Aufmunterung und Ermutigung

Zu Beginn eine altbekannte Geschichte: Ein Weißer und ein Indianer gehen durch eine Großstadt. Plötzlich hält der Indianer inne: ‘Ich höre eine Grille’ Tatsächlich finden sie nach langem suchen in einem Blumentopf, der vor einer Haustür steht, eine Grille. Der Weiße äußerte sich voller Bewunderung über das gute Gehör des Indianers, der im Getöse der Großstadt das leise Zirpen einer Grille hört. Der erwiderte: ‘Weiße hören genauso gut – nur anders’ Zum Beweis warf er eine Geldmünze vor sich hin. Trotz allen Lärms schauen sofort etliche dorthin, wo die Münze hingefallen ist.

Es geht um Wahrnehmung: was nehme ich eigentlich wie wahr. Da begegnen mir täglich so viele Menschen in der Schule, in der Kirche, an der Arbeitsstelle, im Verein, in der Nachbarschaft. Gerade da, wo sich Menschen persönlich kennen, heißt es oft, sei alles viel besser. Aber gerade dort herrscht oft auch das allzu Menschliche. Gerade darum muss auch dort immer wieder auf Zeugnisse biblischer Geschichte gehört werden, wie sie uns im Hebräerbrief begegnen:

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Eine kurze Aufmunterung und Ermutigung: Gott ist immer ein Opfer darzubringen, heißt es da – aber ein Lobopfer, das anders aussieht als unser Erntedankaltar. Vielleicht eher wie dieser Tisch, den uns die Konfirmanden und Katechumenen schenken? Ich denke er hat etwas davon.

Dank – Erntedank ist immer etwas Tätiges. Menschen geben etwas, nicht um irgend etwas zu erreichen, sondern einfach aus Dankbarkeit. Einen großen Erntedankaltar finde ich auf der Bank. Wie – noch nicht gesehen????? Ich meine jene Konten, auf die Menschen überwiesen haben, um den Hochwasseropfern zu helfen oder um die Aidshilfe zu unterstützen oder für ‚Brot für die Welt‘ oder Aktion Mensch oder oder oder oder ……Das tun die ja alle nicht, um etwas dafür zu bekommen, sondern um zu helfen – und vielleicht ja auch aus Dankbarkeit, dass es ihnen ja gut geht. Ich freue mich darüber, dass die Dankbarkeit derart verbreitet ist unter Menschen. Es gibt so viele Menschen, die wollen nur eingeladen werden, danke zu sagen und schon tun sie es in reichem Maße. Nur das persönliche Danke sagen, fällt manchen schwer. Das spüre ich. Das muss man vielleicht auch immer wieder neu lernen. Einfach danke sagen den Eltern und den Kindern, den Nachbarn und den Kollegen, denen die helfen und denen, die Ideen haben.

Zum Dank kann niemand gezwungen werden. Vielen Menschen unserer Tage ist der Dank peinlich, weil Danke sagen auch bedeutet zugeben zu müssen: Ich brauche Menschen, die mir helfen – und das sind nicht immer nur die Menschen, die ich sowieso gut leiden kann. Aber gerade dann kann es befreiend werden, Danke zu sagen. Gerade wenn ich die Peinlichkeit überwinde und feststelle: Wie toll, dass Menschen einander brauchen und einander helfen können. Wie gut, dass keiner nur einfach für sich allein lebt.

Da bin ich wieder bei unserer kleinen Geschichte vom Anfang. Was nehme ich wie wahr, was bin ich bereit zu hören, zu sehen, zu spüren? Nehme ich nur das wahr, was mir direkt weiterhilft oder bleibe ich offen für alles Zwischenmenschliche, das Gemeinschaft fördert und herstellt. Auch Unterbewusstsein lässt sich schulen. Darum will ich meine Sinne, meine Augen und Ohren offen halten und erkennen, was alles Gutes geschieht.

Im Bezirk Spiesen haben Konfirmanden und Katechumenen einen Tisch gebaut, einen Stehtisch von dem aus Gottesdienste gestaltet werden sollen. Dafür dürfen wir dankbar sein. Vor allem aber dafür, dass sie in ihrer Erinnerung gekramt haben: Was für biblische Geschichten kennen wir, welche Sprüche erinnern wir uns. Das war für mich schon ein beeindruckendes Erlebnis, wie viel da zutage kam an Erinnerung, an Wissen. Es it eben nicht so, dass die Jugendlichen nur Videogames und Hits und TV-Serien im Kopf haben. Unglaublich viele biblische Erinnerungen. Nicht nur verlorener Sohn und barmherziger Samariter. Und das, was sie sich ausgesucht haben, um diesen Tisch zu gestalten widersprach vielen Vorurteilen – und das wie auch: Adam + Eva, brennender Dornbusch, verlorenes Schaf und Jesu Wort: ‚Ich bin das Licht‘. Dieser Tisch ist eine eigene Predigt für unsere Kirche in Spiesen. Seine wir dankbar für die Jugendlichen, die uns geschenkt sind. Dazu haben wir allen Grund. Sie bringen ein lebendiges Lobopfer dar und wenn viele Menschen dem nachfolgen, kann auch in unserer Gemeinde neues Leben blühen.

Vielleicht schaffen wir es heute alle zusammen Danke zu sagen: Danke Gott für alles, was uns am Leben erhält, für die Sonnen und den Regen, das Essen und das Trinken, die Menschen und die Liebe, die Fragen und die Antworten. Und vielleicht ist dieser Dank mehr als nur ein ‚Danke‘, sondern ein tun, das den Menschen und der Gemeinde Gottes weiterhilft.

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