Was wirklich wichtig ist

Liebe Gemeinde,

Was ist wirklich wichtig im Leben? Wenn Sie sich diese Frage stellen, so antworten sie vielleicht Gesundheit, manche werden sagen Geld, Freunde. Ein Philosophieprofessor machte einmal einen Versuch von dem ich Ihnen berichten möchte.

Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann nahm er ein großes leeres Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei. Sie stimmten ihm zu.

Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas jetzt voll sei. Sie stimmten wieder zu und lachten.

Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus. "Nun", sagte der Professor zu seinen Studenten, "Ich möchte, dass Sie erkennen, dass dieses Glas wie ihr Leben ist! Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben: Ihre Familie, Ihr Partner Ihre Gesundheit, Ihre Kinder – Dinge, die – wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben – ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge, wie z.B. Ihre Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben. Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine. So ist es auch in Ihrem Leben: Wenn Sie all ihre Energie für die kleinen Dinge in ihrem Leben aufwenden, haben Sie für die großen keine mehr. Achten Sie daher auf die wichtigen Dinge nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, achten sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit geben für Arbeit, Haushalt, Partys usw. Achten Sie zuerst auf die großen Steine – sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand."

Der Apostel Paulus hat für sich auch eine solche Liste der Wichtigkeiten aufgestellt, hören wir aus dem Philipperbrief:

[TEXT]

Liebe Mitchristen, zwei unterschiedliche Zugangsweisen zum Thema: „was wirklich wichtig ist im Leben“. Ein Professor, der seinen Studenten klar machen möchte, dass Familie, Partner, Gesundheit, Kinder wirklich wichtig sind im Leben und Paulus, der seiner Gemeinde in Philippi noch einmal zeigen muss: Christus soll die erste Geige in deinem Leben spielen damit auch du als Christ Teil hast an der Auferstehung. Es scheint so als würden beide, der Professor und Paulus von ganz unterschiedlichen Dingen reden und sie tun es ja auch zunächst. Nun, Paulus ist wieder einmal in einer schwierigen Lage. Menschen, die „Vollkommen“ sein wollten haben sich in die Gemeinde in Philippi eingeschlichen. Menschen, die dachten, sie hätten jetzt schon das endzeitliche Heil erreicht. Paulus gibt ihnen eine Absage. Er spricht lange von sich und wie er früher dachte und was ihm wichtig war, seine Beschneidung zum Beispiel, seine Zugehörigkeit zum Stamm Benjamin und darüber, dass er das Gesetz erfüllt hat. Es hat ihm persönlich nichts gebracht. Er, so weiß er jetzt, findet seine Gerechtigkeit in der Gerechtigkeit, die Christus ihm erwirkt hat wieder. Es ist sein Ziel ihm nachzufolgen.

Dabei ist mir eines ganz wichtig. Paulus steht zu all dem, was er früher dachte und zu seinem Leben vor seiner Lebenswende. Er steht dazu- es ist ein Teil seines Lebens. Er nimmt diese Lebensstücke auf und fügt sie ein in ein neues Ganzes. Vergeblichkeit, Leiden und Krankheit, alles nimmt er mit hinein in sein neues Leben, trägt es mit durch bis zu seiner erhofften Auferstehung. Und damit versucht er klar zu machen- trotz meines Glaubens: „Vollkommen bin ich noch lange nicht! Ich habe Fehler gemacht in der Vergangenheit und mache auch jetzt noch Fehler.“ Für das Leben des Paulus ist die Vergangenheit wichtig. Für ein Leben ist die Vergangenheit wichtig. Es ist auch die Leere und der Misserfolg wichtig. Vor allem aber ist die Erkenntnis wichtig, trotz der Vergangenheit in der Gegenwart nicht zusammenzustürzen. Ich lebe noch – manchmal kann man es kaum fassen, dass man noch lebt. Viele Situationen gab es, die viel mehr Kraft erfordert haben als wir je dachten aufbringen zu können. Nein, wir sind noch nicht zusammengestürzt. Wir leben noch. Und das ist doch Gnade Gottes. Ich komme auf den Professor zurück.
Er sagte: Wenn Sie all ihre Energie für die kleinen Dinge in ihrem Leben aufwenden, haben Sie für die großen keine mehr. Achten Sie daher auf die wichtigen Dinge nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, achten sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit geben für Arbeit, Haushalt, Partys usw. Achten Sie zuerst auf die großen Steine – sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand."

Ich stimme ihm zu. Es ist wichtig sich klar zu machen, dass es mehr gibt als persönlichen Erfolg. Es ist wichtig sich klar zu machen, dass ohne soziale Bindungen in der Familie ein Leben ganz schön einsam sein wird. Es ist wichtig sich klar zu machen, dass Gesundheit etwas ist, das es zu erhalten gibt. Und ich möchte den Professor allerdings auch noch ergänzen: Ich halte es mit Paulus für wichtig, dass wir nicht auf uns alleine gestellt sind als Menschen. Wir haben einen Gott, der an unserer Seite steht. Er steht mit am Krankenbett und er ist dabei bei jeder Beerdigung. Er ist aber auch dabei bei so manchen Feiern in der Familie oder bei so manchem „Entspannungsurlaub“, wenn wir Gott für uns fast ganz ausgeblendet haben. Er muss dazu. Und wir stehen dann in der Gefahr unser Leben mit viel beiläufigem Sand zu füllen, mit so viel Sand, dass der große lebenswichtige Stein „Gott“ nicht mehr hineinpasst.

Was ist wirklich wichtig im Leben? Letztlich müssen Sie diese Frage für sich beantworten, wir haben aber zwei wichtige Anhaltspunkte bekommen. Paulus hat recht: Dass Christus uns erlöst hat ist wirklich wichtig. Wir wissen dadurch Gott leidet mit uns Menschen mit und freut sich mit uns Menschen mit. Christus/Gott ist ein ganz großer Stein in dem Glas der bedeutsamen Dinge unseres Lebens. Und der namenlose Professor hat auch recht: Die anderen großen Steine im Leben sind sehr wichtig. Die Familie, der Partner, die Kinder, die Gesundheit. Weil wir Christen sind, sind diese Dinge für uns nicht relativiert. Wir leben und hier zeigt sich unser Christsein im Umgang mit unseren Lieben und mit uns selbst. Wer immer nur von sich z. B. das Höchste verlangt und nie eine Pause einlegen will, der geht mit sich und seiner Gesundheit falsch um. Denn jeder von uns ist wichtig für andere. Deswegen wollen wir da sein für andere, möglichst lange.

Ein letzter Gedanke. Paulus spricht davon, dass von Gott die Gerechtigkeit kommt, die wir zum Glauben zugerechnet bekommen. Unser Glaube und unser Christsein, unsere Erlösung all das ist Gnade und nichts als Gnade. Das dürfen wir nicht vergessen. Wir sind gerettet als Christen. Daran ist nicht zu rütteln. Aber wir möchten nicht nur dieses Wissen der Rettung haben, sondern auch Früchte unseres Glaubens bringen. Es ist gut so. Diese Früchte aber zeigen sich in unserem Leben. Es hat keinen Sinn hier verbissen nach Früchten zu suchen. Das wäre keine angemessene Antwort auf die Gnade Gottes, jetzt mit der Brechstange zu reagieren und zwanghaft Früchte zu produzieren, die dann doch irgendwie lieblos und gekünstelt wären. Diese Früchte werden ganz von alleine reif durch den Glauben. Der Professor hat eben doch recht, wenn er sagt, dass wir uns um die großen Steine im Glas kümmern sollen, denn unsere Partnerschaft, unsere Familie, unsere Gesundheit und viele andere Dinge, die wir zum Leben brauchen sind Geschenke; Geschenke, die wir uns erhalten sollen und wollen und für die wir arbeiten wollen. Arbeiten in der Liebe zu denen, die uns anvertraut sind. Auch hier gilt, das alles an Gottes Segen gelegen ist, aber Gott dennoch keine anderen Hände hat als unsere.

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