Aufbruch ins neue Leben

Liebe Gemeinde,

wir haben uns heute im Wald versammelt um Himmelfahrt zu feiern. Unter freiem Himmel können wir uns Christi Himmelfahrt natürlich auch besonders gut vorstellen. Wenn wir nach oben sehen, erblicken wir die blaue Weite des Himmels und freuen uns an dem schönen Wetter. In dieser Weite des Himmels öffnen sich unsere Herzen für Gott, der dieses große Weite erschaffen hat. Ich möchte mich aber heute nicht auf den ersten Teil des Wortes Himmelfahrt konzentrieren also den Himmel, sondern ich möchte mir den zweiten Teil näher ansehen, nämlich die Fahrt. Wer denkt schließlich bei dem warmen Sonnenwetter nicht an Sommer Sonne Urlaub und vielleicht die letzte Urlaubsreise oder vielleicht die zukünftige. Es sind ja nur noch wenige Wochen bis zum Beginn der Sommerferien. Eine Fahrt, eine Reise das ist Himmelfahrt ja auch. Wenn man reist muss man sich von dem einen Ort wegbewegen, um zu dem anderen zu gelangen. Jesus verlässt den Erdboden, um in den Himmel zu Gott zu gelangen. Fasziniert blicken ihm seine Freundinnen und Freunde nach. Aber sie sollen nicht bei dieser Faszination stehen bleiben. Die beiden Engel, die beim Entschwinden Jesu in den Himmel dabei sind, machen sie darauf aufmerksam, dass auch ihnen eine Reise bevorsteht und dass es für sie hier auf der Erde noch viel zu tun gibt. Mit der Abreise beginnt ihre eigene Reise, ihre Aufgabe hier durch die Welt zu reisen und die frohe Botschaft über den Erdkreis zu verbreiten. Das werden sie tun und dabei bis an die Grenzen der bekannten Welt gelangen.

An Himmelfahrt befinden wir uns in der Geschichte Gottes mit uns Menschen an einem Übergangspunkt. Die Geschichte Jesu hier auf unserer Erde findet ihren Abschluss und die Kirchengeschichte beginnt und mit ihr die Geschichte der Freundinnen und Freunde Jesu und dessen, was sie aus ihren Erfahrungen mit Jesus machen. Dieser Übergang ist nicht so einfach, denn die Freundinnen und Freunde müssen Jesus zurücklassen. Sie müssen Abschied nehmen und ihre Trauer über den Verlust Jesu abschließen, um nun neue Wege zu gehen, um einen neuen Aufbruch in die Welt zu wagen. Liebe Gemeinde, auf unserer Lebensreise kommen wir immer wieder in eine solche Situation. Wir müssen altes zurücklassen, uns von dem Himmel, in den es gegangen ist, abwenden, und eine neue Lebensphase beginnen. Dabei wirkt natürlich das alte und die alten Erfahrungen weiter, aber wir müssen doch neu aufbrechen und uns einen Weg ins Unbekannte bahnen.

Ich denke da an die Kinder in der vierten Klasse. Sie müssen die Grundschule hinter sich lassen und in der neuen Schule neuen Anforderungen gerecht werden, neue Freundinnen und Freunde suchen. Dabei hilft ihnen natürlich, was sie in der Grundschule gelernt haben. Aber natürlich gibt es auch ein kleines Gribbeln im Bauch etwas Angst und natürlich ganz viel Vorfreude auf die neue Schule.

Ich denke auch an die Eltern, deren letztes Kind gerade den Haushalt verlassen hat. Sicher werden sie immer Eltern bleiben und die Kinder werden immer einmal wieder zu Besuch kommen und sonst auch noch Unterstützung brauchen und eines Tages vielleicht Enkel herbeischaffen. Aber trotzdem beginnt jetzt ein neues Leben. Die beiden müssen neu lernen als Paar miteinander auszukommen ohne die Kinder dazwischen. Sie müssen sich gemeinsame Aktivitäten ausdenken und erfinden, sich vielleicht auch wieder neu kennen lernen, ein spannender Übergang, in dem sie altes loslassen müssen, um neues beginnen zu können.

Ich denke auch an diejenigen, die gerade pensioniert worden sind. Die Last der Arbeit fällt von einem ab. Aber nicht nur die Last, auch die Anerkennung und Erfüllung, die mit der Arbeit verbunden war, ist plötzlich weg. Es ist nun Zeit zu reisen, und das zu tun, was man immer bis auf die Zeit der Rente verschoben hat. Aber spielt die Gesundheit noch mit? Und wie reagiert die Ehepartnerin oder der Ehepartner auf diese neue Situation?

Ja, die Aufbrüche ins neue enthalten immer auch ein Fragezeichen, immer etwas Angst, was da wohl auf mich zukommt, etwas fest halten wollen am Alten, aber auch die Lust einen neuen Freiraum zu nutzen, etwas zu gestalten, eine Station weiterzugehen auf der Lebensreise.

Dabei können wir uns von der Himmelfahrtsgeschichte ermutigen lassen, ruhig und voller Vertrauen aufzubrechen.

Denn wir gehen nicht in eine dunkle Zukunft voller Zerstörung und Verzweiflung, sondern wir folgen auf unserem Lebensweg einem, der uns voran gegangen ist und zwar voran Richtung Himmel. Jesus ist für seine Freundinnen und Freunde sichtbar zu Gott gegangen und auch für uns gilt die Verheißung, dass wir auf dem Weg zu Gott sind. Wenn wir vertrauensvoll und mutig vorangehen, und versuchen den neuen Phasen in unserem Leben Gutes abzugewinnen, dann werden wir sehen, wie Gott dabei bei uns ist wie Gott uns begleitet. In der Himmelfahrtsgeschichte heißt es: Und ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen. Diese Kraft des heiligen Geistes kommt von Gott auf uns zu und hilft uns die neuen Herausforderungen unseres Lebens zu bewältigen. Die Kraft des heiligen Geistes kommt von Gott auf uns zu und hilft uns uns auch einmal einen Schritt vorzuwagen und etwas neues auszuprobieren. Diese Kraft ermutigt uns nicht am alten kleben zu bleiben, uns für neue Erfahrungen zu öffnen. Gestärkt durch die Kraft des heiligen Geistes schaffen wir die nächsten Schritte auf unserem Lebensweg Richtung Himmel. Aber dieser Weg zum Himmel findet eben hier auf der Erde statt. Und wie das aussehen kann zeigt uns die Geschichte vom Rabbi, der jeden Morgen in den Himmel stieg.

Von einem chassidischen Rabbi einer aus der osteuropäischen Frömmigkeitsbewegung ging die Sage, dass er jeden Morgen vor dem Frühgebet zum Himmel aufsteige. Ein Gegner der Frömmigkeitsbewegung, lachte darüber und legte sich vor Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er: der Rabbi verließ, als Holzknecht verkleidet, sein Haus und ging zum Wald. Der Gegner folgte von weitem. Er sah den Rabbi Holz fällen und in Stücke hacken. Dann lud der Rabbi sich das Holz auf den Rücken und schleppte es in das Haus einer armen kranken, alten Frau. Der Gegner spähte durch das Fenster, und er sah den Rabbi auf dem Boden knien und den Ofen anzünden.

Als die Leute später den Gegner fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des Rabbi, sagte er: "Er steigt noch höher als bis zum Himmel."

In diesem Sinne wünsche ich uns allen gute Himmelfahrten. Die Kraft des heiligen Geistes möge uns begleiten und stärken.

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