Sein Tag!

Der Herr ist auferstanden, liebe Gemeinde, Schwestern, Brüder: Er ist wahrhaftig auferstanden. Ostern, das Fest vom Sieg des Lebens über den Tod. Wenn wir vorhin im Psalm gebetet haben „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat: Lasst uns freuen und fröhlich darin sein …“ dann ist das nur wahr und nur richtig. Von welchem Tag – Weihnachten, Pfingsten ausgenommen – kann man das sonst noch sagen? Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat.
Wir verstehen es ja auch, Feste zu feiern: Ich denke an das Meer aus Schwarz-Rot-Gold nach der Vereinigung Deutschlands, den Balkon des Münchner Rathauses, die Meisterschale, den Jubel der Menge, ich denke daran, wie Deutschland in rot gehüllt war, nachdem Michael Schumacher wieder eine Formel-1-WM gewonnen hat. Und dann erst die vielen anderen Festtage vom Geburtstag über Ehejubiläen bis zu Feiertagen unseres Staates. Da werden Reden gehalten, da wird gelobt und gepriesen.

Aber das alles völlig anderes als die christlichen Feiertage, bei denen niemand auch nur auf den Hauch eines Gedankens kommen kann, Menschen zu würdigen oder zu preisen. Vielmehr geht es hier um die Wundertaten Gottes zur Rettung der Welt. „Es begab sich aber zu der Zeit …“ fängt die Weihnachtsgeschichte an und mit „Es ist vollbracht“ schließt sie am Karfreitag. Geschichten – und dann die Ostergeschichte: „Sucht nicht den Lebenden bei den Toten“ sagen die Boten Gottes den Frauen und dann der Ruf „Der Herr ist auferstanden!“ Um Tatsachen Gottes geht es, die unsere Leben vom Kopf auf die Füße stellen (wenn wir uns nur umstellen lassen), die für immer und ewig einen neuen, festen Grund legen, die dem Tod – und mag er mit seinen Nachhutgefechten immer noch wüten – den Stuhl vor die Tür des Lebens stellen. Und die steht offen.

Heute am zweiten Ostertag ein Satz aus dem Glaubensbekenntnis – ein unglaublicher Satz. So unglaublich, dass Konfirmanden, wenn sie das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen ihn immer wieder gerne unterschlagen: „Ich glaube an das ewige Leben“ Das ist (1) eine ungeheuerliche Botschaft der Bibel, (2) das darf unter keinen, unter gar keinen Umständen preisgegeben werden und (3) dieser ungeheuerliche Satz findet seine Bestätigung durch das Osterfest.

Ich glaube an das ewige Leben – da geht’s ums Ganze. Wie sonst kann ich mir erklären, dass Paulus sich in unserem Textabschnitt so über Menschen in der Gemeinde von Korinth aufregt, die die Auferstehung nicht so richtig ernst nehmen wollen: „Wissen diese eigentlich, was sie damit sagen? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, kann ja auch Christus nicht auferstanden sein. Wäre aber Christus nicht auferstanden, dann hätte unsere ganze Predigt keinen Sinn – und euer Glaube? Vergesst es!“ Das ist der Inhalt unseres Christseins hinter allem anderen, was wir an Geschichten, Geschichtchen, Anregungen zum Leben und zum gemeinsamen Leben ausmacht: Da ist eine Tür von der Ewigkeit in die Zeit aufgegangen. Nun kann uns nichts mehr trennen von der Liebe Gottes, die in Christus greifbar nahe gekommen ist – nichts, was uns bedrängen könnte, nichts, was uns bedrängt, nicht einmal der Tod. Ich bin wie eine Tür, sagt Jesus: Wie wahr – und die Tür zum Leben steht offen – denen jedenfalls, die darauf vertrauen können. Ich bin wie eine Tür – und alles, was von Gott trennt, spielt nun um seinetwillen keine Rolle mehr. Wir – Sie, jede und jeder einzelne, ich, sind Bürger des Reichs Gottes und Gottes Töchter und Söhne.

„Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen“ ist die Botschaft der ersten drei Evangelien. „Das Leben ist erschienen; so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab damit alle, die ihm vertrauen nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Ist der Kern der Botschaft des Johannes und „Ihr seid mit Christus dem alten Leben abgestorben und auferweckt in neues Leben, dem der Tod nichts mehr anhaben kann.“ Ist der Kern der Botschaft des Paulus.

Die Botschaft der Bibel ist Nachricht aus der uns noch nicht greifbaren Welt der Ewigkeit hinein in die Zeit, damit wir die richtigen Konsequenzen ziehen. Die Richtigen – denn es gibt auch eine Alternative: statt ewiges Leben verloren gehen.

Ist jemand in Christus – gehört jemandes Vertrauen ganz Jesus – so ist sie, er schon Teil dieser neuen Schöpfung Gottes, für die Sterben nicht mehr ist als ein Wechsel vom Leben zum Leben. Und diese Botschaft, dieses Wissen und Vertrauen, Schwestern und Brüder, das darf auf gar keinen Fall beschädigt werden – wir würden uns selbst und unser Leben beschädigen – und das darf auf gar keinen Fall verloren gehen – unsere Hoffnung ginge verloren und wir wären, so wieder Paulus „die allerelendesten Menschen auf Gottes weiter Erde.“ Ginge diese Botschaft verloren, würde sie verwässert, beschädigt sagen wir: Einmal wird der Tod einen Strich durch die Rechnung Jesu machen. Einmal behält er doch das letzte Wort – wir werden vergehen in ein namenloses, gottloses Nichts.

Dabei: Wir haben Grund zum Vertrauen. Selbst, das sage ich den Skeptikern, wenn Jesu Auferstehung – fünfhundert Zeugen hin, fünfhundert Zeugen her – nicht hinreichend bezeugt wären, dann bliebe immer noch das kleine Mädchen, dass er – „Talita kumi“ – aus dem Tod geholt hat, bliebe immer noch der junge Mann, einziger Sohn einer Witwe, den er um die eigene Beerdigung brachte: Er hat den Leichenzug gestoppt und ihn ins Leben zurückgerufen. Und am Ende würde sogar der Tod Jesu schwer erklärbar. Denn wegen der Auferweckung seines Freundes Lazarus fasste ja der Hohe Rat den Entschluss, dass es nun an der Zeit wäre, diesen Jesus ums Leben zu bringen. Sie kennen diese Episode? „Was tun wir?“ sagten sie „Dieser Mensch tut viele Zeichen.“ 48 Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. 49 Einer aber, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; 50 ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe.“ Also: Er wurde gekreuzigt – und er ist auferstanden. Er sagt „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“ – Und wenn wir auch sterben, zieht der Tod doch den Kürzeren: Wir werden leben.

Wie das zugegangen ist mit den anderen Auferstehungen und dann mit Ostern und seiner Auferstehung, das übersteigt meinen Verstand – ich kann und ich will es deshalb auch nicht erklären. Dass er auferstanden ist, das steht jedoch außer Frage: Sein Tag. Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat – uns bleibt das Vertrauen und die Hoffnung und die Freude. Die wünsche ich Ihnen. Die wünsche ich mir. Und vielen, die noch skeptisch hinter ihren Argumenten sitzen und denen, dies noch gar nicht wissen. Die Freude, dass Leben in der Luft liegt. „Der Herr ist auferstanden.“ Sagen Sies weiter – es ist wichtig. Und: Fröhliche Ostern.

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