Abenteuer Advent

Liebe Gemeinde,

das Lied, welches wir gerade gesungen haben, geht leichter über die Lippen als es zu leben ist: „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen.“ Wenn wir uns gerade umhören, so stöhnen die Menschen über Stress und Belastung und warten weniger darauf dass Jesus wiederkommt, sondern mehr das die Belastung geringer wird und sie wieder zum Luftholen kommen. Doch halt, hier heißt es „Jesus kommt uns zum Segen“. Und in dieser Zeit, in der viele Rennen und Stöhnen heißt Segen, dass Gott uns die kraft und die Sicht für das Gestalten der Adventszeit schenken möchte. Lasst uns hinter die Kulissen von Advent schauen:

Wenn wir das Wort Advent nehmen, es kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“, dann fällt auf, dass es ähnlich klingt wie das englische Wort „adventure“. Ich weiß nicht ob sie sprachlich zusammenhängen, aber der Vergleich hat mit so gut gefallen, das ich heute vom „Abenteuer Advent“ sprechen will.

Ein Abenteuer braucht Zeit und Raum, darum ist die Adventszeit eine begrenzte und gefüllte Zeit. Wenn ich mich darauf einlasse, dann habe ich und andere Gewinn. Ich will das an dem Gespräch von Kerze und Zündholz verdeutlichen: Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: "Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden." "Oh nein, nur das nicht!" erschrak die Kerze. "Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt, und niemand wird mehr meine Schönheit bewundern." Das Zündholz aber fragte: "Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne vorher gelebt und Abenteuer erlebt zu haben?" "Aber brennen tut weh und zehrt an meinen Kräften", flüsterte die Kerze unsicher und voller Angst … "Es ist wahr", entgegnete das Zündholz, "aber das ist doch das Geheimnis der Berufung. Du und ich – wir sind berufen, LICHT zu sein. Was ich als Zündholz tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen. Du bist eine Kerze. Du bist da, um zu leuchten und Wärme zu schenken. Alles, was du an Schmerz, Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in LICHT. Du gehst nicht verloren, wenn du dich hingibst, dich verzehrst. Andere werden dein Feuer, dein LICHT weiter tragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben …" Da senkte die Kerze ihren Docht und sprach: "Ich bitte dich, zünde mich an …" Es wird dabei beleiben, das die Adventszeit Kraft und Schweiß kosten wird. Doch wenn wir die Schönheit von Advent zum leuchten, dann werden wir bereit sein die Kosten zu tragen. Nehmt Euch Zeit und Raum für das Abenteuer Advent und bringt seine Schönheit zum Leuchten.

Die Kerze hatte Mut gewonnen. Ein Abenteuer braucht „Mut“, darum ist unserem Predigttext von Mut die Rede. Christen sind mutige Leute, die heute anfangen das leben, was in Gottes Reich einmal Wirklichkeit sein wird. Es lohnt sich Gott alles zu geben, davon erzählt folgende Geschichte: Ich ging als Bettler von Tür zu Tür die Dorfstraße entlang. Da erschien in der Ferne ein goldener Wagen wie ein schimmernder Traum, und ich fragte mich, wer dieser König der Könige sei. Der Wagen hielt an, wo ich stand. Dein Blick fiel auf mich, und mit einem Lächeln stiegst du aus. Endlich fühlte ich mein Lebensglück kommen. Dann strecktest du plötzlich die rechte Hand aus und sagtest: "Was hast du mir zu schenken?" Welch königlicher Scherz war das, bei einem Bettler zu betteln! Ich war verlegen, stand unentschlossen da, nahm schließlich aus meinem Beutel ein winziges Reiskorn und gab es dir. Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich am Abend meinen Beutel umdrehte und zwischen dem wertlosen Plunder das kleine Korn wieder fand – zu Gold verwandelt. Da habe ich bitterlich geweint, und es tat mir leid, dass ich nicht den Mut gefunden hatte, dir mein Alles zu geben. Die Geschichte zeigt mir, dass ich Gott alles geben kann, meinen Adventstress, meine Sorgen, das was mich gerade am meisten beschäftigt. Lass dich auf das Abenteuer Advent ein und du wirst merken, dass Gott selbst deinen Stress, deine Sorgen und einfach alles in Gold verwandeln kann.

Ein Abenteuer hat ein Ziel. Ziel ist der christliche Glaube und das er kommt. Er kommt. Wer kommt, der Niklaus? Nein, er kommt. Wer kommt, der Weihnachtsmann. Nein, er kommt. Jesus Christus. Wir haben so viele andere Dinge im Advent, das wir darauf achten müssen, das sie nicht das wesentliche überdecken und aus dem Abenteuer Advent eine Stress machen.
Schauen wir auf den Nikolaustag, der gestern war. Wenn wir Kinder Fragen, was es mit dem Niklaus auf sich hat, werden wir ganz selbstverständlich hören, das der Nikolaus Geschenke bringt. Das ist ja nicht falsch, seht aber erst am Ende einer Geschichte. Angefangen hat das, das ein Bischof Nikolaus das Abenteuer des christlichen Glaubens lebte und aus dieser Motivation heraus Arme und Bedürftige beschenkte. Schauen wir auf den Weihnachtsmann, der uns in diesen Tagen allerorten begegnet. Er ist das Person gewordene Weihnachtsfest, der auch für den ganzen Weihnachtsrummel steht. In der Presse kamen in den letzten Tagen Ratschläge von Psychologen, was diese gegen den Weihnachstress raten. Der Ratschlag geht dahin, sich nicht von der Umgebung oder Familie beeinflussen zu lassen, sondern das zu machen was man persönlich für richtig hält. Wenn ich aber das machen will, was ich persönlich für richtig halte, dann brauche ich Maßstäbe, an denen ich das entscheide. Was uns die Psychologen nicht verraten ist, das wir die Maßstäbe finden, wenn wir schauen, was hinter Weihnachten steckt. Wenn wir danach fragen, dann fängt das Abenteuer Glauben an.

Er kommt, das ist der Beginn des Abenteuers Advent. Jesus Christus will zu unserem Segen ins Leben kommen, es gibt kein größeres Abenteuer, das uns versprochen werden kann.

Mit dem Lied, das wir zu Beginn gesungen haben, will ich schließen, es fasst das wichtige zum Abenteuer Advent noch einmal zusammen: „Wir warten dein, du kommst gewiss, die Zeit ist bald vergangen; wir freuen uns schon überdies
mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, wenn wir dich sehn, wenn du uns heim wirst bringen, wenn wir dir ewig singen!“

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