Ups – die Osterverschwörung

Liebe Gemeinde –

1997 kam die Königin der Herzen, Prinzessin Diana von Wales, in Paris bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben. Ein Unfall? Skeptiker behaupten, dass Diana ein Kind vom ägyptischen Playboy Dodi Al-Fayed erwartete. Um weiteren Schaden von den Royals abzuwenden, hat der britische Auslandsgeheimdienst MI6 bei dem vermeintlichen Unfall erheblich nachgeholfen. Es war Mord, liebe Gemeinde, heimtückisch und böse, veranlasst von einer sterbenden Monarchie.

1969 landete die erste bemannte Raumfähre auf dem Mond. Neill Armstrong und Edwin Aldrin betraten als erste Menschen die Mondoberfläche. Angeblich ist das alles erstunken und erlogen. Kritiker meinen beweisen zu können, dass die Rakete, deren Start weltweit live übertragen wurde, ohne Besatzung in den Himmel gestiegen ist und später im Südatlantik versenkt wurde. Die Nasa hat die Mondlandung in einem Filmstudio auf einer Militärbasis in der Wüste Nevadas nachgestellt, behaupten sie, und die Astronauten zu guter Letzt mitsamt Kapsel aus einem Transportflugzeug zur „Landung“ abgeworfen.

Auch um den Tod John F. Kennedys im Jahre 1963 ranken sich Verschwörungstheorien: Was Lee Harvey Oswald wirklich ein geisteskranker Alleintäter oder steckt nicht doch der amerikanische Geheimdienst CIA hinter dem Mord?

Auch um die Auferstehung Jesu Christi von den Toten rankte sich eine Verschwörungstheorie: Untersuchungen der Römer haben schon bald ergeben, dass der Leichnam wahrscheinlich von Anhängern gestohlen wurde, die dann mit Hilfe von sogenannten „Erscheinungen“ propagierten, dass der Nazarener auferstanden sei.

Mit diesen Verschwörungstheorien beginne ich meine Predigt. Gegen sie lese ich den Predigttext des Apostels Paulus für den heutigen Ostersonntagsgottesdienst. Er steht im 1. Brief an die Korinther im 15. Kapitel:

[TEXT]

Ihr habt geglaubt – ihr habt mir geglaubt, sagt Paulus, mir und den anderen, die wir den auferstandenen Christus mit eigenen Augen gesehen haben. Ihr habt uns geglaubt, und nicht den Verschwörungstheoretikern. Ihr habt euch einfach auf die Fakten verlassen, die wir euch erzählt haben und nicht auf den Unsinn, den die Leute reden. Das ist gut, sagt Paulus. Ihr seid auf dem richtigen Weg. Und er zählt noch einmal auf, wie es gelaufen ist: Christus starb den Tod am Kreuz, nicht weil er ein Verbrecher war, wie die Römer sagen, sondern weil es Gottes Ratschluss entsprach und nötig war, um uns mit ihm zu versöhnen. Nach 3 Tagen vollzog sich die Auferstehung Jesu von den Toten, nicht weil Gott ein besonderes Spektakel veranstalten wollte, sondern weil die Heiligen Schriften so etwas seit Jahrhunderten voraus sagten und ihre Gültigkeit besiegelt werden sollte. Jesus Christus wurde gesehen, zunächst von Petrus, Kephas ist sein aramäischer Name, danach von den anderen Jüngern. Danach von 500 Brüdern zugleich und ganz zuletzt sogar vom Apostel Paulus, der sich niemals selbst für wert befunden hätte, der sich nicht danach gedrängt hatte. Ganz im Gegenteil: Paulus war ja ein Gegner des Christentums, ein fanatischer Gegner sogar. Seht mal, sagt Paulus, warum sollte ich mir diese Begegnung eingebildet haben? Dass sogar ich ihn gesehen habe, ist wirklich ein Beweis für die Faktizität der Auferstehung, alles andere ist Spökenkiekerei.

Die meisten Verschwörungstheorien sind die reinste Spökenkiekerei. Sie ziehen Argumente aus aller Herren Länder heran, sie machen eine einfache Sache riesengroß, geben ihr globale Ausmaße, bauschen Fakten und Bilder auf. Sie verzerren die Wirklichkeit, ihre sogenannten „Beweise“ sind fadenscheinig, die Fotos meist verschwommen, Fakten und Urkunden oft sogar getürkt und das auf eine bestechende, professionelle Art und Weise – wer von uns ist nicht schon einmal auf eine Verschwörungstheorie hereingefallen? Vielleicht gefällt es uns auch insgeheim, dass es Menschen und Mächte von unsagbarer Größe gibt, die uns manipulieren, die uns beherrschen, die uns zu Opfern ihrer Willkür machen, denen zu widerstreben eine Lebensaufgabe für besonders heldenmutige Einzelgänger sein kann?
Prinzessin Diana war nun einmal nicht schwanger, das hat die Obduktion zweifelsfrei ergeben. Niemand hatte Interesse an ihrem Tod. Die fingierte Mondlandung ist in Wirklichkeit weit hergeholt und schicht und ergreifend nicht nachweisbar. Der Tod von Präsident Kennedy ist gestern wie heute furchtbar und geheimnisvoll. Bis er vollständig aufgeklärt ist, nutzen uns Verschwörungstheorien nichts, sie machen uns nur Angst. Die Auferstehung Jesu von den Toten fingiert von fanatischen Anhängern? Pff, sagt Paulus, ich habe ihn doch gesehen! Ich bin doch nicht blöd! Ich meine, die Sache Jesu Christi wäre innerhalb weniger Jahre vergessen gewesen, wenn nicht er selber immer wieder mit seinem Geist und mit seiner Kraft in den Gemeinden gegenwärtig gewesen wäre.

Das Spannende an Verschwörungstheorien ist, dass man sie wie eine Münze in der Hand drehen und wenden kann und man bekommt doch niemals nur wirklich eine Seite zu sehen. Wer ist denn eigentlich der böse Verschwörer und wer der gute, der die Wahrheit sagt? Sind das wirklich die Guten, die den britischen Royals sogar einen Mord anhängen würden? Oder werden die Verschwörungstheoretiker eventuell von andern politischen Mächten beeinflusst, gefördert, bezahlt und mit Informationen versorgt? Was treibt eigentlich so jemanden wie Bart Siebel, den Reporter, der die Mondlandung der Amerikaner anzweifelt, dass er den Astronauten Aldrin auffordert, auf die Bibel zu schwören und ihn öffentlich der Lüge bezichtigt? Wer will eigentlich unbedingt dem amerikanischen Geheimdienst CIA schaden, indem er ihm den Mord an Kennedy anhängt und was sind seine Motive? Wovor hatten die Römer eigentlich solche Angst, dass sie den ersten Christen den Diebstahl des Leichnams Jesu Christi anhängen wollten? Wenn man Verschwörungen zu Ende denkt, kann auch der Aufdecker einer Verschwörung Teil einer solchen sein. Wenn es all diese Heimlichkeiten und Betrügereien gibt, wer ist dann eigentlich noch seiner eigenen Wahrheit sicher? Für Verschwörungstheoretiker ist die ganze Welt eine Fiktion, schreibt der Spiegel.

Ich habe ihn gesehen – betont Paulus. Glaubt doch, was ihr wollt. Ich weiß, was ich gesehen habe. Und wenn ihr meine Predigt hören wollt, wenn ihr Teil meiner Gemeinde sein wollt, wenn ihr Anteil am Reich Christi haben wollt, dann müsst ihr mir einfach glauben: Ich habe ihn gesehen! Beweise? Wozu? Das habe ich gar nicht nötig. Ich habe ihn gesehen. Er ist auferstanden. Es gibt daran keinen ernstzunehmenden Zweifel. Im Text geht er sogar noch weiter: Weil Jesus von den Toten auferstanden ist, werden auch unsere Toten leben – auch daran gibt es keinen ernstzunehmenden Zweifel. Sonst hinkt die Logik des Glaubens, sagt Paulus. Sonst ist wertlos, was wir hier tun. Dann ist unser Glaube umsonst.
Wir Christen werden oft belächelt. Gerade zu Ostern. Gerade in dieser Zeit. Alle Welt feiert ihre Frühlingsriten und hängt sich Eier in die Bäume und wir Deppen hier in der Kirche sind einer Verschwörung aufgesessen und glauben allen Ernstes noch an die Auferstehung Jesu von den Toten! Aber ich frage Sie: Wer ist hier eigentlich der Depp? Glauben Sie wirklich, dass Diana ermordet wurde? Bezweifeln Sie tatsächlich die Mondlandung der Amerikaner im Jahre 1969? Können Sie sich wirklich vorstellen, dass der CIA seinen Präsidenten vor laufender Kamera und Tausenden von Zeugen umbringen lässt? Glauben Sie wirklich, dass fanatische Christen den Leichnam Jesu stahlen und sich eine absurde Geschichte über die Auferstehung eines Toten ausdachten?

Also, ich weiß nicht. Paulus sagt: Ich habe ihn gesehen!Ich sage: Ich habe ihn gespürt, ich merke doch, dass er hier ist, dass er mich begleitet, dass er mich tröstet! Ich bin doch nicht blöd! Ich spüre doch, dass da was dran ist am Glauben, dass dieser Christus irgendetwas hat, was Menschen so nicht haben! Selbst Konfirmanden spüren seine Gegenwart im Abendmahl. Kann mir doch keiner erzählen, dass der tot, begraben, verwest und verwelkt ist! Warum machen wir denn hier den Firlefanz in der Kirche, alle Jahre wieder und vor allem: Wenn das alles erstunken und erlogen ist, warum lassen sich immer wieder Menschen für die Sache Jesu begeistern? Sie hören den Posaunenchor – die üben jeden Montag, um überzeugend die Sache Jesu verkündigen zu können und heute am Ostersonntag haben sie sich früh aufgemacht, damit es jeder hören kann, dass wir an die Auferstehung Jesu von den Toten glauben. Gestern Nacht haben wir hier mit einem Team von 6 Leuten die Osternacht gestaltet – 6 Leute, die es weitersagen wollen, notfalls auch mitten in der Nacht, dass Jesus lebt, gestern heute und in Ewigkeit! Sie, liebe Gemeinde, die Sie heute hier sind, um Gottesdienst zu feiern – Sie verlassen sich doch nicht auf Verschwörungstheorien und Spökenkiekerei, Sie wissen doch, woran Sie glauben!

So auch Paulus. „Ich habe ihn gesehen“, sagt er. Und: „Ihr habt mir geglaubt.“ So einfach ist es manchmal mit der schlichten Wahrheit. In diesem Sinne: Fröhliche Ostern.

drucken