Nicht hinrichten, sondern herrichten!

Grüß Gott, ihr frommen Schwestern und Brüder
zur närrischen Zeit lass ich mich gern bei euch nieder.

Die Schellenkappe gilt es nun aufzusetzen
sollen doch alsbald fliegen die Fetzen;

denn das Wort Gott ist lebendig und kräftig,
schärfer als ein Schwert zweischneidig,

durchdringt es Seele und Geist einer jeden
bis ins Mark und Bein mit seinem Reden.

Ein Richter der Gedanken ist Gottes Wort
und der Sinne des Herzens immerfort.

kein Geschöpf bleibt vor ihm verborgen,
mit seinen Freuden und seinen Sorgen,

vor Gottes Augen ist alles bloß und aufgedeckt,
was wir allzu gern hätten für immer versteckt,

denn ihm müssen wir Rechenschaft geben
über unser Tun und Lassen, über unser Leben.

Doch Gott irrt kein Kleid, ob arm oder reich,
vor ihm stehen wir einst alle gleich.

Da hör ich auch schon die Kritiker sagen,
typisch Kirche. Will die Moral einklagen

uns Menschen machen angst und bang,
knechten und knebeln ein Leben lang,

in Unfreiheit und Unmündigkeit halten
und dauernd brav die Hände falten,

um stets Ja und Amen zu allem zu sprechen,
niemals die göttlichen Gebote zu brechen.

Wer sich so sein ganzes Leben still verhält,
am Ende im Gericht auch Gott gefällt.

Doch wir wollen Gottes Gericht nicht kennen,
wir uns selber Herrn des Lebens nennen.

Halt ein! ruf ich als Narr mit Blick auf Gottes Wort,
überhebt euch nicht – sonst werdet ihr zum Spott.

Ich gebe zu, die Worte können mich erschrecken,
Furcht, Angst und Traumata in mir erwecken,

und mehr als einmal hab ich mich selbst gefragt,
wozu die Bibel solche Drohungen auszusprechen wagt?

Was sollen sie bewirken? Worauf wollen sie zielen?
Abschrecken wie einst die Atomlager, die vielen,

die den kalten Krieg in Europa haben stabilisiert.
Oder wollen solch Drohungen gut dosiert,

mir wie die Angst vor einem Albtraum den Schlaf rauben
oder mir eindringlich den Rat geben zu glauben,

sich nicht zu sehr auf sich selbst zu verlassen,
sondern vielmehr die Hoffnung wachsen zu lassen,

dass Gott solch Drohungen nur dann ernstlich benützt,
weil er uns vor uns selbst beschützt.

Wahrlich Gott kennt unsre verborgensten Gedanken,
die Abgründe unseres Herzens sind ohne Schranken:

da werden Schüler wochenlang verprügelt und geschubst
und niemand hat hinterher irgendetwas davon gewusst.

In Hildesheim ist solches vor kurzem geschehen
Kein Lehrer, kein Mitschüler habe es gesehen.

Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit,
da gab es auch manche Rangelei und heftigen Streit,

wenn einer im Schwitzkasten ward genommen
am Boden lag, eine Kopfnuss verpasst bekommen,

da standen die Klassenkameraden dicht im Kreis
weniger als Zuschauer denn als Aufpasser, wie ich weiß,

und griffen, wenn nicht schon Lehrer zur Stelle kamen,
beherzt ein, indem sie für den Schwächeren Partei einnahmen.

Warum ist das heute anders? Wieso wandelt sich die Realität
zu nie geglaubter, allgemein akzeptierter Brutalität?

Woher kommt dies teilnahmslose passive Verhalten
lernen die jungen Menschen es von den Alten?

Woraus resultiert die Hilflosigkeit, ja Ohnmacht,
von Lehrern und Polizei, der staatlichen Macht?

Wo fand der Tabubruch statt- ohne dass wir’s begriffen,
dass die Grenzen waren auf einmal überschritten?

Liegt es an der Langenweile, der hohen Arbeitslosigkeit
oder an der für die Jugend so großen Perspektivlosigkeit?

Liegt es an den Gewaltvideos, an den Ausländern, den vielen,
an den Horrorfilmen, an den Ego-Shooter-Spielen?

Big Brother, Dschungel König und Co sind nur der Anfang.
Was da dumm und geschmacklos, voyeuristisch begann,

setzt sich fort in „Reality-Spektakles“, die dann zu zeigen wagen,
wie Obdachlose und Prostituierte sich prügeln und sich jagen,

ganz zu schweigen von weiterer brutalerer Geschmacklosigkeit
in zwei Filmen zu sehen. Der dritte wird gedreht zurzeit.

Die Produzenten haben in Las Vegas es selbst gesehen,
wie unter Obdachlosen solches ist geschehen.

„Hier sei eine Art von Humor an Randgruppen zu entdecken,
der auch die Zuschauer per TV und Internet wird entzücken.“

So spulen sie ihre Filme ab nach dem Motto: Erlaubt ist, was Kohle bringt.
So dreht sich die Spirale weiter, weil die Einschaltquote nach oben springt.

Fürwahr das Wort Gottes ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert.
legt bloß unsere Gesellschaftsmaskerade von kulturellem Wert.

Um zu ergründen, warum allerorts die Dämme reißen,
will ich auf Nathan, den Propheten, verweisen.

Ihn hat Gott einst zum König David gesandt,
dessen Ehebruch mit Batseba war niemanden bekannt.

Nathan erzählt David von einem Reichen und seinem Trachten,
das einzige Schaf seines armen Nachbarn zu schlachten,

um es dem Gast zu servieren mit Miene ganz unschuldig.
Da ruft David empört: Der Mann ist des Todes schuldig!

„Du bist der Mann!“ sagt Nathan darauf zu ihm unerschrocken
denn du und kein andrer hast die Grenze des Lebens gebrochen.

Fürwahr das Wort Gottes ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert.
Da hilft kein Leugnen, da ist keine Ausrede noch etwas wert,

da hilft kein Verweis, dass die Zeit und Umstände so schlecht waren,
da hilft kein Entschuldigen, dass alle anderen auch so sind verfahren.

Dass mein Handeln und Lassen Konsequenzen hat,
dass mein Denken und Fühlen anderen gegenüber Folgen hat,

will Gottes Wort einem jeden persönlich schonungslos offenbaren
damit wir nicht blindlings in den alten Bahnen weiterfahren:

als gäbe es nur ein Dichten und Trachten, nämlich nach Geld,
als wären wir die alleinigen Herren und Richter dieser Welt,

als müssten wir immer weiter auf Pump alles verprassen,
aus Angst wir könnten heute den Just for fun verpassen.

Doch Gottes Wort, so weiß die Bibel, ist lebendig und kräftig.
Es kommt nicht brutal und verletzend, doch gewaltig und mächtig.

Denn Gott will uns durch sein Wort nicht hinrichten,
hat einst Christoph Blumhardt gesagt, sondern herrichten:

auf den Weg des Friedens, auf den Weg der Liebe er uns weist.
Darauf dürfen wir auch heute noch hoffen: auf Jesus Geist.

So wie er uns heute mit seinem guten Wort will begleiten,
so wird er einst im Gericht stehen uns zur Seiten,

denn sein Wort allein löst aus Sünde, Kummer und Schmerz
macht schon heute uns heil an Verstand, Seele und Herz.

So will Gottes Wort uns nicht mit Furcht und Angst erschrecken,
vielmehr will es ermutigen, die guten Gaben in uns zu entdecken,

damit wir als seine Narren stets wagen unverzagt,
zu glauben, lieben hoffen, wie Jesus es uns gesagt.

Nun schließe ich die Narretei in Christi Namen.
Das Ende heißt wie stets: So soll es sein …

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