Spendenaufruf

Liebe Gemeinde,

Erntedank, DANKE für eine ausreichend gute Ernte, die wir in diesem Jahr eingefahren haben, können wir auch heute wieder sagen. Der Predigttext stammt dabei vom Apostel Paulus. Er möchte seit langem Menschen gewinnen, Geld zu spenden für die Gemeinde in Jerusalem die Not leidet. Er möchte also diejenigen überzeugen, denen es gut geht, die auch materiell DANKE sagen können, denen zu helfen, die keine so guten Lebensbedingungen vorfinden. Das ist die Ausgangsposition und Paulus findet im 2. Korintherbreif dazu folgende Worte.

Liebe Gemeinde – ein Spendenaufruf und das auch noch theologisch untermauert. Das hat damals wohl einigermaßen funktioniert. In unseren normalen Gemeinden ist das eher schwierig.

Wer unter ihnen, frage ich Sie, preist Gott dafür, dass es Menschen in dieser Gemeinde gibt, die durch ihre Spenden Gemeindeleben ermöglichen? Ich will nicht sagen, dass es das nicht geben kann. Aber es werden sicherlich nur einzelne sein. Ein solches Verhalten setzt Paulus allerdings als etwas ganz normales voraus.

Nun aber es gibt sie die Menschen, die Spenden und lassen Sie mich hier in einem kleinen Einschub einmal dazu etwas sagen, man darf auch in einer Predigt übers Geld sprechen.

Die finanziellen Möglichkeiten von Kirchengemeinden wurden in den letzten Jahren immer stärker eingeschränkt. Es gab eine kontinuierliche Kürzung der Gelder durch die Landeskirche. Zunächst wurden Sachkosten gekürzt, als hier nichts mehr zu kürzen war, wurden seit diesem Jahr die Personalkosten um 15% gekürzt. Die Kirchengemeinden bekommen also Bayernweit immer weniger Geld, sollen auf der anderen Seite aber, auch im Verwaltungsbereich, immer mehr Pflichten übernehmen. Zusätzlich werden Umlagen an das Dekanat erhöht, unter dem Strich bleibt deutlich weniger Geld vor Ort übrig bei gleichzeitig steigenden Kosten.

Nun entgegnen manche vielleicht- aber das Kirchgeld wurde doch in diesem Jahr stark angehoben. Das ist richtig. Der Rücklauf des Kirchgeldeingangs zeigt aber, dass uns in Röslau diese Kirchgeldanhebung nicht allzu viel bringt. Wir werden wohl nur knapp über den Einnahmen des Vorjahres liegen, bräuchten aber eigentlich die doppelte Summe.

Ein letztes Beispiel: Unser Gemeindehaus hatte und hat einige Renovierungsarbeiten nötig. Woche für Woche finden dort Konfirmanden und Präparanden, die Chöre, die Jugend, Kinder- und Krabbelgruppen, Senioren und viele mehr einen Ort um sich zu treffen. Diese Renovierung wird aus Mitteln der Landeskirche, also auch Kirchensteuermitteln, überhaupt nicht mehr bezuschusst.

Ich muss sagen- bei all dem, was mich an dieser Entwicklung stört, am meisten stört mich dabei, das wir uns gegen all dies nicht zur Wehr setzen können, bei all dem, was ich als ungerecht empfinde, es wird deutlich, dass in Zukunft eine Gemeinde auch ganz stark von den Gemeindegliedern vor Ort abhängig sein wird. Das heißt die Gemeinde wird für sich selbst immer stärker verantwortlich sein und kann weniger auf Hilfe von außen hoffen.

Ich habe da relativ wenig Angst um Röslau. Sie haben es hier geschafft die Kirche zu renovieren und neue Glocken in den Kirchturm zu hängen, sie werden es auch weiterhin schaffen.

Und ich denke wir sollten uns jetzt durchaus an Paulus halten und auch für das, was hier schon geschafft wurde DANKE sagen. All dies zeigt ja auch ein jeder gibt und kann geben, wie Paulus das empfiehlt „Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“. Ich spüre diese Einstellung bei Geburtstagsbesuchen. Ich besuche niemanden damit die Kirchengemeinde eine Spende bekommt. Ich besuche jemanden, weil es schön ist, wenn man spürt, dass die Kirche Anteil nimmt an den Festen, die man im Leben feiert. Ich spüre aber, dass die Menschen gerne eine Spende geben, es von Herzen gerne tun, so wie Paulus das sagt. Und es ist gut so.

Ich möchte aber jetzt nicht die ganze Zeit vom Geld reden, vielmehr diese Einstellung des "Gerne Gebens", des freiwilligen Gebens, noch ein Stück weiter spinnen.

Erntedank und Wiedervereinigungsdank gehören für mich heute am 3. Oktober 2004 unweigerlich zusammen. Was war das damals 1989 für ein Aufbruch als die ersten DDR Bürger von Ungarn aus in den Westen kamen und als Außenminister Hans- Dietrich Genscher in der Prager Botschaft verkündete, dass die Ausreise möglich ist!

Es lief einem kalt den Rücken herunter. Jeder, der dies miterlebte wusste, dass er oder sie ein Stück Geschichte hautnah miterlebte. Und was war das für ein Aufbruch! Kanzler Helmut Kohl versprach „blühende Landschaften“.
15 Jahre später ist von dieser Anfangseuphorie nicht mehr viel zu spüren. Oft wird noch immer von „Ossis“ und „Wessis“ gesprochen. Oft wird noch immer geklagt darüber, dass die „Drüben“ sich Spaßbäder leisten können und das Geld nur so in den Osten fließt und wir hier Verhältnisse bekommen wie sie einst in der DDR waren.

Und all das ist ja auch nicht einfach so von der Hand zu weisen. Nur, liebe Mitchristen, diese Einstellung gefällt mir nicht. Wir geben nicht mehr gerne das Geld in den Osten. Wir fühlen uns hinters Licht geführt, ausgetrickst.
Warum? Weil es denen Drüben scheinbar besser geht als uns? Ich finde schon den Ansatz falsch von „Drüben“ und „Herüben“ zu reden. Wir sind endlich ein Land. Und es ist eine christliche Tugend anderen zu helfen. Erntedank: Ich meine ja! Der Dank darüber, dass ein wirklich unchristliches Regime, das viele Menschen schwer belastet und ins Gefängnis gebracht hat, das dieses System zu Ende ist und der östliche Teil Deutschlands wieder zusammengehört mit dem westlichen nach 40 Jahren Trennung. Das ist für mich ein riesiger Grund DANKE zu sagen. Und mein Dank gehört dabei nicht alleine den Politikern, nicht alleine Gorbatschow, nein mein Dank gehört hier ganz klar unserem Gott, der seine Finger im Spiel hatte.

Liebe Gemeinde, ich könnte noch reden über unsere Verantwortung für unsere Partnerkirchen in Neuguinea oder Tansania oder anderswo. Ich will es heute nicht tun, sondern noch über uns persönlich nachdenken.

Paulus möchte unsere Lebensperspektive verändern. Er möchte, dass wir noch einmal genau hinsehen und etwas wesentliches verändern, Paulus hat es schon verändert damals mit seinem Schreiben an die Korinther; ich möchte es uns auch ans Herz legen:

Das Leben kann ich so führen, dass ich vieles sammle, irgendwann inne halte, und zusammenrechne und feststelle, dies oder das habe ich jetzt erreicht. Es ist das Prinzip, das uns eine Werbung im Fernsehen vormacht, die sie vielleicht kennen: „Das ist mein Haus, mein Boot, mein Ferrari!“ sagt da ein Neureicher zu einem anderen in einem noblen Restaurant und zeigt dazu Bilder her von seinen Besitztümern.

Ich kann es anders machen. Ich brauche nicht alles aufzählen, was ich habe. Ich kann sagen: „Vater im Himmel, ich bitte dich darum, dass ich nicht vergeblich arbeite, sondern das mein Bemühen auch Früchte tragen möge“.

Man kann es auch bei der Regel des Paulus belassen: „Wer kärglich sät, wird kärglich ernten, auf Neudeutsch: Geringes Input macht Geringes Output. Paulus aber geht weiter und sagt: „Wer im Segen sät, der wird auch im Segen ernten!“ Und ich denke dies verschiebt unsere Perspektive völlig. Wer erkennt, dass er mit dem was er tut ein Mitarbeiter Gottes ist, für den verschiebt sich viel, der kann dankbar sein und Gott immer wieder um seinen Segen bitten. Der lernt auch: meine Mitmenschen sind Gott lieb und recht und auch die sollen auch keinen Mangel leiden. Man bekommt ein Herz, das andere sieht. Man sieht, nicht dass man gezwungen ist zu helfen, sondern dass man die Möglichkeit hat zu helfen in der Kirchengemeinde, im Zusammenwachsen von Ost und West im Engagement gegen den Hunger auf der Welt.

Und diese Helfen wollen kommt zurück. Segen wird ausgehen von denen, die sich um andere annehmen und ihnen beistehen.

Liebe Gemeinde, Erntedank 2004. Ich bitte sie, ändern wir die Blickrichtung. Kehren wir ab vom Anspruchdenken und vom Pflichtdenken. Was wir aus Pflicht tun, tun wir nicht immer von Herzen. Kehren wir hin zu einem Engagement, das von Herzen kommt, das neben manchem finanziellen Einsatz etwas von uns mit transportiert, das unseren guten Willen zeigt und das unsere ganze Unterstützung hat, weil wir es mit dem Segen Gottes tun und Gott seinen Segen dazu gibt.

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