Oase für Zeit und Ewigkeit

Ich weiß, dass in einer Oase alles vom Wasser abhängig ist. Und ich weiß auch, dass es in der Wüste nur dann blühen und fruchtbar sein kann, wenn Wasser vorhanden ist. Ohne Wasser verdorrt alles; alles ist zum Sterben verurteilt.

Die Lebenskraft des Wassers ist bemerkenswert. Nur eine Handvoll Wasser lässt aus trockenem Wüstensand eine Fülle farbiger Blumen wachsen. Eine Spur von ihm lässt trockene und müde Pflanzen wieder aufleben. Nur wo Wasser ist, kann das Leben gedeihen; fehlt es, so fällt alles ins Leblose zurück.

Wenn ich in der Wüste irgendwo Wasser finde, so muss ich ihm nachgehen um die Quelle, die Oase, zu finden. Der Mensch braucht nicht nur Wasser, um seinen Durst zu stillen und er braucht nicht nur Brot, um seinen Hunger zu stillen, er benötigt auch geistige Nahrung um zu erkennen, wie und nach welchen Werten er bisher gelebt hat. Wasser befreit vom Durst -Geist und Wahrheit befreien vom Hunger und Durst nach dem Sinn des Lebens.

Wer von dem Wasser des Geistes und der Wahrheit getrunken hat, den dürstet nach mehr, der wird nicht zum Ende kommen. Und ich weiß, dass die Oase des Menschen in der Liebe liegt und dass die Liebe der Ursprung von allen Oasen unter den Menschen ist, und ich glaube, dass Gott die Liebe ist. Hören wir hierzu den Predigttext aus Joh 4,5­14:

[TEXT]

Die Geschichte von Jesus und der Samaritanerin beschreibt, wie und unter welchen Bedingungen Menschen sich begegnen können, die sich sonst eher aus dem Wege gehen oder untereinander verfeindet sind. Die Samaritaner halten die Juden für arrogant und für die Juden sind die Samaritaner die Menschen mit falschem Glauben. Ein rechtschaffener Jude hatte mit Samaritanern nichts zu tun. Wenn ein Jude nur ein Gefäß benutze, aus dem ein Samariter getrunken hatte, dann verunreinigte er sich. Ein Rabbiner sagte: „Wer Brot der Samariter isst, der ist wie einer, der Hundefleisch isst.“

Heute, liebe Gemeinde, sind es nicht Juden und Samaritaner, die keine Gemeinschaft haben, die nicht miteinander reden. Heute sind es Nachbarn, dunkelhäutige oder asiatisch aussehende Menschen in jedem Dorf und in jeder Stadt, mit denen man nicht redet und ihnen bewusst aus dem Wege geht oder sie gar zu Tode jagt. Und wer heute in Afghanistan Informationen über Christen und Juden verbreitet und hierdurch den Islam herabwürdigt, muss mit einer Gefängnisstrafe oder mit der Todesstrafe rechnen. Doch Menschen unterschiedlichen Geschlechts, unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Bildung, unterschiedlicher Nationalität, unterschiedlichen Aussehens verbindet der Hunger und der Durst nach Leben. Welche unserer Bedürfnisse müssen gestillt werden, um den Durst nach Leben zu befriedigen? Im Jahr 2000 waren etwa 100 Millionen Menschen von Dürren betroffen. Laut Aussage der UN waren mehr als 20 Länder von dieser Trockenheit betroffen. Die Zahl der Menschen, die mit Grundnahrungsmittel versorgt werden mussten, stieg von drei Millionen im Jahr 1996 auf 16 Millionen an.

Liebe Gemeinde, die Frage nach den alltäglichen Grundbedürfnissen des Lebens überwindet Unterschiede und Feindschaft zwischen Menschen. Indem Jesus die samaritanische Frau um Wasser bittet, gibt er den jüdischen Standpunkt: Du bist eine Samaritanerin und hast den bösen Geist, auf und macht die Begegnung zwischen ihm und ihr erst möglich. Der Durst, die Empfindung eines Mangels und die Hilfsbedürftigkeit des bittenden Jesus machen nationale, religiöse und andere Gegensätze unwichtig. Der Jesus, der der samaritischen Frau lebendiges Wasser anbietet, bleibt der müde und durstige Jesus, der sich am Jakobsbrunnen niedergelassen hat. Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, versprach Jesus der samaritanischen Frau. Wo Männer sich normalerweise nicht aufhielten, da hatte sie ihn getroffen, denn Wasserholen, das war Frauenarbeit. Und Jesus verwickelt die wasserholende Frau in ein langes Gespräch über das Wasser und über ihr eigenes Leben.

Niemals mehr diese Knochenarbeit verrichten, niemals mehr Durst haben, das war wie Musik in ihren Ohren. Und so bittet sie Jesus: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Jesu Antwort auf ihre Bitte scheint uns absurd: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! Ja, hol` den, der mit dir lebt, mit dem du deinen Lebensdurst stillen möchtest. Hol` deinen Mann. Jesus greift mitten ins Leben dieser Frau. Und das bringt sie in Verlegenheit. Denn nach den damaligen Gesetzen, so berichtet uns Johannes weiter, lebte sie in einer illegalen Verbindung und es war bekannt, dass sie bereits fünf Männer hatte und diese Beziehungen nicht von Dauer waren.

Merken Sie, liebe Gemeinde, dass es Jesus hier nicht um die oder den Einzelnen geht, sondern uns im Zusammenhang mit unserem Partner sieht. Denn was unser Lebensdurst anrichtet, das bekommen die anderen immer zu spüren, mit denen wir zusammenleben. Durch den tiefen Blick Jesu sieht die Frau die ganze Erbärmlichkeit ihres bisherigen Lebens. So ist die Erkenntnis der Wahrheit über sich selbst zum Wasser des Lebens, zu einer sprudelnden Quelle geworden.

In der Begegnung mit Jesus versteht die samaritanische Frau plötzlich ihre vergebliche Suche nach Anerkennung, nach Halt und Liebe. Immer wieder ist sie neue Beziehungen eingegangen und hat vergebens auf das Glück und die große Liebe gehofft. Jetzt weiß sie es, dass dies ein Fehler war. In der Begegnung und im Gespräch mit Jesus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist und dieser durstig um Wasser bittet, entdeckt die samaritanische Frau, dass zum Leben nicht nur die Befriedigung natürlicher Grundbedürfnisse gehört, sondern auch der Hunger und der Durst nach Liebe und Gerechtigkeit. Es gibt ein Verlangen, dass kann kein irdisches Wasser stillen. Wasser und Brot zeigen, dass wir nicht nur nach diesem oder jenem trachten, sondern dass wir leben wollen. Und wenn wir erfahren haben, dass Jesus uns von allem quälenden Lebensdurst erlöst hat, und wenn wir erfahren haben, dass wir unsere Schuld auf Jesu Schultern abladen können, dann können wir befreit einen neuen Anfang beginnen, der dann für andere zu einem Brunnen lebendigen Wassers wird, so wie die samaritanische Frau. Sie hat Leben gesucht und Gott gefunden. Wenn du also in der Wüste des Lebens irgendwo Liebe findest, wahre Liebe, dann geh mit der Liebe mit, und du kommst zum Quell aller Liebe, zu Gott, der großen Oase für Zeit und Ewigkeit.

drucken