Angesteckt – Gottes Geist bewegt

Liebe Gemeinde!

I. Pfingsten – das ist das Fest der Geistesgegenwart Gottes Geist setzt in Bewegung. Die Jünger Jesu haben kein Grund zur Beschwerde, keinen Grund zur Klage, weil sie nach der Himmelfahrt Jesu nicht alleingelassen sind, sondern sich in guter Gesellschaft befinden. Der Geist Jesu, so erzählt die Pfingstgeschichte, begeistert sie. Sie können frei reden von dem, was ihre Herzen erfüllt und ihnen auf der Zunge liegt. Sie dürfen frei reden, von dem, der ihre Herzen ergreift und den Gott nicht im Tode ließ. Wo der Geist weht, dort ist Freiheit. Das ist die befreiende Botschaft zu Pfingsten: "Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten" – sein Geist lässt im Geist des Evangeliums Jesu, Menschen zusammenkommen und die verstehen sich. Sie verstehen sich auf die gute Nachricht von der Gnade Gottes, die in Jesus Christus aller Welt und jedem Menschen gilt. Und wo sich Menschen, Männer und Frauen, Junge und Alte, Arme und Betuchte auf das Evangelium verstehen, dort entsteht Gemeinde, die Gottesdienst feiert, die "in Ehrfurcht vor ihn treten". Und wo Gemeinden entstehen, entsteht die Kirche, weil es nicht gut ist, dass der Mensch, zumal der an das Evangelium glaubende Mensch, allein sei. Das sollte sich von selbst verstehen.

Nun hören wir heute morgen eine Begebenheit aus dem Alten Testament, in der wir erst einmal Pfingsten suchen müssen. Das ist gar nicht so einfach! Aber wir versuchen zu hören:

[TEXT]

II. Darf man so mit Gott sprechen? Da schimpft einer, dass die Wände des Stiftzeltes wackeln. Da beklagt sich einer in Gegenwart des Herrn, und das nicht wenig: "Bin ich das Kindermädchen für dein Volk? Ich muss hier in der Wüste seit den Tagen der Befreiung das Volk herumschleppen, wie ein Kindermädchen die Gören anderer Leute. Der eine will hierhin, der andere will dorthin, und nie sind sie zufrieden. Jetzt wollen sie Fleisch essen mitten in dieser Wüste. Wie soll ich das schaffen?" Mose ist am Ende seiner Kraft: "Es ist mir zu schwer", gesteht er. Er ist müde, lebensmüde. Daher erlaubt er sich in der Gegenwart Gottes kräftig zu schimpfen. So viel Luft hat er noch. Er möchte die Verantwortung abgeben an den, der das schwierige Volk Israel zu verantworten hat: der Gott Israels selbst.

Jeder, der Verantwortung trägt in einem Bereich seines Lebens kann das nachvollziehen: sei es in einem Verein als Vorsitzender, in der Ortsgemeinde als Bürgermeister, in der Kirchengemeinde, oder in der Familie als Mutter oder Vater: Verantwortung ist eine Bürde, und viele zuppeln am Rock. Das Bild des Mose trifft: Es geht zu wie im Kindergarten. Da tanzen erwachsene Leute um ein goldene Kalb, so bald sie alleingelassen, weil sie ein Spielzeug brauchen. Das soll der neue Gott sein aus Gold, zum Anfassen, zum Herumspielen.

Heute tanzt alles ums Geld und um die Aktien, und was da für wilde Tanze aufgeführt werden. Und wehe, wenn die Gewinnerwartungen nicht erfüllt werden. Da hört der Spaß auf. Und der Aktien-Mose soll in die Wüste geschickt werden. Da wird in einer infantilen Gesellschaft der "Fußball-Gott" angerufen. Ein Funktionär entblödet sich nicht ein seltsames Bekenntnis abzulegen: er glaube von heute an nicht mehr an diesen "Fußball – Gott". Recht so! Ich glaube auch nicht an "Witzfiguren". Erst recht nicht an Fußball als Ersatzreligion. Der Ball ist nicht nur rund, sondern innen hohl. Der Beispiele sind Legion. Goldene Kälber stehen allerorten.

III. Mose erlaubt sich so und nicht anders mit Gott zu sprechen. Und Gott antwortet. Und wenn Gott antwortet, wird daraus ein pfingstliches Ereignis; es kommt zu einer Lösung, zu einer Befreiung: Älteste und Amtleute werden berufen, die Mose entlasten werden. Mose muss abgegeben, loslassen, heute sagt man: delegieren; die Aufgaben und die Last auf viele Schultern verteilen. Dazu wird der Geist Gottes von Mose genommen und auf seine Mitarbeiter übertragen. Mose verliert dadurch nichts, er gewinnt dabei. Er darf wieder zu Kräften kommen, weil er nicht alleine die Verantwortung tragen muss. Wo der Geist Gottes weht, gibt es in einer Gemeinde und Kirche nicht mehr die Einzelkämpfer, die Macher, die alle Aufgaben an sich ziehen und darüber zerbrechen müssen. Es gibt nur die vielen Frauen und Männer, die nicht weniger begabt, an der Gemeinde Jesu bauen, die mitreden, mit planen, mit handeln, mitfeiern. Jeder "Mose" soll sich das gefallen lassen.

IV. Hier geschieht also Pfingsten. Der Geist Gottes macht aus Männern und Frauen Prophetinnen und Propheten, die ein ganzes Volk mit ihrer Begeisterung, mit ihrer Freude an Gott, anstecken. Die nicht aufhören, den Frieden Jesu in dieser verwirrenden, von Hass und Ungerechtigkeit zerrissenen Welt anzustiften. Die sich nicht nehmen lassen, geistesgegenwärtig zu leben, so dass wahr werde, was der Prophet Joel ausrichten lässt: Gott spricht: Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.

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