Totlachen geht nicht mehr

"Das Geheimnis meiner Gesundheit", erzählt eine ältere Dame, "besteht darin, dass ich sehr viel Knoblauch esse." Ein Zuhörer: "Ein Geheimnis ist das nun gerade nicht."

Liebe Gemeinde, ich könnte jetzt einen Witz nach dem anderen erzählen und wäre in bester Gesellschaft.

Witze erzählen, dass die Gemeinde vor Lachen quiekt und trampelt, war bis ins 19.Jahrhundert die Pflicht des Predigers. Man war der Meinung, dass Lachen die Menschen löst und entkrampft und das Ostern der rechte Anlass dazu ist. Im Mittelalter wollte man damit den Tod und den Teufel auslachen, die ihre Macht verloren haben. Heute lachen wir selten in der Kirche. Ist uns das Lachen vergangen? Oder kommt es nicht mehr rüber, was da
eigentlich zu Ostern passiert ist? Was ich heute vorgelesen habe von Paulus, ist aber auch nicht zum Lachen. Es ist eine komplizierte Erklärung, eine Art Beweisführung für die Auferstehung. Und wenn man weiter liest, wird es noch schwieriger. In der DDR hatten wir manchmal damit zu tun. Weil es Leute gab, die den Gegenbeweis antreten wollten. Nach dem ersten Weltraumstart hieß es, wir haben den nicht gefunden. Und ein Astronomielehrer wollte seinen Schülern beweisen, wie unsinnig der Glaube ist. So diskutiert heute niemand mehr.

Eins ist aber geblieben. Ohne Ostern gäbs kein Christentum. Ohne Ostern säßen wir völlig vergeblich in dieser Kirche. Was wollt ihr eigentlich hier, müsste ich fragen. Ja, was wollen wir eigentlich alle hier? Klar, Familienfeier, Taufe. Und die anderen? Na, weil Ostern ist, würde mancher sagen. Und da drehen wir uns im Kreis. Weil eigentlich die Auferstehung kein Diskussionspunkt, sondern ein Ereignis war. Es hat gar keinen Sinn zu streiten, gibt’s das oder nicht. Und als sie damals passierte, haben es auch nicht alle glauben können. Und die ersten, die davon hörten, sind erschrocken. Weil die Auferstehung gerade dort passierte, wo man nichts mehr erwartete und man einfach sagte: das wars. So, wie ich die Sache sehe, ist es nun vorbei. So, wie es in der Welt zugeht, ist das jetzt das Aus. Die Auferstehung hat eine Grenze überschritten und das war damals nicht leichter zu glauben als heute. Es war nur zu erfahren. Da waren zwei auf dem Weg und sie spürten, dass sie nicht allein sind. Da hatten welche sich aus Angst eingeschlossen und plötzlich wird Frieden in diesem Zimmer. Und das Schärfste: da werden Frauen vom Grab weggeschickt, weil der tote Jesus niemanden mehr interessiert. Und 2000 Jahre später taufen wir ein Kind. Und da sind Eltern, die hoffen darauf, dass im Leben ihrer Tochter auch Grenzen überschritten werden. Grenzen, die wir alle schon kennen, wo wir merken, da kannst du mit dem Kopf gegen die Wand laufen, es bringt nichts. Wahrscheinlich sind wir alle ein Stück erzogen nach dem Motto: halt den Mund und mach dein Ding, sonst kommst du nicht weiter. Pass dich an, sonst bist du draußen.

Mach, was alle machen, dann fällst du nicht auf. Bei Kindern merken wir das deutlich, falsche Kleidung, falsches Handy und nicht mal Parfum hinter den Ohren, da bist du out. Die Grenze zum Leben um dich herum ist erreicht. Das ist furchtbares Leiden. Später sucht man dann, bin ich normal, weil ich anders bin? Ich werde gar nicht mehr gefragt, ob ich zur nächsten Party mitkomme, bin schon wie gestorben. Und dann in der Mitte des Lebens – es ist alles eingelaufen, mehr geht nicht. Wir haben uns festgelegt auf unseren Stil und auf einmal ist die Krise da. Es geht nicht weiter und manchmal auseinander. Wer hebt uns über die Grenze und bringt uns drüber raus, dass es weiter geht? Und dann steht ein Engel da.

Hier geht’s wirklich nicht weiter, hier stehst du vor dem Ende. Geh zurück ins Leben, es wird anders. Auf der Stelle treten, bringt nichts. Bringt nichts mehr, denn seit Ostern ist alles anders. Seit Ostern ist die Grenze durchbrochen. Sogar die letzte – der Tod. Und wenn das stimmt, dass sogar der Tod sich zu einer neuen Perspektive verwandelt, dann geht das mit anderen tödlichen Stellen erst recht. Das kann man niemandem einreden und nicht beweisen, aber man kann es erfahren.

Die Frauen in der Osternacht sind los gegangen, obwohl es eigentlich sinnlos war, das Grab war zu. Es war verstandesmäßig der blanke Unsinn. Aber irgendwas hat sie getrieben. Irgendwas hat ihnen gesagt: stellt euch dem. Und das war die Rettung. So gewaltig, dass sie geflohen sind. Nein Kind, halt den Mund nicht, lerne zu dir zu stehen. Lerne, dass dein Leben mehr ist, als das es andere bestimmen können. Nein, du bist nicht seltsam, nur weil du einen eigenen Weg gehst. Und wenn andere dich auflaufen lassen, das Leben ist mehr. Nein, dein festgelegter Stil ist nicht alles, es war immer so und es bleibt so, das gilt nicht mehr.

Ich bin so, und ich kann nicht aus meiner Haut, das ist wie tot. Doch, du kannst. Auch wenn du Angst hast davor. Auch wenn ein Grabesstein alles erdrückt. Da kannst dich ganz neu entdecken. Und wem das passiert, der fängt vielleicht wirklich einfach zu lachen an. Ein Film, in dem zwei Menschen einer Sekte entkommen sind, endet damit, dass die beiden loslaufen und einfach lachen, lachen und nicht mehr aufhören. Sie haben die Grenze überschritten und könnten sich totlachen, das sie mal so gefangen waren. Unsinn, totlachen kann sich niemand mehr, denn wem das passiert, der lacht sich in Gottes neue Welt hinein. Und diese Welt fängt immer dort an, wo ein Durchbruch passiert und man sich wundert, wie gefangen, blockiert und tot man war.

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