An die Leine gelegt …

Liebe Gemeinde, Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

im Konfirmandenunterricht haben wir das Thema Taufe Behandelt und dabei auch die Bilder besprochen, die Paulus hier verwendet: "Durch die Taufe ist euer altes Leben beendet; ihr wurdet mit Christus gleichsam begraben; aber durch den Glauben seid ihr auch mit ihm zu einem neuen Leben auferweckt worden. Diesen Glauben hat Gott in euch bewirkt, und er war es auch, der Christus von den Toten auferstehen ließ."

Art der Taufe. Durch Untertauchen des ganzen Menschen am besten in einem fließenden Gewässer Begraben werden – unter Wasser getaucht werden – ablegen des alten sündigen Lebens: "Durch die Taufe ist euer altes Leben beendet." Ende des alten Lebens = gestorben sein – unter Wasser getaucht sein: "ihr wurdet mit Christus gleichsam begraben." Auferweckt werden – aus dem Wasser auftauchen – neues Leben mit Jesus Christus: "aber durch den Glauben seid ihr auch mit ihm zu einem neuen Leben auferweckt worden."

Wir sehen also, dass es hier auf das Verhältnis zwischen Glauben und Taufe ankommt. Alexander hat zu seiner Taufe heute ja gesagt, Christopher tat das vor zwei Wochen. Für die anderen Konfirmandinnen und Konfirmanden kommt es darauf an, dass ihr eure Taufe an eurer Konfirmation bestätigt. Denn ihr sollt Christen und keine Zwirnfadenchristen werden. (Zwirn zeigen)

Der Pfarrer Konrad Eißler erzählt, dass bei ihm, zu Hause ein kleiner Baum im Garten stand. Als seine ersten Zweige grün wurden, bekamen die Buben die strikte Anweisung, Fußballspiele in ausreichender Entfernung zu veranstalten. Sie taten das schon, aber ein verunglückter Strafstoß wurde zum Volltreffer und knickte den schönsten Zweig. Aber nicht nur der Zweig, auch die Buben waren geknickt. Wie konnte dem Zweig vor dem Verdorren und ihnen vor der Strafe geholfen werden? Sie besorgten einen Zwirnsfaden, wickelten ihn um die Bruchstelle und siehe da, der Zweig stand so schön wie vorher, – aber nur einen Tag lang. Dann fiel der Mutter auf, wie die Blätter hingen und welk wurden. Sie entdeckte den Zwirnsfaden, der nichts nützte. Es gibt so viele Zwirnsfadenchristen. Sie sind angebunden an der Kirche mit dem Faden der Tradition. Sie sind angebunden an den Glauben mit dem hauchdünnen Fädchen der Erinnerung. Dieses Zwirnfaden-Christsein nützt nichts. Es kommt nichts heraus. Wir müssen nicht angebunden, sondern verbunden sein, Jesus muss in uns drin sein. Das meint es, wenn ich sage Taufe und Glaube beide sind wichtig. So wichtig, dass ich euch Konfirmanden einen Bibelvers dazu habe lernen lassen: (Felix Mk 16,16 auswendig)

Was ist der Inhalt dieses Glaubens, der so wichtig ist. Dazu lesen wir hier: "Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen so schwer belastete, eingelöst und auf ewig vernichtet, indem er ihn ans Kreuz nagelte."

In Schwaben gibt es eine kleine Dorfkirche mit einem eindrücklichen Deckengemälde aus der Barockzeit. Der Maler hat Jesus am Kreuz dargestellt. Davor steht der Teufel mit einem Brief in der Hand. Auf dem Schuldbrief stehen die Sünden der Menschen, die der Teufel Jesus vorhält. Wie viele Sünden verklagen die Menschen! Sie alle gehören dem Teufel und seinem Verderben. Aber da ist noch ein Engel. Er hat einen Schwamm in der Hand. Mit diesem Schwamm fängt er das Blut und Wasser, das aus der Seitenwunde Jesu tropft, auf. Mit dem Schwamm löscht er die Sünden der Menschen im Schuldbrief aus. Das ist die gute Nachricht dieses Bildes: Jesu Leiden und Sterben, sein kostbares Blut sühnen unsere Schuld und löschen unsere Sünden aus. Sie können uns nicht mehr vor Gott verklagen. Wir sind in Jesu Liebe versöhnt und frei. Das ist damit gemeint, das unser Schuldschein an das Kreuz genagelt ist. Und von hier aus kommen wir auch zu dem Taufspruch von Alexander: Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; rufet ihn an, solange er nahe ist. (Jesaja 55,6) Das bedeutet für dich Alexander, dass du deine Schuldschein, denn du bei Gott hast ein, nehmen darfst, und ihn an das Kreuz heften, denn dort wischt Gott die Schuld durch seine Vergebung aus. Jeder das macht bekommt die große Verheißung: einmal beim großen Triumphzug Jesu Christi am Ende der Zeit mit dabei zu sein, denn die finsteren dämonischen Mächte sind entmachtet und an die Leine gelegt: "Auf diese Weise wurden die finsteren dämonischen Mächte entmachtet und in ihrer Ohnmacht bloßgestellt, als Christus über sie am Kreuz triumphierte."

Wenn wir Rom vor einem Triumphbogen der römischen Kaiser stehen, hier z.B. der Titusbogen (Bild vom Titusbogen zeigen), dann wird diese Sichtweise der Wirklichkeit eines Christenlebens deutlich. Der Triumphzug war der größte Tag im Leben der römischen Kaiser. Der Triumphzug war die Erfüllung eines Lebens für Kaiser und Legionäre. Wie sah der Triumphzug aus? Vor dem Siegeswagen des Kaisers marschierten die Kolonnen der Gefangenen. Je größer die Beute, um so herrlicher der Triumph. Genauso ist es mit dem Siegeswagen Jesu Christi. Seitdem Jesus über dieser todgeweihten Erde am Kreuze rief: »Es ist vollbracht!«, sind alle finsteren dämonischen Mächte vor den Triumphzug Christi eingespannt. Ob uns gegenwärtig ist? Wir stehen mit Jesus in dieser untergehenden Welt auf der Siegerseite. Ob wir das erfahren haben: "Jesu Liebe kann erretten, Seine Hand ist stark und treu. Er zerbricht die Höllenketten, Er nur macht dein Leben neu"?

Hinter dem Siegeswagen marschierten die Legionäre. Sie kamen aus harten Kämpfen. Sie hatten dem Tode ins Auge geschaut. Der Marsch hinter dem Siegeswagen war kein Spaziergang. Die Narben und die Wunden zeugten davon. Aber das alles war vergessen und unwesentlich, weil man im Triumphzug marschierte. Das sind heute die Christen aus den Hausgemeinden im Untergrund in China, die Christen der abgebrannten Kirchen in Indonesien, die von Moslems versklavten Christen im Südsudan. Manche von euch Konfirmanden glauben, der Sieg sei ohne Kampf möglich. Sie wollen die billige Gnade. Aber die gibt es nicht: "Und ob jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht!" Gott führt immer auf rechter Straße um Seines Namens willen. Wir marschieren immer im Triumphzug, ob wir nun Gefangene sind vor dem Siegeswagen oder Befreite hinter dem Siegeswagen. Wir werden einmal alle durch den Triumphbogen Jesu marschieren. Entweder ist unser Leben mit Jesus verbunden, wir haben unsere Sünden mit dem Schwamm des Blutes Jesu auswischen lassen, dann werden wir auf dem Siegeswagen Jesu durch seinen Triumphbogen fahren. Oder wir sind nur dem Namen nach Christen, wie mit Zwirn angebunden, dann werden wir einmal wie die finsteren dämonischen Mächte an die Leine gelegt und als besiegte hinter dem Wagen von Jesus Christus marschieren. Nach der Predigt singen die Konfirmanden: "Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf." Die drei Strophen spiegeln die drei Teile unseres Predigtextes wieder: Wir dürfen im Glauben mit Jesus verbunden sein – denkt an den Zwirn. Das sehen wir in Strophe 1: Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf, strahlt inmitten der Finsternis für uns auf. Jesus, du Licht der Welt sende uns dein Licht. Mach uns frei durch die Wahrheit, die jetzt anbricht. Wir dürfen unsere Schuld durch Jesu Kreuz wegwischen lassen – denkt an den Schwamm. Um das Blut Jesu, das unsere Schuld wegwischt, geht es in Strophe 2: Herr, voll Ehrfurcht komm ich zu deinem Thron, aus dem Dunkel ins Licht des Gottessohns. Durch dein Blut kann ich nun vor dir stehen. Prüf‘ mich, Herr, lass mein Dunkel vergehen. Und wir dürfen im Triumphzug Jesu mitmarschieren, denn er hat die Mächte des Bösen an die Leine gelegt – denkt an den Triumphbogen. Diesen Triumph besingt Strophe 3: Schaun wir, König, zu deinem Glanze auf, dann strahlt dein Bild auf unserem Antlitz auf. Du hast Gnade um Gnade gegeben, dich widerspiegelnd erzähl‘ unser Leben von deinem Licht.

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