Worte der Kraft

Unser heutiger Predigttext, liebe Gemeinde, stammt aus der Zeit, als der Apostel Paulus in Rom im Gefängnis saß und auf seinen Prozess und Verurteilung wartete.

In dieser für uns kaum vorstellbaren, sowie hoffnungslosen Situation findet Paulus Worte voller Kraft und Zuversicht. Ja, er findet Worte, die zeigen, dass er alle Menschen- und Todesfurcht hinter sich gelassen hat.

Ja, er findet Worte, die er an seinen Mitarbeiter Timotheus richtet, denn auch er muss damit rechnen, dass er in die gleiche Situation wie Paulus kommen kann und was soll ihm dann Halt geben?

[TEXT]

Jahrelang war Timotheus mit Paulus unterwegs und hat auf den beschwerlichen Reisen mit ihm das Leben geteilt. So ist das Hören von Paulus für Timotheus nicht nur eine Lehre, nein, sondern eine lebendige Erfahrung, an der er sein Leben ausrichtet.

Wenn wir uns dies einmal bewusst machen, dass auch wir auf diese Weise mit den Menschen, mit denen wir zusammenleben, geprägt wurden. – Die Eltern zusammen mit den Kindern, die Lehrer und die Schüler, die Pfarrer und die Gemeinde, Meister und Lehrlinge, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Je länger ich über den heutigen Predigttext nachdenke, umso klarer wird es für mich, dass dieser Brief des Paulus an Timotheus eigentlich gar kein privater Brief gewesen sein kann. Ich denke, dass dieser Brief an uns alle hier heute Morgen gerichtet ist; besser gesagt an alle Christen.

Bekennt euch also offen und ohne Scheu zur Botschaft von unserem Herrn! Schämt euch nicht! Gebt Zeugnis für die frohe Botschaft, für den Gekreuzigten und Auferstandenen!

Ja, Zeugnis zu geben für die gute Nachricht ist immer verbunden mit Leid und Beschwerden. Und aus diesem Grunde besteht auch bei Timotheus die Gefahr sich der Verkündigung der frohen Botschaft zu schämen.

Wie ist das denn so bei uns? Ist nicht eine aktive Christin oder Christ enttäuscht, weil sie oder er sich plötzlich allein gelassen vorkommt? Besteht dann nicht die Gefahr, mit sich selbst Mitleid zu bekommen und sich seiner Gutmütigkeit zu schämen?

Und Paulus? – durch sein Leben gibt er einen Schatz weiter, den er selbst empfangen hat; den kostbaren Schatz des Glaubens. Dieses kostbare Gut, welches er vor fast 2000 Jahren dem Timotheus anvertraut hat, das gilt es durch den Geist Gottes zu bewahren.

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Feigheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Diesen Glauben, liebe Gemeinde, will Gott in uns neu ins Leben rufen. Ja er gibt uns den Geist der Kraft: das Leben und die Freude und Versöhnung nicht nur zu predigen, sondern diese auch zu leben.

Diese Kraft wirkt in der Liebe, in der direkten Zuwendung zu meiner Nächsten und meinem Nächsten. Diesen Glauben will Gott in uns neu ins Leben rufen. Dieser Glaube hat etwas mit Widerstehen zu tun und nicht sofort alles resigniert anzunehmen. Dieser Glaube heißt trotzdem etwas zu wagen.

Und doch, so denke ich, dass Gott mit dem Geist der Kraft recht sparsam ist. Er gibt uns nie zu viel davon. Denn sonst könnten wir ja in Übermut geraten und der Ansicht sein, dass dieser Geist aus uns selbst kommt und wir auf Gott verzichten können.

Nein, Gott gibt uns immer gerade soviel von diesem Geist der Kraft, wie wir ihn gerade brauchen. Und auf diese Zusage dürfen wir uns dann verlassen. Wir brauchen dann nicht zu resignieren, Angst haben, verzweifeln und unsere Flügel hängen lassen.

In einer Fabel wird berichtet, dass man einen jungen Adler aus seinem Nest gestohlen hatte und ihn an eine Stange festkettete. Anfangs wehrte er sich gegen seine Fessel, doch dann ergab er sich in sein Schicksal.

Eines Tages erblickte er hoch über sich einen Adler, der seine Kreise zog. Von Tag zu Tag kam er ein Stückchen näher. Schließlich streifte er mit seinen Flügeln den angeketteten Adler. Da wurde eine Kraft in ihm lebendig, dass er mächtig an der Kette zerrte, sich losriss und davonfliegen konnte.

Wir brauchen gelegentlich jemanden, der uns sanft berührt, dass wir wieder jung werden wie ein Adler, dass Kräfte in uns freiwerden, die bis da­hin schlummerten und die wir verkümmern lie­ßen.

Der Geist der Kraft und der Geist der Liebe, die können schon etwas bewirken. Und wenn wir uns für Gottes Geist der Liebe und der Kraft öffnen, dann bewirken wir mehr als die Menschen, die sich dem Geist der Verzagtheit überlassen.

Nicht nur Timotheus, an den dieser Brief, unser heutige Predigttext, gerichtet ist, sondern auch wir müssen damit rechnen, dass wir in die gleiche Situation wie Paulus kommen können. Was soll uns dann noch Halt geben?

Nichts anderes als das, was Paulus auch gehalten hat und ihm geholfen hat alle Angst zu überwinden, die Verbundenheit mit Jesus Christus.

Jesus Christus, unser Retter, er ist auf der Erde erschien. Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht. Ja, er hat den Tod überwunden.

Der Tod macht uns vergänglichen Wesen, uns Menschen ein Ende. Hier kann nur ein einziger helfen, Jesus Christus, der in seiner eigenen Auferstehung dem Tod das Handwerk gelegt hat und der für alle, die an ihn glauben und auf ihn hören, die Tür in das unvergängliche Wesen Gottes ist.

Liebe Gemeinde, das ist unsere Zukunft, die Gott uns zugedacht hat. Diese Zukunft fängt in dem Augenblick an, in dem wir uns für Jesus Christus entscheiden. Er selbst, Jesus Christus nennt diese Zukunft das ewige Leben und er sagt uns ganz deutlich: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben.“ (Joh 5, 24)

Ja, wir haben das ewige Leben, hier in dieser Welt. Das ist die Sicherheit, die Jesus Christus durch die gute Nachricht all denen anbietet, die an ihn glauben.

Solch ein Glaube ist die ganz persönliche Beziehung zwischen Jesus Christus und dem oder der, die da glauben. Diese Beziehung wird immer Wirklichkeit und immer wieder neu, wo wir dem Wort Christi vertrauen und ihm gehorsam sind.

Wir wissen nun, dass wir durch Jesus Christus im ewigen Leben stehen und unsere Zukunft schon begonnen hat. Und wir wissen auch, dass sich diese Zukunft in der Herrlichkeit vollendet. Und wir brauchen uns nun nicht mehr über das, was die Menschen sonst so Zukunft nennen, keine Sorgen mehr zu machen.

Am Ende bleibt nur noch die zukünftige Herrlichkeit, die Gott der Vater in seiner Barmherzigkeit denen verleiht, die hier im ewigen Leben stehen.

Ja, liebe Gemeinde, Jesus Christus nimmt uns die Furcht vor Morgen, die Furcht vor der Zukunft, die Furcht vor dem Sterben, die Furcht vor dem letzten Gericht und er setzt an ihre Stelle die frohe Erwartung der zukünftigen Herrlichkeit.

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