Wir gehen ins Licht!

Liebe Gemeinde,

was erwarten wir noch von unserem Leben? Wo geht die Reise hin? Und was erwarten wir für die Zukunft unserer Welt? Wie ist da unser Lebensgefühl? Ich glaube das ist recht unterschiedlich. Einerseits halten wir ja viel vom technischen Fortschritt. Der Energieverbrauch der Geräte nimmt ab. Die Computer werden immer leistungsstärker. Die Abgase aus unseren Heizungen werden geringer. Wenn wir unser Leben mit dem der Menschen vor 200 Jahren vergleichen ist es doch sehr viel länger und bequemer geworden. Und wenn wir gar ein Jahrtausend zurückgehen, dann hat jede Sozialhilfeempfängerin heute mehr Luxusgegenstände zur Verfügung als damals Kaiser Otto der Dritte. Seit ich in die Schule gegangen bin, haben es einige Länder der Zwei Drittel Welt besonders in Südostasien geschafft sich in erfolgreiche Industrienationen mit hohem Lebensstandard zu verwandeln. Insofern war der Fortschrittsoptimismus des 19. Jahrhunderts nicht unberechtigt. Und trotzdem ist der Fortschrittsoptimismus heute begrenzt. Denn wir wissen, dass unsere heutige Lebensform, unsere Erde und die Menschheit in große Gefahr bringt. Die Anzeichen kennen Sie: Im Süden Neuseelands ist es gefährlich sich mehr als 10 Minuten hintereinander der Sonne auszusetzen, weil die Ozonschicht über dem Südpol bereits weg ist. Wenn wie vorausgesagt die Erde sich in den nächsten 100 Jahren um 5 Grad erwärmt wird mindestens Bangla Desh im Meer versinken. Das Aussterben von seltenen Tier- und Pflanzenarten hat sich in den letzten 10 Jahren noch einmal beschleunigt. Ein Viertel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Und die Meere werden rasant leergefischt. Also laufen wir in die Finsternis. Gehen wir auf eine schreckliche dunkle Zeit der Kämpfe um Wasser, Nahrungsmittel, und den Reichtum des Nordens zu? Steht uns eine Gesellschaft bevor, in der jeder sich selbst der Nächste ist und erbarmungslose Ausbeutung herrscht. Oder gehen wir ins Licht. Bekommt die Menschheit ihre Probleme in den Griff? Gibt es technische Lösungen für viele Umweltfragen? Stellt sich die Weltbevölkerung darauf ein, dass alle zusammenarbeiten müssen. Und wird die Hauptaufmerksamkeit in Zukunft auf Nächstenliebe und friedliches Zusammenleben und eine gerechte Verteilung der Güte unter alle gelegt? Wohin gehen wir? Die Frage ist aber nicht nur: Wohin geht unsere Gesellschaft, wohin geht die Geschichte der Menschheit. Es ist auch ein persönliche Frage: Wohin gehe ich? Und die Antwort auf diese Frage hängt auch vom Lebensalter ab. Ich wenn man älter wird, löst diese Frage mehr Angst aus? Wohin gehe ich, hat als mögliche Antworten dann so etwas wie ins Altersheim? Weg aus meiner Wohnung zu meiner Tochter? Was wird wenn ich immer weniger kann? Es kommt auch die letzte Antwort näher, gehe ich in den Tod?

Für jemand mit 14 sieht das oft optimistischer aus. Wenn ich älter werde, dann werde ich erfolgreich, ich werde eine Familie haben, niemand wird mir mehr vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Auf mich warten Herausforderungen und Abenteuer. Jedenfalls kenne ich 14jährige mit diesem Lebensgefühl. Mit 42 befinde ich mich gut dazwischen, und ich weiß nicht genau ob ich meine Zukunft eher optimistisch oder eher pessimistisch sehen soll. Jedenfalls hört sich alles, was ich bis jetzt gesagt habe, so an als wäre es doch sehr zeitabhängig. Und es ist doch fraglich, ob uns bei der Beantwortung der Frage: Wo gehen wir hin, oder wo gehe ich hin ein Text helfen kann, der inzwischen fast 2000 Jahre alt ist. Und doch ist es so: Ich lese Johannes 12,34-36:

[TEXT]

Ja und wie heißt die Antwort nun? Die erste Antwort unseres Textes auf die Frage wo gehen wir hin, heißt in die Finsternis! Dunkelheit liegt vor uns. Für Jesus führt sein Weg ans Kreuz in Folter und Tod. Und auch für uns führt unser Lebensweg immer wieder ins Leiden. Wir werden Schwierigkeiten bekommen. Wir werden krank werden. Wir werden Abschied von geliebten Menschen nehmen müssen. Wir werden an manchen unserer Aufgaben scheitern. Vor den Jüngerinnen und Jüngern Jesu liegen nach seinem Tod Zeiten der Verfolgung und der Lebensgefahr. Und wie sehr wir es uns auch wünschen mögen, es gibt kein Leben, in dem alles glatt geht und nur eitel Sonnenschein herrscht. Auch wenn äußerlich alles perfekt aussieht, dann gibt es doch immer noch innen Dinge unter denen wir leiden und mit denen wir nicht so leicht fertig werden. Die erste Antwort darf also nicht so einfach übergangen werden. Wir gehen in die Finsternis.

Aber das ist eben nur die erste Antwort. Die zweite Antwort lautet: Wir gehen ins Licht. Und die steht auch hier im Predigttext: Und sie stimmt genauso wie die erste. Wir gehen ins Licht. Denn das Licht ist unter uns und leuchtet uns und wir können uns gut orientieren, und sehen wohin wir gehen müssen, damit wir ans Ziel kommen. Das Licht ist unter uns und Jesus Christus ist das Licht der Welt. In Jesus Christus haben wir eine gute Orientierung für unseren Lebensweg.

Jesus Christus hat uns gesagt wie wir uns verhalten können und unsere Probleme im Zusammenleben lösen können. ?Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!? hat er gesagt. Genau so können wir mit anderen zurechtkommen, indem wir auf Gegenseitigkeit achten. Den anderen lieben und etwas dafür tun, dass es ihm gut geht, aber auch uns selbst lieben und für uns selbst sorgen. Und das im Gleichgewicht halten. So kann es gehen. Oder, ?wenn euch jemand (ein römischer Soldat) zwingt, sein Gepäck eine Meile weit zu schleppen, dann schleppt es zwei.? sagt Jesus und meint damit: Wahrt eure Freiheit auch wenn ihr denkt ihr habt gar keine mehr. Lasst euch nicht in einen Kampf hineinziehen, den ihr nicht gewinnen könnt. Draufhauen und zurückhauen sind nicht die einzigen Möglichkeiten, zu leben. Nutzt eure Phantasie Konflikte zu entspannen. Verzichtet auch einmal (nicht immer) auf ein Recht und seht, ob damit etwas in Bewegung kommen kann. Riskiert auch einmal etwas für eine gute Sache. Das sind wichtige Hinweise, wie wir heute in eine Richtung leben können, dass auch unsere Kinder und Enkel noch eine Zukunft haben. Bei all den Umweltproblemen ist noch etwas zu machen, wenn wir unsere Kraft und Phantasie dafür einsetzen, die Umwelt zu schützen. Und auch bei der Armut in der Zwei Drittel Welt ist noch etwas zu machen, wenn wir etwas von unserem Reichtum abgeben und in langfristige Hilfen stecken. Auch bei unserem Zusammenleben und unseren Alltagskonflikten ist oft noch etwas zu machen, wenn wir erst einmal zuhören, und dann vielleicht einmal überraschend anders reagieren als sonst. ?Haltet euch an das Licht!? sagt Jesus. ?Dann werdet ihr Menschen, die im Licht leben!? Wenn wir versuchen, den Weg mit Jesus zu gehen, und uns an seine Vorschläge für ein gutes Verhalten halten, dann geschieht nicht nur etwas mit unserer Zukunft. Es geschieht auch etwas mit uns selbst. Es geht dann von uns etwas von dem Licht aus, das Jesus in die Welt gebracht hat. Und wenn es um uns herum Dunkel wird und unser Weg in die Dunkelheit führt, dann verlieren wir trotzdem nicht die Orientierung. Denn dann ist das Licht in uns und führt uns auch wieder aus der Finsternis heraus. Insofern heißt die Antwort auf unsere Frage Wohin gehen wir, Wohin geht die Geschichte der Menschheit? und auch die persönliche Frage Wohin gehe ich? Die Antwort heißt immer ins Licht zu Gott. Dieser Weg zu Gott ist manchmal schwer zu finden, und manchmal führt er durch Verzweiflung und Leid. Aber mit der Orientierung an Jesus Christus führt er immer zu Gott und damit auf ein Ziel was weit über die Spanne unseres kleinen Lebens hinausführt. Und deshalb dürfen wir auch für die Geschichte der Menschheit und unserer Welt hoffen, dass sie letztlich nicht in die Katastrophe sondern zu Gott führt. Und dann haben wir es im Grunde leicht. Wir müssen nicht die Welt retten und wir müssen auch nicht uns selbst retten. Wir müssen nur versuchen unseren Weg durch unseren Alltag zu finden und uns dabei an Jesus Christus orientieren. Dazu wünsche ich uns allen die Begleitung und den Beistand Gottes.

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