Allen Anlass zum Loben

Liebe Gemeinde!

Zum Beginn des Gottesdienstes haben wir mit dem nachdenklichen Text von Jörg Zink "Die letzten sieben Tage der Schöpfung" unsere Klage vor Gott gebracht. In der Lesung haben wir Gottes lebenschaffende Wort, das die Schöpfung ins Dasein gerufen hat, gehört: "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht." Und als Evangelium haben wir das großartige Wort aus dem Evangelium des Johannes vernommen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."

Am Anfang also ging die Welt aus Gott hervor, wie ein Wort aus dem Munde eines Menschen hervorgeht. Etwas, was in Gott war, das aus Gott hervorgeht, wurde sichtbar und hörbar. Es wurde Welt. Jörg Zink sagt: "Wenn ich die Großartigkeit und Schönheit dieser Erde und des Universums betrachte, dann möchte ich fast sagen: Gott singt die Welt aus sich heraus." Die Welt ist ein großer Reigentanz sagen die alten Kirchenväter. Sie ist eine große Musik, sagt Kepler. Er könne sich gar nicht genug an der Erde satt sehen, soll der erste Raumfahrttourist Dennis Tito gesagt haben, der z.T. auf der innternationalen Raumstation Urlaub macht. Und wenn wir hier miteinander singen, so versuchen wir dieses Singen Gottes aufzunehmen und ihm auf unsere Weise zu antworten.

Wenn ich gefragt werde: Woher die Welt kommt, dann sage ich: Im Anfang war nicht der Zufall, am Anfang war nicht die blinde Energie. Am Anfang war der Geist. Geist in Gott. Denkender Geist. Gestaltender Geist, liebender Geist. Am Anfang sprach Gott ein Wort. Und sein Geist wurde sichtbar in Himmel und Erde, fassbar in einer Welt und ihren Gesetzen, nahm einen Leib an, wurde greifbar in den Dingen. Und sage weiter: Das Wort war nicht nur am Anfang. Es ist noch immer die schaffende Kraft. Es ist noch immer das geheime Wesen der Dinge. Er spricht sich noch immer aus auch im nachdenkenden Geist des Menschen.

Am Anfang auch unseres eigenen Lebens war und ist der schaffende Geist Gottes. Auch wir selbst kommen aus seiner Kraft, aus seiner gestaltenden Kunst. Der Sinn unseres Weges durch dieses seltsame Leben ist noch immer der, die leise Stimme des schaffenden Geistes zu hören und ihr Antwort zu geben. Ihr unser Ja zu sagen. Daran erinnert der heutige Sonntag: Jubilate! Freuet euch im Herrn! Denn was am Anfang war, das ist heute und das ist in Ewigkeit: der schaffende und sprechende Gott. Und unser Menschenleben ist nichts anderes als die Antwort auf den Sinn, den Gott in dieses unser Dasein gelegt hat.

Wenn das Johannesevangelium sagt: Am Anfang war das Wort und es wohnte mittten unter uns, dann es weist auf Jesus. In ihm trat ans Licht wie schon am ersten Schöpfungsmorgen Gottes Plan: Zuwendung. In Jesus können wir sie ablesen. Durch die Begegnung mit ihm wird ein Mensch gesund, frei von seiner Vergangenheit, getröstet in seinem Leid, wird aus einem Krüppel ein aufrecht gehender Mensch. Eine zerstörte Gemeinschaft wird neu, entstanden aus dem schöpferischen Wort Gottes. In diesem Jesus spricht Gott: Fürchte dich nicht. Ich liebe dich, Mensch. In meinen Augen bist du wertvoll. Auch wenn dein Weg dich durch viel Dunkel führt, ich begegne dir in deinem Dunkel und rufe dich. Mein Wort ist nicht nur ein Wort. Es ist das Licht auf deinem Weg und das Licht über dir.

Wenn wir diese Stimme einmal gehört haben, dann sind wir dazu berufen, selbst eine Stimme zu werden, eine Stimme für die, die anders als durch ein Wort ihren Weg nicht finden. Eine Stimme, die sagt: Ich liebe dich. Oder: Ich verlasse mich auf dich. Oder: ich danke dir. Oder: Ich bitte dich. Oder:Ich bin glücklich mit dir. Oder: Verzeih mir. Oder: ich verzeihe dir. Ich lasse dich nicht fallen. Was wir so einander zusprechen, das ist in immer neuer Form das eine Evangelium von Gottes Liebe, das durch uns fassbar und begreifbar wird als Wahrheit und Einsicht, als Sinn und Erfüllung, als Glück und Hoffnung, als Trost und Geborgenheit.

Vielleicht kommt dadurch das Wesen und das Geheimnis allen Menschenlebens ans Licht: wir sind geschaffen zu seinem Gegenüber, das ihn hört und ihm antwortet. So loben wir Gott, der aus Finsternis Licht, aus Tod Leben schafft. Er hat es am Anfang getan. Er hat es in der Mitte der Zeit getan. Er wird es am Ende aller Zeit tun. Darauf verlassen wir uns. Darauf gründet unsere Hoffnung, auch die Hoffnung für uns selbst. Und darauf wollen wir mit unserem Wort und Lied eine Antwort sein.

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