Pfingsten ist Bewegung

Kirche versucht Menschen zu erreichen – über old-fashioned Gottesdienste, über politische Nachtgebete, Andachten, Bibelarbeiten, Jugendgottesdienste und andere Aktionen wie Wort zum Gottesdienst oder Zwischenrufe im Radio, Internet Andachten und Seelsorge. Auf allen Weisen soll das Evangelium zu den Menschen kommen, so dass viele schon klagen über Kirche, die jedem Trend hinterherläuft. Es gibt warnende Stimmen, die davor warnen, den klassischen Gottesdienst mit Liturgie in Gefahr zu bringen. Trotzdem hören die immer neuen Versuche nicht auf. Einer der neueren Versuche, die sich in größeren Gemeinde etablieren ist die sogenannte Thomas-Messe, ein Gottesdienst-Angebot für Menschen, die der Kirche eher fern stehen, wie der Thomas aus der Ostergeschichte eine besondere Zuwendung brauchen, um glauben zu können.

Immer mehr Menschen verstehen: Glauben kann viele Sprachen sprechen – und was mir nicht liegt, kann Anderen im Glauben weiterhelfen. Martin Luther wollte den Menschen aufs Maul schauen um ihnen die Bibel in ihrer Sprache nahe zu bringen. In einer derart vielfältigen Gesellschaft wie heute, muss es wohl auch viele Übersetzungen des Glaubens geben. Die Menschen müssen das Evangelium in ihrer Sprache hören. Davon erzählt Pfingsten:

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Viele ungelöste Fragen hinterlässt diese Geschichte: was ist da eigentlich wirklich passiert? Vieles bleibt im Dunkel – unerklärbar! Das kn irritieren. Aber ich kann auch hören: Was bleibt?

Pfingsten ist für Lukas der entscheidende Wendepunkt: aus Jüngern werden Missionare. Es entseht Gemeinde, die lebt aus der Tradition der wunderbaren Taten Gottes. Das schafft erst einmal Unverständnis – Verdrängung: ‚Die sind besoffen!’ sagen einige Passanten.

Das Sprachenwunder ist vielleicht nicht das eigentliche Wunder, zumindest wohl nicht das Größte. Vielleicht sollte man sich auch einmal um das Wunder kümmern, dass da einige wie besoffen von Jesus Christus erzähle und viele lassen sich taufen, dass einfache Fischer von den großen Taten Gottes erzählen und alle hören zu. Manchmal meinen wir, Petrus müsste geschmettert haben, aber vielleicht hat er auch stotternd zögernd hilflos gesprochen, aber seine Botschaft kam an bei den Menschen. Sie spürten: Da ist jemand überzeugt von dem, was er sagt.

Verständnis für die Spötter gehört zum Verständnis dieses Textes. Wer sich nicht auf die Ebene der Spötter begibt, versteht den Text nicht. Was erleben sie. Ein großes Fest im Frühsommer und da treten vormittags um 9 Uhr plötzlich einige Gestalten, heruntergekommene Fischer auf den Platz und reden in verschiedenen Sprachen durcheinander – wirres Zeug.

Das Urteil ist dann doch bei uns schnell fertig – vielleicht nicht ganz so drastisch: ‚Von Süßwein sind sie vollgelaufen’ – so die wörtliche Übersetzung. Besoffen, reden wirres Zeug. So was gehört wohl zu einem Fest dazu. Petrus tut die Spötter nicht ab. Er nimmt sie ernst er redet und argumentiert mit ihnen. Für ihn gibt es Menschen nicht, die verloren sind, sondern nur Menschen, denen er das Evangelium anbieten will.

Pfingsten ist, wenn Parther und Meder und Elamiter aufgezählt werden, die ganze Litanei, die mich schon als Jugendlichen beeindruckt hat. Die signalisiert: Die ganze Welt soll es erfahren. Mag sein, dass manches hier legendenhaft wie in der Weihnachtsgeschichte ist, aber es ist schön. Gottes Geist braut in die Weltgeschichte und bewirkt erst einmal das: Menschen verstehen sich. Der erste Kirchentag quasi: Wer solche Atmosphäre erst einmal erlebt hat, wo Menschen sich verstehen, trotz aller Gegensätze, weil sie wissen: es ist ein Geist, der uns eint. Es ist nicht werk der Menschen – die stellen sich dem wirken des Geistes zur Verfügung.

Jeder vom Geist erfüllte hat die Vollmacht und das Recht, Gericht und Rettung anzusagen. Der Geist ist demokratisch. Er setzt sich auf Jede. Das Ziel von Pfingsten ist nicht die einheitliche Rede, sondern die Rede von den ‚großen Taten’ Gottes. Das Ziel ist nicht die dogmatische Rede mit einer Sprache, aber das gemeinsame Zeugnis von Jesus Christus als Heiland und Retter.
Von Pfingsten her kommt kein Gebot der einheitlichen Weltsprache oder der einheitlichen Sprachregelungen, sondern ein Auftrag zum Reden und Hören von den großen Taten Gottes in sehr unterschiedlichen Lauten. Ein Ziel einer Kirche, die wirklich pfingstlich ist, muss also die Vielsprachigkeit sein.

Pfingsten ist immer dann, wenn Menschen sich vom Geist ergreifen lassen. Pfingsten ist Bewegung!

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