Auf der Suche nach …? – Gott lässt sich finden!

<i>[Diese Predigt wurde für den Sonntag Septuagesimae am 20. Februar 2000 konzipiert.]</i>

Das Thema heute heißt. "Auf der Suche nach….? – Gott lässt sich finden!" In dem Zeitungsartikel zur Ankündigung für unseren Gottesdienst heute morgen, habe ich geschrieben, dass man natürlich kaum jemandem mit einer großen Lupe in der Hand herumlaufen sieht, auf der Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen. "SO" suchen wir natürlich nicht. Wir suchen möglichst unauffällig. Denn schließlich ist es irgendwie peinlich, dass einem etwas fehlt. Es ist peinlich, wenn man etwas verloren hat, oder es einfach verschwunden ist. Und dann wird es womöglich noch peinlicher, wenn das Verlorene an der falschen Stelle wieder auftaucht, so wie jetzt gerade mit den verschwundenen Millionen der CDU.

Die harmloseste Variante des Suchens und Findens ist sicher noch die Suche nach dem Autoschlüssel, wenn man gerade aus dem Haus will, oder wenn sich die Brille mal wieder an einem unauffindbaren Platz versteckt hält. Und wie ist es mit den anderen Dingen? Habt ihr schon ein Urlaubsziel für dieses Jahr gefunden, oder seid ihr noch auf der Suche? Oder suchst du gerade eine neue Wohnung, oder eine neue Stelle? Vielleicht bist du auch schon seit einiger Zeit auf der Suche nach dem Traumprinzen, mit dem du das Leben teilen möchtest?

Das sind alles wichtige Dinge. Da lohnt es sich, sich auf die Suche zu machen. Dafür braucht man Ausdauer und Zielstrebigkeit. Aber vielleicht ist das alles auch gar kein Problem. Du bist mit allem bestens versorgt. Du kannst zufrieden sein. Du kannst mit dir und der Welt zufrieden sein. Es läuft alles im "grünen Bereich", wenn da nicht dieses komische Gefühl wäre. Irgendetwas fehlt. Du bist nicht so richtig zufrieden. Du fühlst dich leer, irgendwie sinnlos und todlangweilig. Selbst wenn du irgendwelche Action machst, gibt dir das nicht den richtigen Kick. Das Leben bleibt irgendwie öde und trist. Dabei könntest du eigentlich ganz zufrieden sein. Du könntest sogar stolz auf dein Leben sein. Vielleicht hast du es auch zu "etwas gebracht" wie man so sagt. Trotzdem fehlt dir das lohnende Ziel.

Die Sache mit Gott und dem Glauben hört sich zwar irgendwie interessant an, aber es ist auch so weit weg. Ist das nicht eher etwas für alte Frauen und Schwächlinge, die selber nicht recht mit dem Leben klarkommen? Trotzdem bist du neugierig, denn da sind nicht nur Alte und Schwache, die sich Christen nennen. Da sind auch noch ein paar ganz normale Leute dabei, Leute, die man eigentlich gar nicht bei den Frommen erwarten würde. Für die ist der Glauben offensichtlich sehr wertvoll. Macht dich das ein bisschen neugierig? Wäre es nicht interessant noch mehr über Jesus und den Glauben herauszufinden? Aber wie macht man das? Wen könnte man fragen?

Vielleicht geht es dir so oder ähn lich. Du bist ein bisschen neugierig. Du würdest schon gerne etwas über den Glauben, über Jesus erfahren. Aber wie? Du findest nicht den richtigen Zugang. Das ist so wie bei einem alten aniken Schreibtisch. Man weiß, das es da irgendwo ein Geheimfach geben muss. Aber wo? Es gibt so viele Stellen an denen man bei so einem Schreibtisch drücken oder ziehen kann. Gibt es einen Trick, mit dem man das Geheimnis lüften kann? So ähnlich ging es auch einem Mann in der Bibel. Er hätte zu gerne Jesus näher kennengelernt. Er war so neugierig. Aber er wusste nicht, wie er das anstellen sollte, denn er war einfach nicht der richtige Typ dafür. Er wusste gar nicht wie er überhaupt an Jesus herankommen sollte, denn da war immer so viel Trubel. Und überhaupt haben ihn die Leute gar nicht durchkommen lassen. Es war aussichtslos. Also überlegte ER sich einen Trick, wie er an Jesus herankommen konnte.

[TEXT]

Was können Leute von der Art wie Zachäus tun, um zu Jesus zu kommen? Manchmal haben wir den Eindruck: Wenn es doch nur so einfach wäre wie damals bei Zachäus. Notfalls würde ich auch noch auf einen Baum klettern, wenn es nur hilft. Aber Vorsicht: Was steckt dahinter? Was steckt hinter dieser Kletterpartie des kleinen Mannes?

1. Zachäus macht sich wirklich auf den Weg.
Das ist wichtig. Er unternimmt etwas. Zachäus wartet nicht zu Hause im Fernsehsessel darauf, dass Jesus bei ihm vorbeikommt. Zachäus lässt sich seine Suche und seine Sehnsucht etwas kosten. Immerhin gehört Zachäus zur sogenannten High Society in Jericho. Er gehört zum Geldadel, wenn auch zu den unbeliebten Neureichen, die ihr Geld eher auf halblegale Weise gemacht haben. Die Sache mit den doppelt oder überhöht abgerechneten Gebühren ist keine Erfindung der Zahnärzte oder der Herzchirurgen des 20. Jhdts, sondern den Trick kannte man damals auch schon. Dieser Zachäus riskiert es doch tatsächlich, sich zum Gespött der Leute zu machen, indem er irgenwo entlang der voraussichtlichen Wegstrecke von Jesus sich auf einen Baum heraufhangelt, weil er so unendlich gerne Jesus sehen möchte. Könnt ihr euch das vorstellen? Dieser Anblick ist allen Ernstes ein Foto in der BILD-Zeitung wert. "Betrügerischer Zollinspektor klettert jetzt auch auf Bäume." So spart man auch noch das Trinkgeld für die Anwohner mit einem Balkon zur Straße. Alles das nimmt Zachäus in Kauf. Hauptsache, er lernt Jesus kennemn. Deshalb geht er zielstrebig an einen Ort, wo er Jesus begegnen kann. Da kommt die nächste Überraschung:

2. Jesus kommt ihm entgegen
Das hätte Zachäus so nicht erwartet. Jesus tritt heraus aus dieser großen brodelnden Menschenmenge, und Jesus steuert zielgenau auf ihn persönlich zu. "Zachäus komm schnell herunter von deinem Baum, ich muss heute noch dein Gast sein." (Lk 19, 5) Zachäus ist überwältigt. Er merkt: Nicht nur ich habe Jesus gesucht, sondern Jesus hat auch nach mir gesucht. Er spricht mich sogar mit Namen an. Jesus kennt mich schon längst! Er kommt auf mich zu, obwohl ich Dreck am Stecken habe. Er erweist mir sogar die Ehre, dass er sich öffentlich mit mir sehen lässt. Er traut sich sogar, mein Gast zu sein. Damit:

3. Zachäus findet mehr, als er gesucht hat.
Ohne Rücksicht auf unser Versagen, unsere Fehler oder unsere Schuld, kommt Jesus auf uns zu. Es ist egal, ob das allseits bekannte Schuld ist, wie damals bei Zachäus. Oder ob es sich um Dinge handelt, die wir lieber unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit halten. Jesus kommt auf dich und mich zu. Er will etwas mit uns zu tun haben. Eigentlich wollte Zachäus Jesus nur ein bisschen näher kennenlernen. Nun ist Jesus ihm so nahe gekommen, wie man sonst nur einen Freund nahekommen lässt. Zachäus erlebt, wie er bei Jesus trotz aller seiner Schattenseiten einfach angenommen und geliebt ist, eben wie ein Freund. Dabei hat Zachäus‘ Leben so viele Schattenseiten! Und trotzdem bietet Jeus ihm seine uneingeschränkte Freundschaft an! Das ist mehr als er je zu hoffen gewagt hatte. Denn das viele Geld hatte ihn nicht glücklich gemacht – aber dafür einsam. Dieses Erlebnis krempelt das Leben von Zachäus um. Als Jesus sich ihm so mit Liebe zuwendet, wendet sich auch Zachäus mit seinem ganzen Leben Jesus zu. Er kehrt um zu Jesus und ist auch bereit, sein Leben vor Gott und den Menchen in Ordnung zu bringen, denen er Unrecht getan hatte. Das macht Jesus heute noch so. Er kommt uns entgegen und lässt sich finden. So steht es in V.10: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist." Jesus nimmt jeden von uns an.

Gott lässt sich finden. Hast du dich schon auf den Weg gemacht, ihm zu begegnen? Wenn du es auch leid bist, mit dieser inneren Leere und Unzufriedenheit zu leben, und wenn du merkst, dass du deine Fehler und deine Schuld nicht einfach nur wegschieben kannst, so kannst du dich an Jesus wenden, der dich trotz allem liebhat, und der dir deine Schuld abnimmt. Du kannst ihm dein Leben anvertrauen. Du kannst das z.B. mit dem folgenden Gebet tun, das du für dich im Stillen jetzt mitbeten kannst:

GEBET: Jesus, mir ist klar geworden, dass ich mein Leben selbst bestimmt habe und ich von dir getrennt bin. Vergib mit meine Schuld. Danke, dass du meine Sünden vergeben hast, weil du für mich gestorben bist. Jesus, bitte übernimm die Führung in meinem Leben und verändere mich so, wie du mich haben willst.

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