradies bestand. Sie ist das einzige, der wir wirklich folgen können, meint Jesus mit seiner Antwort. Die Liebe befähigt uns, uns selbst und einen anderen Menschen vorbehaltlos zu bejahen. Allein die Liebe ist so unendlich und stark wie Gott selber. Denn die Liebe kommt von Gott. Eine solche Liebe soll der Mensch nicht nur trennen, er wird es überhaupt gar nicht können.

Man kann die Liebenden unglücklich machen, man kann sie zwingen zu allen möglichen Formen von Krankheit und Leid, man kann sie bis in den Tod hetzen – die Dramenbücher aller europäischen Sprachen sind voll davon – , aber töten kann man die Liebe nicht.
# Hohld 8.7

Die Liebe braucht prinzipiell keine Gesetze. Auch beschützt werden muss sie nicht. Sie ist stärker als alles, was sonst im Menschen lebt. Die Liebe ist stark und verbindet alles im Menschen miteinander. Sie ist imstande, die Erde mit dem Himmel zu verbinden, den Geist mit dem Körper, die Seele mit dem Fleisch, die Sinnlichkeit, wie man so sagt, mit der Sittlichkeit, die Wahrheit des Herzens mit der Weisheit des Geistes. Sie heilt alle Risse und Wunden, die wir geschlagen haben.

Mit seiner Antwort an die Pharisäer bricht Jesus mit einem Prinzip. Mann und Frau sind nicht miteinander verbunden, weil Menschen das wollen. Es ist die Kraft der Liebe, die von Gott herkommt, wunderbar befreiende und wunderbar versklavende Allmacht der Liebe. Es geht immer um die Liebe zweier Menschen, nicht um die Institution der Ehe oder Familie, von der Jesus spricht und was von Anfang an gemeint ist.

Gesetze braucht man, wenn die Liebe zu Ende ist. Wie viel bittere Erfahrung steht für viele Menschen heute dahinter. Wie einsam und verzweifelt sind sie darin. Gesetze braucht man nicht, wo der Weg ins Paradies offen steht. Das aber wollte Jesus. Er wollte den Weg der Liebe wieder freimachen, damit wir zurückkehren in das verlorene Paradies; ein von Zwang, Angst, Erniedrigung und Schuldgefühlen befreite Menschheit wollte Jesus. Sein "das soll ein Mensch nicht trennen" lässt sich nicht abspalten von dem nun alles verwandelnden Hinweis: "Im Anfang war das so." Die Herzenshärte braucht Gesetze. Aber es sind nicht die Worte, die Gott eigentlich uns sagen will.

Hier hinein gehören alle Worte Jesu vom Leben, wie z.B. die Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums. Er ist nicht gekommen, um uns zu richten, sondern dass wir volle Genüge haben, das wir leben können. Er ist der Anbruch des Reiches Gottes, wie es im Anfang, ursprünglich und eigentlich war. Das nennen wir das Paradies. Er führt uns zu den Anfangen, zu dem Eigentlichen, dem uns Wesentlichen zurück. Er führt uns zur Liebe zurück und befähigt uns dazu.

Es ist unwichtig, ob wir in einer Ehe oder in ganz anderen Beziehungen leben. Es gilt die gefährdeten, die zerschlagenen und zerrütteten und von Schuld beladenen Beziehungen durch die Liebe heilen zu lassen. Das ist möglich, wenn wir unsere Schuld am Kreuz abladen und uns mit der Liebe Gottes füllen lassen.

Reformation ist, an den Anfang, wie es ursprünglich war zurückzukehren. Aus der Liebe Gottes leben. Jesus Christus ist uns Wegweiser dazu.

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