Power durch Christus

Liebe Mitchristen,

ich habe versucht, diesen Predigttext als moderner Mensch, vielleicht als moderner Jugendlicher, zu hören. Dabei hat der erste Vers mich so beschäftigt, dass ich gleich abgeschweift bin. Ich habe meine Anfragen an den Schreiber dieses Ersten Timotheusbriefes, nennen wir ihn Paulus. Und ich stelle mir vor, dass Paulus auf meine Anfragen antwortet.

Jugendlicher: Durch wen bist du stark gemacht, Paulus? Ich höre jetzt von dir: durch Jesus Christus. Ich bin doch etwas verwundert darüber. Hat der etwa ein Fitnessstudio geleitet? Oder war er Ernährungsfreak, der gelehrt hat, wie man sich mit Kraftfutter und Pillen und vielleicht sogar Doping stark macht? Du weißt schon, so Mittelchen, die im Sport verboten sind, die aber doch fast jeder nimmt.

Also ich will ja kein Muskelprotz werden. Aber gegen ein bisschen Muckis habe ich auch nichts einzuwenden. Schon wegen dem Aussehen und dass ich auf andere wirke. Ich esse dafür Müsli und gehe ein- bis zweimal in der Woche ins Fitnessstudio. Nee, Pillen nehme ich nicht dafür, das lehne ich ab. Aber dass einer durch Jesus Christus stark wird, das habe ich auch noch nicht gehört, das musst du mir erklären. Vielleicht gibt’s da noch einen Tipp für mich.

Paulus: Du verstehst das ganz verkehrt. Es geht nicht um die Muskeln, die ein Mensch hat. Jedenfalls nicht um die äußerlichen Muskeln. Sondern darum dass einer Power hat und kein Feigling ist. Dass ein Mensch sich traut, für seine Überzeugung einzustehen. Notfalls auch wenn das gefährlich wird. Ich habe sogar Gefängnis dafür riskiert. Ohne Jesus Christus, also bevor ich von ihm gehört hatte, hätte ich mir das nie vorstellen können. Stell dir vor: Ich traue mich jetzt, vor ganz unbekannten Menschen von meinem Glauben zu reden. Vorher habe ich immer gesagt: „Das geht andere nichts an, das ist Privatsache!“ Aber jetzt weiß ich, dass das nur eine Ausrede war, weil ich mich nicht getraut habe. Abgesehen davon, dass ich diesen Glauben ja noch gar nicht gekannt habe. Der Glaube an meinen Herrn Jesus Christus hat mich stark gemacht.

Jugendlicher: Wie du das meinst, das verstehe ich ja jetzt. Aber dann die Sache mit der Treue! „Du hast mich für treu erachtet“ habe ich mir gemerkt. Dass du mich nicht verkehrt verstehst: Ich bin meiner Freundin treu, das halte ich für wichtig. Und ich will, dass sie mir treu ist. Aber das würde ich noch nicht einmal zu meinen Kumpels laut sagen. Treue ist doch eigentlich megaout. Die würden mich bestenfalls belächeln, wahrscheinlich auslachen: Da glaubt noch einer an Treue!

Manchmal denke ich: Wer treu ist, ist doch eigentlich blöd. Andere haben viel mehr vom Leben. Sie haben viel mehr Spaß. Jeder denkt dann doch an sich selber; aber ist das denn so schlecht: Was habe ich denn davon, wenn ich an andere denke?

Paulus: Ich denke da anders. Also erst einmal meine ich in meinem Brief gar nicht die Treue in einer Beziehung. Jedenfalls nicht in erster Linie. Und zweitens finde ich mich gar nicht so perfekt treu, sondern Jesus Christus hat mich für treu erachtet. Das ist das Geniale daran!

Aber der Reihe nach: Was viele Menschen in deiner Zeit vergessen – aber das war übrigens in allen Zeiten so – ist, dass Treue etwas Schönes ist, was auch einem selber sehr viel bringt. Man kann sich aufeinander verlassen und muss keine Angst haben, dass man am nächsten Tag allein da steht. Ich bin überzeugt davon, dass die Menschen, die nicht treu sein wollen, das irgendwann in ihrem Leben bereuen werden. Wenn sie nämlich einsam da stehen, weil keiner mehr zu ihnen steht.

So ist auch das mit der Treue zu verstehen, was ich geschrieben habe: Ich bin so froh und glücklich, dass mein Herr Jesus Christus mich für treu erachtet, obwohl ich das gar nicht bin und mir über meine Unzulänglichkeiten ihm gegenüber durchaus bewusst bin. Stell dir vor, ich versage immer wieder ihm gegenüber. Und trotzdem darf ich die unglaubliche Sicherheit haben, dass er immer bei mir ist. Bei dir übrigens auch, wenn du nur willst.

Jugendlicher: Immer jemanden zu haben auf den ich mich verlassen kann, also ich glaube das wäre schon genial. Da bin ich mir noch nicht einmal bei meiner Freundin so hundertprozentig sicher. Aber ich habe noch etwas: Wieso dankst du Jesus Christus, dass er dich „in das Amt eingesetzt“ hat? Also das begreife ich nun wirklich nicht, wie man dafür auch noch danken kann. Ich jedenfalls bin froh, dass ich keine Verpflichtung habe und werde das Meine dazu tun, dass es auch so bleibt. Nee, also ich habe wirklich keine Lust, mich für irgendetwas zu engagieren. Das bringt doch nichts anderes als Schwierigkeiten und Ärger ein.

Außerdem: Wenn man „ein Amt hat“, wie du so altmodisch sagst, dann bindet man sich damit doch. Ich will mich doch nicht binden. Ja, vielleicht mache ich einmal etwas gerne, das schließe ich doch gar nicht aus. Aber dann bin ich doch nicht so blöd und lasse mich da gleich fest einspannen. Sonst kriege ich das die nächsten zehn Jahre nicht mehr los!

Paulus: Ich kann dich verstehen, weil ich mal ähnlich gedacht habe: Bloß nichts Festes übernehmen, bloß sich nicht binden. Dann kann man machen, was man will, und legt sich nicht fest. Ich habe sogar gegen diese Bindungen gekämpft. Ich habe die Christen bekämpft, von denen ich jetzt selber einer bin.

Aber dann ist es anders gekommen. Da hat Jesus Christus mich angesprochen. Ich habe gleich gespürt, dass er es war. Und ich habe mich stolz gefühlt, unheimlich stolz. Weil er ausgerechnet zu mir gesagt hat: Du bist es, dich brauche ich. Für dich habe ich eine ganz besondere Aufgabe, die du übernehmen sollst. Verstehst du, wie ich mich da gefühlt habe. Da ist jemand – nein, nicht jemand X-Beliebiges, sondern Gottes Sohn höchstpersönlich, und der sagt: „Ich brauche dich!“ Das fehlt doch in deiner Zeit auch vielen Menschen: das Gefühl, gebraucht zu werden. Ganz im Gegenteil meinen sie dann oft, überflüssig zu sein und unnötig.

Und Jesus Christus traut mir zu, etwas zu bewegen. Er denkt, dass ich Fähigkeiten habe, dass ich etwas kann. Ich habe vorher nicht gewusst, was das bedeutet. Aber jetzt weiß ich es: Gebraucht zu werden und etwas bewegen zu können, das ist ein ganz tolles Gefühl. Ich bedauere jeden von euch, der dieses Gefühl nicht hat. Das ist eigentlich ein wirklich armer Mensch.

Liebe Mitchristen! Jugendlich sind die meisten von uns nicht mehr. Paulus sind wir schon gar nicht. Aber trotzdem gelten diese Zeilen aus dem Ersten Timotheusbrief auch für uns. Warum?

Wir haben ganz viele Gründe, unserem Herrn Jesus Christus zu danken. Nur vergessen wir diesen Dank viel zu oft – das muss wohl jeder von uns sich eingestehen.

Zum Beispiel den Grund, dass er uns stark machen will und fest in unseren Überzeugungen. Wir Christen müssen keine Menschen sein, die ihr Fähnchen nach dem Wind hängen, sondern wir können aus unserem christlichen Glauben heraus Flagge zeigen. Jesus Christus macht uns Mut, dass wir ganz unerschrocken und ohne groß zu überlegen uns für ihn entscheiden und nach dem Evangelium leben. Überlegen Sie sich, wer von Ihnen das will, und geben Sie Jesus Christus dazu Ihr Ja!

Oder den Grund, dass er uns für treu erachtet. Ist das nicht einfach wunderbar, dass wir uns auf Christus verlassen können, wenn wir uns zu ihm halten? Felsenfest verlassen. Ich kann das jetzt nur für mich sagen: Ich möchte meinen Herrn Jesus Christus gerne immer an meiner Seite haben. Ich will deswegen wenigstens versuchen, mich seiner Treue würdig zu erweisen.

Oder den Grund, ein Amt angetragen zu bekommen. Nicht Pfarrer ist ein Amt – nicht nur Pfarrer -, sondern Christsein ist, wenn wir es recht bedenken, ein Amt. Jedem von uns ist eine wichtige Aufgabe anvertraut. Bei den Kommunalwahlen war mancher stolz, wenn er angefragt worden ist, auf einer Liste zu kandidieren. Jesus Christus fragt uns Menschen an. Er will, dass wir auf seiner Evangeliumsliste kandidieren und die wichtige Aufgabe annehmen, das Christentum zu verbreiten. Ist das nicht ein tolles Gefühl?

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