Veränderungen, ja bitte – aber rechtzeitig

Liebe Gemeinde,

Viele Menschen in unseren Tagen rufen laut nach Veränderungen. Sie brauchen nur die Zeitung aufzuschlagen und finden Veränderungen allenthalben. Veränderungen, damit meinen die meisten Menschen dann auch Verbesserungen. Wenigstens aber einen Weg zu finden, damit etwas in absehbarer Zeit besser wird. Veränderungen sind also nötig, weil es eine Art „Reformstau“ gibt. Anders ausgedrückt: Es hat in der Vergangenheit zu wenige positive Veränderungen gegeben, deshalb muss nun das Tempo der Veränderungen beschleunigt werden. Ich versuche es klarer zu machen an einem Beispiel:
Am Donnerstag hieß es in der Süddeutschen Zeitung: „Opel und Karstadt bauen 15.000 Stellen ab“.
Für beide Konzerne sind Veränderungen dieser Art nötig, weil Arbeit angeblich zu teuer ist, weil die Schulden zu hoch sind oder weil Produkte nicht mehr genügend nachgefragt werden. Jeder fragt sich da doch? Warum kam man nicht früher auf die Idee innovativer zu sein? Warum musste das „Kind erst in den Brunnen fallen“ bevor jemand handelt? Warum sollen jetzt 15.000 Menschen mehr in die Arbeitslosigkeit entlassen werden und wieso hat man nicht früher wichtig Maßnahmen ergriffen um dagegen zu steuern. Ich weiß, sie haben sich all diese Fragen bei der Schließung von „Winterling“ in Röslau auch gestellt.
Es geht mir aber heute nicht um die Schließung eines Industriestandortes. Es geht mir um eine andere Frage: Warum werden Veränderungen denn nicht dann eingeleitet, wenn noch ein positiver Ausgang erwartete werden kann? Warum werden Veränderungen häufig zu spät eingeleitet? Und auch diese Fragen möchte ich eigentlich gar nicht beantworten, aber eines möchte ich, ihr Verständnis dafür gewinnen, dass es besser ist rechtzeitig etwas zu tun als den Schaden hinterher zu bedauern und ausbaden zu müssen.
Nun soll es in der Kirche ganz anders sein: „Ecclesia semper reformanda“! „Die Kirche ist ständigen Reformen unterworfen“, das ist ein wesentlicher Satz der Reformation. Daraus hören wir, dass Kirche nicht starr sein darf, sondern sich immer wieder ihres Auftrages in der jeweiligen Zeit vergewissern muss und entsprechende Veränderungen einleiten muss. Ob das immer klappt?

[TEXT V.22-24]

Das sagt unser Predigttext dazu. Und dich merke es, sie merken es- es geht jetzt nicht mehr um einen Konzern oder um eine große Organisation. Es geht um mich ganz persönlich. Den alten Menschen soll ich ablegen, mich erneuern lassen und selbst auch erneuern, einen neuen Menschen anziehen, mich eben verändern, jetzt nicht wenn es spät ist, jetzt bitte.

Es wird uns ganz klar gesagt worin diese Erneuerung besteht: ich lese einfach weiter:

[TEXT V.25-32]

Liebe Gemeinde, wir haben hier einige wenige Grundanliegen des Christseins gehört. Und wenn ich sie jetzt frage, ob sie dem zustimmen würden, würden sie wahrscheinlich sagen: „Ja, natürlich!“

Nicht lügen, nicht zürnen, nicht sündigen, abgeben an die Bedürftigen, reden was gut ist und den andern erbaut, Segen bringen, Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei, Bosheit weglassen. Wer will das nicht? Dennoch – schon die Frage: „wer will das nicht?“ Sie impliziert ja, dass wir es nicht so ganz schaffen. Wir haben gute Tage an denen das klappt. Wir haben Tage an denen wir zornig sind, an denen wir sündigen. Es ist so. Es ist nicht schlimm, so lange wir den Mut aufbringen dies auch wieder zu ändern durch Beichte, durch eingestehen von Schuld, durch das Bemühen uns selbst zu ändern und uns durch Gott ändern zu lassen. Wie ändert uns Gott? Kann ich ihnen nicht sagen- es wird bei jedem unterschiedlich sein. Aber es wird so sein, dass wir genau hinhören müssen auf Gott, dass wir Auszeiten im Alltag brauchen in denen wir zur Ruhe kommen und ein offenes Ohr für Menschen haben, die mit uns reden. Denn Gott redet auch durch Menschen zu uns. Aber auch durch Ereignisse durch Erfahrungen oder in der Stille kann Gott zu uns reden. Wir brauchen halt solche Zeiten und ein offenes Ohr für ihn.

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns von den Konzernchefs der großen Firmen etwas lernen. Lassen sie uns lernen nicht die gleichen Fehler zu machen im Privaten wie dort im Großen gemacht werden. Handeln wir JETZT, nicht erst dann, wenn der Schaden riesig ist. Wir können jetzt ein Neues Leben starten. Und wenn sie die Worte des Epheserbriefes aufmerksam verfolgt haben, dann werden sie merken: Ein Neues Leben starten, da geht es nicht darum als Missionar in die Welt hinauszugehen und es geht nicht darum möglichst viele Menschen zu bekehren. Es geht auch nicht darum große öffentlich wirksame Evangelisationen zu veranstalten. Das ist alles nicht falsch, aber darum geht es erst einmal gar nicht. Es geht schlichtweg um die Veränderung des eigenen Alltags. Es geht um die Veränderung von Einstellungen. Es geht darum positiv zu leben, im anderen Gottes Geschöpf zu sehen. Es geht darum „alte“ Tugenden wieder zu lernen, sich an die 10 Gebote zu halten zum Beispiel, vor allem aber das Urteilen und Verurteilen über andere auszuschließen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel aus unserem Konfirmandenbuch geben, das ich in diesem Zusammenhang eindrucksvoll finde, eine wahre Begebenheit.

Eine Pressenotiz: „Arme Amsterdamer können beim Hausarzt Nizaar M. Brot auf Rezept bekommen. Mit einem „Brotrezept“ können die Patienten bei einem bestimmten Bäcker 20 Brötchen und ein Brot abholen. Er bezahle dann die Rechnung, bestätigte der Arzt. In Amsterdam-Südost seien Armut und Arbeitslosigkeit sehr groß. Viele Kinder müssten ohne Brot in die Schule gehen. 9.000 Euro im Jahr kostet ihn die Aktion, schätzt der Arzt.“ Liebe Gemeinde, der Arzt weiß genau, dass er die Not dieser Menschen nicht beenden wird. Aber er hilft ein wenig und er setzt ein hoffnungsvolles Zeichen.
Er setzt nämlich ein Zeichen der Liebe, das ist doch das Entscheidende. Und ich frage mich, warum haben wir nicht den Mut solche Zeichen der Liebe auch zu setzen? Warum haben wir selten den Mut solche sozial wichtige Projekte anzustoßen. Immer wieder klingelt jemand am Pfarrhaus und möchte Unterstützung. Warum trauen sich das nur Auswärtige? Es ist falsch. Bitte, auch Röslauer können hier Unterstützung bekommen, mit Essen z.B. Unsere Gemeinde muss ganz selbstverständlich bereit sein solche Taten auszuführen. Warum sollten wir solche Semmel- und Brotgutscheine nicht auch ausgeben können. Es sind Taten der Liebe. Keiner braucht sich zu schämen, wenn er Unterstützung braucht. Es gehört zu einer christlichen Gemeinschaft dazu bedürftige Gemeindeglieder zu unterstützen. Entschuldigen sie diesen Ausdruck an dieser Stelle, aber ich bediene mich nur einer Werbung: „Nicht geiz ist geil, sondern Liebe“, teilen, verschenken, jedenfalls sollte das für uns Christen so sein. Und genau so endet unser Bibeltext heute:

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder
und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat.

Dem Beispiel Gottes, dem Beispiel Jesu folgen, heißt: lieben. Und all das, was hier im Epheserbrief aufgeführt wurde sind Dinge, die verändert werden müssen, wenn sich die Liebe durchsetzen will. Liebe, die sich für uns als Christen in der Praxis zeigt. Jesus hat sich eben ausgerechnet mit den Menschen eingelassen mit denen keiner etwas zu tun haben wollte. Mit Kranken, mit Verbrechern, mit Zöllnern, mit Huren und mit Ehebrechern. Er hat sie geliebt, weil er wusste, man kann sich ändern und durch die Begegnung mit ihm hat sich bei diesen Menschen die Lebenseinstellung geändert. Das ist ja das Unfassbare. Wer andere liebt, gewinnt diese Menschen. Wer sie liebt ohne sie schon wieder Verzwecken zu wollen, wer sie einfach liebt, weil sie da sind und so wie sie sind. Menschen fühlen sich dann endlich angenommen und nicht mehr hinters Licht geführt.
Liebe Mitchristen unsere Veränderung hin zur Liebe ist ein dauernder Auftrag, einer den wir nicht mir nichts dir nichts für beendet erklären können. Eine lebenslange Aufgabe ist das. Aber bitte, bleiben wir dran! Ziehen wir den Neuen Menschen der Liebe an. Und dieses Anziehen der Liebe hat ganz viel mit unserem Glauben zu tun, der es uns ermöglicht einen tieferen Sinn in der Veränderung zu sehen. Einen Sinn, der sich eben nicht in Bilanzen und schwarzen statt roten Zahlen erschöpft. Es wird ein Gewinn sein, der unser ganzes Leben überstrahlt und uns zu in der Liebe wachsenden Menschen macht. Wir werden so zu Menschen, die anderen erfreuen und selbst wieder Veränderungen anbahnen. Also- haben wir den Mut zur Veränderung. Jetzt!

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