Alles Seife

Liebe Gemeinde,

heute habe ich etwas praktisches aus dem Haushalt mitgebracht. (Seifenstück zeigen) Ein Hersteller für Seife sagte einem Christen: "Das Christentum hat nichts erreicht. Obwohl es schon bald zweitausend Jahre gepredigt wird, ist die Welt nicht besser geworden. Es gibt immer noch böse Menschen." Der Christ dachte eine Weile nach. Dann wies er auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind, das am Straßenrand im Dreck spielte, und bemerkte: "Seife hat nichts erreicht. Es gibt noch immer schmutzige Menschen auf der Welt." "Seife", entgegnete der Hersteller, "nutzt nur, wenn es angewendet wird." Der Christ antwortete: "Christentum auch." Seife wirkt nur, wenn man sie anwendet. Das ist für jedes Kind sonnenklar. Ich wünsche mir, das wäre auch für das Christentum sonnenklar. Da hat man einen Taufschein in der Tasche und denkt sich: "Ich habe ja meine Taufe, also bin ich Christ". Doch das ist mitnichten so. wenn du mit so einem Taufschein an die Himmelstür kommst, sagt Petrus dir: "Der ist längst verfallen." Ich kann doch nicht eine Packung Dash oder Weißer Riese in der Hosentasche haben und meinen, dann wären meine Kleider sauber. Ich muss die Kleider in die Waschmaschine stecken, Pulver hineinfüllen, Waschprogramm starten und dann geht es ab. Und was herauskommt ist saubere Wäsche.

So ähnlich ist es auch mit dem Christentum. "Lebt so, wie Gott es von denen erwartet, die er zu seinen Kindern gemacht hat", schreibt Paulus hier. Also ab geht’s, Gott macht euch zu seinen Kindern. Und nun lebt auch so, seid untereinander einig und handelt dieser Kindschaft entsprechend. Ich darf also den Glauben anwenden und danach leben. Aber Achtung, das ist gefährlich. Das darf man nicht in den falschen Hals kriegen. Waschmittel schüttet man in die Waschmaschine nicht in die Kehle. Wenn man Waschmittel isst, das kann tödlich sein. Es ist nämlich giftig. Und die Kleider werden auch nicht sauber davon. Nein, Waschmittel bringt nur etwas, wenn ich es richtig anwende. Christentum auch. Da gibt es viele Möglichkeiten, es falsch anzuwenden. Eine davon ist, dass alle so glauben müssen wie ich. Dann kommt die Einheit schon automatisch. Dann gibt es nur eine Richtung, nämlich meine. Doch das ist tödlich, genauso tödlich. wie wenn ich Waschmittel esse. Denn wenn nur meine Meinung gilt, dann habe ich keine Einheit, sondern nur eine neue Richtung im Christentum. Viele neue Gruppen sind schon so entstanden.

Schauen wir lieber auf die Packungsbeilage des Christentums. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte ihren Pfarrer oder die Bibel. Aber schauen wir uns, wie Christentum richtig angewendet wird: Paulus redet hier von Freundlichkeit. Das ist nicht passiv in dem Sinn, ich bin nur freundlich, wenn andere zu mir freundlich sind. Die Freundlichkeit geht von mir aus. Vorbild für diese Freundlichkeit ist Jesus Christus selber. Nicht ich bin der Maßstab aller Dinge, der Nabel der Welt, sondern ich lasse mir von Gott und der Bibel sagen, wohin mein Leben gehen soll und gehe auf andere freundlich zu. Weiter redet Paulus von Geduld. Geduld ist nicht passiv, sondern die Weisheit auf den rechten Zeitpunkt zu warten. Auch hier ist Gott uns ein Vorbild. Er wartet z.B. schon die ganze Zeit, dass du umkehrst von deinen eigenen Wegen und zu ihm kommst, so geduldig ist Gott. Drittens redet Paulus von der selbstlosen Liebe. Selbstlose Liebe ist nicht passiv, sondern der Mut auf eigene Vergeltung und Rache zu verzichten, weil ich weiß, dass Gott die Menschen und die Welt richten wird. Das heißt nicht, dass du nicht für Gerechtigkeit eintreten sollst. Aber diese Liebe macht Schluss mit "jedem das gleiche und mir das meiste", weil sie den Mut hat, jedem das zu geben, was er braucht.

Christen sind mutige und aktive Leute. Aber deine Freundlichkeit, deine selbstlose Liebe und deine Geduld reichen nicht aus. Wenn du auf dich gestellt wärst, dann wärst du hoffnungslos verloren. Doch Gott möchte dir durch seinen Heiligen Geist diese Gaben schenken. Deswegen ist hier von der "Einheit – wie sie der Heilige Geist schenkt" die Rede. Der Heilige Geist bewirkt nicht nur die Einheit, sondern er gibt auch die Voraussetzungen für die Einheit, nämlich Freundlichkeit, selbstlose Liebe und Geduld. Wir können uns gar nicht ändern – von uns aus. Das wäre dann wirklich eine Überforderung. Glaube ist und bleibt ein Geschenk. Aber am Geburtstag lässt man das Geschenk, das ein Freund bringt, nicht liegen. Wir packen es aus. Dann legen wir es auch nicht in die Ecke, sondern wir gebrauchen es dafür, wozu es da ist. So ist auch mit dem Glauben. Der Glaube ist ein Geschenk, das Gott uns gibt. Wir dürfen ihn annehmen, auspacken und dazu gebrauchen, wozu er da ist. Er hilft uns auch im Alltag mit Gott zu leben. Seine richtige Anwendung ist es, jeden Tag mit Gott und mit Jesus leben. Wenn sich etwas ändern soll, wenn wir untereinander in Frieden leben wollen, dann müssen wir in enger Verbindung mit Gott und mit Jesus leben. Wir haben die Zusage: wenn ich mit Gott und mit Jesus lebe, wird sich was ändern. Schauen wir uns weiter dazu an was Paulus sagt:

Er redet hier drei Dingen, auf die es ankommt: Das erste: "Gott hat uns in seine Gemeinde berufen. Darum sind wir ein Leib. In uns wirkt ein Geist, und uns erfüllt ein und dieselbe Hoffnung." Ein Leib – mit Leib ist die Gemeinde gemeint. Also zuerst einmal unsere evangelische Kirchengemeinde Hardheim-Höpfingen. Von der Einheit mit anderen Kirchen, so wichtig sie ist, will ich heute nicht reden. Einheit fängt in meiner Gemeinde an. Ich kann nicht über mangelnde Einheit in der christlichen Kirche schimpfen und mit meinen Mitchristen in der eigenen Gemeinde nicht auskommen. die Einheit fängt dort an, wo die Menschen, die hier in Deutschland geboren sind und die Menschen, die woanders geboren sind, zu einer Gemeinde werden. Ein Geist – nicht wir sind es, die diese Einheit bewirken. Gottes Geist wirkt unter uns. Und da wo er wirkt und er wirkt in unserer evangelischen Kirchengemeinde, da ist die Einheit schon immer da. Die Einheit ist vorgegeben. Doch wir können sie festhalten oder loslassen. Wir können Neue in unserer Mitte aufnehmen oder hinausdrängen. Die Neuen können zu uns kommen, oder lieber für sich allein bleiben. Was Gottes Geist möchte ist klar. Er möchte, dass die Neuen zu uns kommen und wir sie in unserer Mitte aufnehmen. Eine Hoffnung – ich gebe zu, dass nicht immer viel von der Einheit zu sehen ist. Darum spricht Paulus von der Hoffnung, die Gott uns selbst gibt. Christen sind berufen an die Hoffnung zu glauben. Und so ist auch hier. Wir dürfen die Einheit erhoffen und erglauben. Und wenn wir eine Hoffnung haben, dann haben wir auch das gleiche Ziel.

Zum anderen spricht Paulus von "Wir haben nur einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe." Ein Herr – Jesus Christus reicht. Alle anderen Herren, sind falsche Herren. Und Jesus ist auch die einzige Möglichkeit durch die wir Gott erkennen können. Wie Gott wirklich ist, erfahren wir nur durch Jesus Christus. Darum ein Glaube – nämlich der Glaube, das Jesus Christus für mich von Gott gekommen und für meine Fehler gestorben ist. Eine Taufe – Eine Taufe führt zu dem Glauben. Die reicht, wenn ich sie anwende. Das ist jetzt speziell was für die Konfirmanden. Die meisten sind als Kinder getauft. Und diese eine Taufe, die sie als Kind bekommen haben, die wird in der Konfirmation oder als Erwachsener bestätigt und gelebt. Ansonsten verfällt sie. Als Ihr getauft wurdet, da haben Eure Eltern für Euch die Entscheidung getroffen. Jetzt müsst Ihr dazu Stellung nehmen. Wenn ihr euch konfirmieren lasst, dann wendet ihr die Taufe an. Ihr sagt Ja zu Eurer Taufe. Damit nehmt ihr das Geschenk Gottes an. Und es ist unendlich viel wertvoller als jedes Geburtstagsgeschenk. Also lasst es nicht in der Ecke liegen. Gebraucht es und lebt im Glauben an Jesus Christus.

Zum dritten schreibt Paulus: "Und wir haben nur einen Gott. Er ist der Vater, der über uns allen steht, der durch uns alle und in uns allen wirkt." "wir haben nur einen Gott" – Es gibt nur einen Gott, den Vater Jesu Christi. Er ist auch der Gott für alle anderen Menschen. Alles was sonst noch den Anspruch erhebt, Gott zu sein, das sind falsche Götter. "der Vater, der über uns allen steht" – Dieser Gott ist über allem. Er regiert die Welt. Und trotz dem Chaos und all den Kriegen, die es hier in dieser Welt gibt, dürfen wir wissen: dass Gott dem Bösen eine Grenze setzt: Bis hierher und nicht weiter. Und so dürfen wir vertrauen, dass unsere Welt in Gottes Händen liegt. Gott "der durch uns alle und in uns allen wirkt" – An Gott kommt niemand vorbei. Man muss zu Gott Stellung beziehen. Entweder ich lebe mit ihm oder ich entscheide mich gegen ihn. Einen dritten Weg gibt es nicht. Da Gott alles in allem ist, führt an ihm keine Entscheidung vorbei.

Dieser Gott der alles in allem ist schenkt seiner Gemeinde die Einheit. Die Einheit ist da. Er hat sie seiner Gemeinde gegeben. Wir können in der Einheit leben oder sie aufgeben. Lasst uns in dieser geschenkten Einheit leben. Das fängt damit an, das ich schaue, wer neben mir in der Kirche sitzt. Wenn ich komme, kann ich ihm die Hand geben, um ihn zu begrüßen. Wenn ich ihn nicht kenne, kann ich fragen, wer er ist. Einheit muss auch in unserer Gemeinde gelebt werden. Aber wir brauchen nicht zu meinen, dass wir sie selber machen können. Die Einheit in unserer Gemeinde beruht auf unserem gemeinsamen Glauben an Jesus Christus. Darin ist sie vorgegeben. Aber durch unser Verhalten können wir sie preisgeben oder bewahren. Und so möchte ich Ihnen heute morgen Mut machen, diese Einheit zu bewahren. Denn Gott hat sie uns geschenkt. Darum können wir sagen: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

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