Wie sagen wir es weiter?

Wir haben in der Evangeliumslesung die Versuchungsgeschichte gehört. Sie kann uns zu Beginn der Passionszeit mit der Erinnerung an sein leiden auch daran erinnern, dass Jesus ja oft versucht wurde, nicht nur in der Wüste vom Teufel, sondern in seinem alltäglichen Leben auch von den Treuesten wie zum Beispiel Petrus. Die Versuchung, dem Leiden zu entgehen und als der Held dazustehen, war immer wieder da. Gedacht ist wohl eher an eine lebenslange Versuchung Christi, so dass die Versuchungsgeschichte als ein Beispiel steht für die Versuchungen, denen Jesus widerstand. Er hatte Gottes Auftrag und hat ihn gelebt gegen alle Widerständen auch seine Eigenen. Damit gilt er Menschen, die aus dem Judentum kommen ChristInnen geworden waren als der Hohepriester, das heißt als der Diener Gottes, der ein vollkommenes Opfer gebracht hat. Daran erinnert der Brief an die Hebräerinnen und Hebräer, an Menschen, die in doppelter Gefahr stehen. Zum Einen ist da die Gefahr von Ablehnung und Verfolgung, zum Anderen ist aber auch die Versuchung, den Glauben zu verlassen und zu den alten Bekenntnissen zurückzukehren. Darum schreibt der unbekannte Autor:p>[TEXT]

Zu Beginn der Passionszeit, die ja oft Grau in Grau gesehen wird, eine durch und durch fröhliche Geschichte: Uns geht es ja gut: Wir haben nämlich das, wonach andere sich sehnen: Den Sohn Gottes, Jesus Christus. Er hat alles erreicht, was wir brauchen zum Leben – und er schenkt es uns.

Wir könne nur antworten mit dem das Bekenntnis zu Jesus Christus als dem wahren Hohepriester. Ihm ist dieses Amt mit der Taufe (mein lieber Sohn) zugesprochen – und er hat es erfüllt, frei von aller Schuld, hat der Versuchung standgehalten und für die Seinen und an den Seinen gelitten. Darin zeigt er seine Solidarität mit uns. Er ist der wahre Sohn Gottes, sein Stellvertreter bei uns Menschern auf der Erde und gleichzeitig ist er ‚sitzend zur Rechten Gottes. Als Hohepriester steht mit seiner ganzen Existenz für sein Amt und die ihm Anvertrauten. Ihm dürfen wir vertrauen, gerade auch in den schweren Zeiten, die uns manchmal belasten. Darum dieser fröhliche Satz am Anfang, der den Menschen Mut machen will, weiterzumachen, weiterzuleben im Glauben und in der Zuversicht.
Dazu passen auch die weiteren Verse, die nur scheinbar Handlungsanweisungen widerspiegeln. In der Befehlsform des Verses 16: ‚Darum Lasst uns hinzutreten…’ Aber, wozu der Autor hier auffordert, will den Menschen nicht eingrenzen, sondern will ihn befreien ihn zur Liebe. Er bleibt frei, sich zu entscheiden. Diese Freiheit hat aber auch schmerzliche Grenzen, nämlich die Erfahrung, dass es nicht immer gelingt, der Versuchung standzuhalten und in der Nachfolge Jesu so sündlos zu bleiben wie der Herr. Aber auch dort, wo ich versage bleibe ich doch in der Obhut dieses Hohepriester. Er hat uns eine unvermittelten Zugang zu Gott geschenkt.

Durch Jesus Christus haben wir einen direkten Zugang zu Gott. Wir brauchen keine Priester und keine Heiligen. Sie können uns aber helfen, diesen Christus und sein wesen zu verstehen. Sie können uns helfen, unser Heil zu ergreifen und Gott zu lieben. Genauso wie die Gemeinschaft der Glaubenden, die sich Sonntag für Sonntag überall auf der Welt zum Gottesdienst versammelt. Sie kann uns nicht das Heil verschaffen, aber sie kann uns bestärken, unser Heil zu suchen und zu finden. So wie der Schreiber unserer Verse seine Schwestern und Brüder ermutigen will, beieinander zu bleiben und einander zur Freude zu verhelfen, zu der Freude, die darin besteht, dass wir einen solchen Hohepriester haben.

Aus einer Jugendaktion in einer City zum Thema: Sollten Kinder und Jugendliche in der Kirche etwas zu sagen haben? – kam folgende Reaktion: ‘Auf jeden Fall, aber mir hat die Kirche nichts mehr zu sagen, sie interessiert sich nicht für mich. Zu steif, zu weit weg, Lichtjahre entfernt.’
Ist uns eigentlich bewusst, was das für unseren Glauben und die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen bedeutet, wen sie den Eindruck haben, dass die Gabe dieses Hohepriesters nicht für sie ist? Müssten wir nicht eigentlich täglich daran arbeiten und dafür beten, dass die Freude über diesen direkten Zugang zu Gott weitergegeben wird an die Menschen, die nach uns kommen. Wir haben diese Gabe – aber wie sagen wir sie weiter?

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