Worauf kommt es an?

Liebe Gemeinde,

worauf kommt es im Leben wirklich an?

Auf Gesundheit antworten manche. Und dann tun sie alles, damit sie gesund bleiben: wenig Alkohol, nicht Rauchen, genug Bewegung, richtige Ernährung usw. Und wenn dann doch eine Krankheit kommt, welchen Sinn hat dann ein eingeschränktes oder behindertes Leben? Es muss wohl noch mehr geben, was uns am Sinn teilhaben lässt und unser Leben gelingen lässt.
Worauf kommt es im Leben wirklich an?

Auf Erfolg antworten andere. Und dann tun sie alles, damit sie erfolgreich sind. Sie strengen sich in der Schule an, planen ihre Karriere, lesen Beratungsbücher und nehmen an vielen Fortbildungskursen teil. Und wenn es dann einen Karriereknick gibt wegen Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pleite oder der Konjunkturdelle und der Umstrukturierung? Ist ein nicht ganz so erfolgreiches Leben immer noch ein erfülltes, glückliches und gelingendes Leben? Gibt es noch mehr als Erfolg? Muss es nicht mehr als Erfolg geben, sonst wäre ja nur das Leben derer an der Spitze ein gutes Leben?

Worauf kommt es im Leben wirklich an?
Auf Geld antworten andere. Und dann tun sie alles, damit sie viel Geld bekommen. Sie spekulieren mit Aktien und Häusern, sie arbeiten viel und versuchen an Berufe mit einer guten Bezahlung zu kommen, sie spielen Lotto oder versuchen, zu „Wer wird Millionär?“ zu kommen. Aber nicht alle können reich werden. Ist ein Leben sinnlos, wenn man den Euro zweimal umdrehen muss und sich alles leisten kann, was man in der Werbung sieht? Und selbst wenn ich ein neues Auto habe, demnächst schon hat mein Nachbar ein neueres. Wir wissen, nicht das Geld macht letztlich glücklich. Es muss mehr geben, damit die Fülle des Lebens nicht an mir vorüber geht.

Worauf kommt es im Leben wirklich an?

Auf Zufriedenheit antworten viele von denen, die oft in die Kirche gehen. Und sie meinen damit: was auch immer geschieht, es kommt darauf an, dass ich mich damit abfinde, dass ich das Beste daraus mache, dass ich mich nach der Decke strecke. Und mein Glaube hilft mir, mich zu bescheiden. Mein christlicher Glaube hilft mir, mich nicht im Neid zu verlieren und mich damit nur unglücklich zu machen. Mein christlicher Glaube hilft mir, nicht zu verbittern. Mein christlicher Glaube hilft mir zu einem hoffnungsvollen Blick, sodass für mich das Glas halb voll und nicht halb leer ist. Ja, eine solche Zufriedenheit ist erstrebenswert, aber in unserer Zeit der Kürzungen und des allgegenwärtigen Neids nicht einfach zu erreichen.
Unser heutiger Predigttext möchte uns auf diesem Weg zur Zufriedenheit helfen, damit wir verpassen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Ich lese uns das berühmte Hohelied der Liebe, den berühmten Lobgesang auf die Liebe, den wir beim Apostel Paulus finden im 1. Korintherbrief Kapitel 13.

[TEXT]

Worauf es ankommt, sagt Paulus, ist die Liebe. Wenn ich großen Erfolg hätte und viel Geld und ein langes Leben mit großer Gesundheit, all das wäre nichts, hätte ich die Liebe nicht. Denn am Ende, im Angesicht der Ewigkeit, zählt nur die Liebe.

Wirklich?

Ist das nicht nur eine Moral für Frauen und in der harten Wirtschaftswelt zählt anderes, wirklich mächtiges? Kommt es heute für Entscheider nicht darauf an, sich nicht weich machen zu lassen durch Gefühlsduselei, sondern harte Entscheidungen zu treffen und notfalls brutal Stellen abzubauen und liebgewordene Gewohnheiten zu durchbrechen. Und die, die an die Liebe glauben, die sorgen für den sozialen Kitt, damit nicht alles auseinander fällt?

So leben heute viele. Die Liebe ist in vielen erkaltet. Und wenn man dann versucht, die Liebe zu leben, dann wird man leicht ausgenutzt. Die Bibel sagt uns das voraus. Die Menschen, die den Weg Jesu gehen, die müssen sogar damit rechnen, verfolgt zu werden.
Lohnt es sich trotzdem, der Liebe Raum zu geben? Ist das der Weg, damit das Leben nicht an uns vorbei geht? Kommt es wirklich darauf an?

Hören wir noch einmal genau zu, was uns unser Predigttext sagt. Die Liebe höret nimmer auf. Alles andere ist Stückwerk und wird aufhören, wenn das Vollkommene kommen wird. Die Liebe aber gehört schon zu dem Vollkommenen der künftigen Welt Gottes. Wenn wir also lieben, haben wir jetzt schon Anteil am Himmel.

Auf die Liebe zu setzen, bedeutet auf den einzigen bleibenden Wert zu setzen.

In Zeiten der Unsicherheit empfehlen die Anlageberater Gold, weil es am stabilsten und sichersten ist. Die Liebe ist sozusagen das Gold unter all den Werten, für die wir uns entscheiden können. Wie kann das aussehen, die Liebe zu leben?

Wir können einander helfen. Wir können einander freundlich behandeln. Wir können das Gute verstärken. Wir können versuchen, Streit und Neid zu begrenzen. Wir können in der Familie füreinander eintreten. Wir können als Nachbarn einander besuchen oder beim Einkaufen helfen. Wir können in der Klasse einander Hausaufgaben geben oder vor einer Arbeit Tipps geben. Wir können in den Vereinen mit anfassen, wenn Not am Mann oder der Frau ist. Wir können hier in Messel uns füreinander interessieren und mit freundlichem Blick beim Einkaufen oder auf der Straße einander den Tag schöner machen. Wir können hier in Deutschland versuchen, aus dem dauernden Klagen, dem Neid und der Abwärtsbewegung heraus zu kommen, indem wir das Glas eher für halb voll als für halb leer halten.
Das sind nur kleine Beispiele. Sie haben sicher Ihre eigene Ideen, wie wir der Liebe unter uns Raum geben können. Je mehr von der Liebe gelebt wird, desto besser geht es uns allen. Die Liebe in uns und zwischen uns wirksam werden zu lassen, das bringt uns der Zukunft näher, die für uns vorgesehen ist: wenn das Vollkommene kommen wird, dann werden wir von Angesicht zu Angesicht sehen. Dann werden Menschen einander wirklich verstehen und lieben lernen. Hier proben wir noch.

Die Liebe ist übrigens nicht so sehr mein Gefühl oder meine Tat oder meine Freundlichkeit. Im Grunde ist die Liebe schon da, viel größer als ich und uns alle umfassend. Und ich muss eigentlich nur in diesen Raum der Liebe hineintreten und sie wirken lassen. Der Wirkungsraum der Liebe Gottes, es ist schon längst da unter uns. Nicht nur in der Kirche. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.

Worauf kommt es im Leben an? Auf die Liebe. Denn in der Liebe ist Gott schon unter uns. In der Liebe beginnt schon der Himmel. In der Liebe fängt unsere Zukunft schon an.
Mögen sie in uns und unter uns wirken: Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Liebe aber ist die größte unter ihnen.

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