Osterhase

Liebe Gemeinde!

1. Ich habe Euch/ Ihnen heute etwas mitgebracht zum Gottesdienst … Es ist – dieser waschechte Osterhase hier …

Sieht er nicht niedlich aus? Mit seinen Schlappohren und mit seinem kuschelweichen Fell?

Meine Kinder waren ja nicht wirklich begeistert, dass ich ihn heute morgen entführt habe … Aber ich möchte – und mit diesem Häschen im Arm ist das ganze ein wenig anschaulicher … Ich möchte (heute morgen) gerne der Frage nachgehen:

Was hat der Osterhase eigentlich mit Ostern zu tun? Welche Bedeutung hat dieser plüschige Langlöffel?

Nun, bei meiner Vorbereitung habe ich als erstes natürlich eine Umfrage unter Kindern gemacht. Und das Ergebnis war völlig eindeutig … Es hat mich auch nicht wirklich überrascht: Ganz klar – der Osterhase bringt die Ostereier.

Der Osterhase ist zuständig, verantwortlich für die Produktion und den Transport der buntbemalten Schoko- Marzipan- oder sonst wie- Eier.

Wofür soll er denn auch sonst gut sein?! „Milljuhn“ Bilderbücher erzählen schließlich in immer wieder neuen Variationen von kleinen Häschen, die Eier bemalen und verstecken, … damit die lieben Kleinen die österlichen Schleckereien mit viel Juchhei finden und genießen können.

Aber warum gerade Hasen? Warum gibt es keine Osterstörche oder Osterfüchse? Oder was halten Sie persönlich vom Osterkuckuck? Das wäre doch der ideale Eierlieferant. Denn auch sonst im Jahr versteckt er seine Eier – und das immer in fremden Nestern …

Vielleicht werdet Ihr lachen. Aber all die genannten Tiere – die gibt es wirklich. Im Vorarlberg, da hat man sogar den Nikolaus bemüht, um zu erklären: Wer sorgt denn nun eigentlich für die Ostereier.

Aber durchgesetzt hat sich … Zumindest hier bei uns in Deutschland – der Osterhase.

Vielleicht, weil Hasen sich eher in der Nähe des Menschen aufhalten als andere Tiere … Gerade im Frühling, wenn es in den Gärten frisches Grün zu nagen gibt …

Vielleicht wurden Hasen auch aufgrund ihrer Geschicklichkeit ins Osterfest befördert: Flink schlagen sie ein paar Haken – und schwupps sind sie verschwunden. Bei so viel Beweglichkeit ist das unbemerkte Verstecken der Eier für die Hasen – kein Problem.

Nun, auch wenn es vielleicht „vernünftige“ Gründe gibt … Warum der Osterhase bemüht wird … Oder der Kuckuck oder wer auch mmer …

2. Die Frage bleibt: Was hat der Osterhase – oder welches Vieh man auch immer stattdessen wählt, … Was hat der Hase eigentlich mit Ostern zu tun?

Da gibt es doch keine Verbindung … Oder etwa doch?

Nun … Manche Sprachwissenschaftler vermuten: Der Name des Osterfestes … Der leitet sich von einer altgermanischen Fruchtbarkeitsgöttin ab. Ostara oder Eostur soll die Dame geheißen haben – Göttin der Morgenröte und des Frühlings.

Und das Symboltier dieser Göttin … Das war eben der Hase … Mit mehr als 20 Jungen pro Jahr und Muttertier demonstriert er seine Fruchtbarkeit ja durchaus eindrucksvoll.

Zu Ehren derselben Göttin sollen übrigens auch Eier vergraben, geschenkt und gegessen worden sein.

Allerdings: diese Oster- bzw. Osterhasentheorie ist durchaus umstritten. Denn es konnte bislang nicht wirklich nachgewiesen werden: Hat es diese Göttin mit dem Osternamen tatsächlich im Kult unserer heidnischen Vorfahren gegeben?!

Sicher ist nur: Zu Frühlingsbeginn … Da wurde das Leben und die Fruchtbarkeit desselben gefeiert – Mit einem großen Frühlingsfest. Das war bei den Germanen genauso wie bei den anderen Völkern in grauer Vorzeit.

Und bei diesem Frühlings- Fruchtbarkeits –Fest, … da hat der Hase dann durchaus seinen Platz.

Prof. Dr. Jürgen Udolph, Sprachwissenschaftler der Uni Göttingen, … Der hat auf dieser Basis eine völlig neue Theorie aufgestellt:

Sein Ansatzpunkt: das heidnische Frühlingsfest … Das wurde überlagert vom Christlichen Osterfest, …

Und was ist das Kennzeichen eines Osterfestes … Früher noch mehr als heute: Ganz klar: das sind die Taufen im Gottesdienst.

Gerade der Ostergottesdienst, das älteste Fest der Christenheit … Das Fest, in dem erinnert und bekannt und gejubelt wird: Jesus lebt. Er ist auferstanden … Gerade dieses Fest – das war der Taufgottesdienst schlechthin …

Und im frühen Mittelalter hieß das: Da konnten im Rahmen eines solchen Gottesdienstes schon mal ein paar hundert oder tausend frisch bekehrte oder eroberte Heiden getauft werden …

Massentaufen … Das war – ich überspitze nur ein wenig – Das war für die Heiden das Kennzeichen für das „neue“ Christenfest.

Prof. Udolph sagt nun: In der Sprache unserer Vorfahren, da gab es das Wort „Ausa“. Es bedeutet schöpfen, gießen, begießen …

Im weitesten Sinn also auch: taufen.

Aus „Ausa“ wurde „Ostern“… Ein neuer Name für ein neues Fest.

Das alte heidnische Frühlings- Fruchtbarkeitsfest verschwand … Aber eben nicht ganz: In den Osterhasen, Ostereiern … Und auch in einigen anderen Bräuchen … Da hat sich sozusagen ein Reflex aus der alten Zeit, … Aus der alten Kultur erhalten …

3. Wenn Sie so wollen, … dieser Osterhase hier, … der ist ein Zeichen für die Verbindung von Kultur und Evangelium …

Dieser Osterhase ist ein Beispiel dafür, dass die Gute Nachricht von Jesus … Wie soll ich es sagen … nicht im luftleeren Raum gepredigt und gelebt wird, …

Sie ereignet sich … In einer bestimmten Zeit … Und das heißt auch: In einer bestimmten Kultur.

Und damit die Menschen begreifen, … Damals wie heute … Was geschieht eigentlich mit Jesus – für uns?

Damit die Menschen das begreifen, … Sind Ansatzpunkte, … Anknüpfungspunkte schlicht und ergreifend nötig.

Das heißt: Die Aufnahme heidnischer Traditionen … Die Adaption alter Kulturelemente … Die geschah und geschieht nicht willkürlich …

Die Gegenwart, … Von mir aus auch der Zeitgeist … Eben alles, was Kultur ausmacht, … Und das heißt in einer vorchristlichen Umgebung: auch die vorchristliche Religion … Alles das ist sozusagen die Folie … Um die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzusagen.

Und der Osterhase …
Der ist sozusagen … Ein Symbol, ein Zeichen … Um auf Jesus hinzuweisen.

So lebendig der Hase ist … So lebendig ist Jesus Christus …

Der Tod hat ihn nicht festhalten können! Der Tod ist tot.
Jesus lebt.

Damit auch wir begreifen … Zumindest erahnen: Auch wir werden leben … Jeder und jede von uns … Auch uns kann und wird der Tod nicht festhalten bis in alle Ewigkeit … Jesus nimmt uns auf in seine Gemeinschaft, die zeitlos gültig ist.

Das ist die Frohe Botschaft von Ostern. Und dieser Hase hier, der ist genau dafür ein Zeichen.

4. „Christus ist für unsere Sünden gestorben, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, – und wurde begraben. Er ist am dritten Tag vom Tod auferweckt worden, wie es in den Heiligen Schriften vorausgesagt war, und hat sich Petrus gezeigt, danach dem Kreis der Zwölf. Später sahen ihn über 500 Brüder auf einmal; Einige sind inzwischen gestorben, aber die meisten leben noch, dann erschien er dem Jakobus und schließlich allen Aposteln“ …

so beschreibt der Apostel Paulus diese Grunderfahrung von Ostern … Nachzulesen in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1.Kor. 15, 3b-7) …

Was ich spannend dabei finde: Auch Paulus verwendet hier keine eigenen Worte, … Oder zumindest nicht nur seine eigenen Worte.

Er zitiert in unserem Predigttext sozusagen das älteste Glaubensbekenntnis der Christenheit. Das ist – wie soll ich es sagen … Für ihn das „Hilfsmittel“, um die Frohe Botschaft von Jesus weiterzusagen … Sein „Osterhase“ also.

Jesus lebt, damit wir leben können … Alle Schuld, alle Sünden, alles was Tod bringt … Alles das ist vergeben, … Wir sind frei davon, … Wirklich: Freigesprochen, unbelastet, … Durch den Tod hindurch lebendig …

Das ist die frohe Botschaft von Ostern.

Und sie ist kein Blödsinn, keine Einbildung, keine Fata Morgana … Denn Menschen, ganz normale Menschen, … haben das unglaubliche Ostergeschehen wahrgenommen, geschaut, gesehen, erlebt: Petrus, die 12 und viele andere, … Sie sind Zeugen, Gewährsleute für diese Botschaft: Jesus lebt.

Das ist sozusagen der Ausgangspunkt christlichen Glaubens …
Diese Botschaft zu hören … Und – sie weiterzusagen …

Beides gehört zusammen, … Von Anfang an.

5. Allerdings … Ich meine: Genau wie Paulus brauchen auch wir heute – ja – „Hilfsmittel“ … Um begreifen und erzählen zu können … Was Ostern geschah und geschieht.

Vielleicht ist das ein Glaubensbekenntnis … Geprägte Worte mit den Erfahrungen vieler Generationen …

Vielleicht ist das ein Zeichen, ein Symbol … Wie dieser Osterhase hier.

Was auch immer wir in die Hand nehmen … Ich meine: Es ist gut, es tut gut, wenn wir die Gute Nachricht hören und weitersagen: Jesus lebt, damit auch wir leben können.

Nun, … Als kleines Zeichen für diese großartige Nachricht … Als Zeichen der Ermutigung auch zum Weitergeben und Weitererzählen … Möchte ich Euch/ Ihnen gerne am Ende dieses Gottesdienstes einen kleinen Osterhasen mitgeben. Einen wie diesen hier (Schokohäschen zeigen)

Ganz bestimmt gibt es einen Menschen, dem Sie/ Ihr damit eine Osterfreude machen könnt.

Und dann wird der Jubelruf aus der alten orthodoxen Osterliturgie auch in unserer Zeit lebendig: Halleluja! Der Herr ist auferstanden. Halleluja. Er ist wahrhaftig auferstanden.

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