Neues Leben

Liebe Gemeinde,

jesus fordert jeden Menschen, der sein Wort und Ruf hört auf, ihm nachzufolgen. So, wo und wie er gerade ist, aufzustehen und mitzugehen. Ich brauche Dich, Du bist es in meinen Augen wert, einer meiner Gefolgsleute zu sein. Es braucht weder Matthäus vom Zoll noch irgendein anderer Mensch eine bestimmte Voraussetzung erfüllen. Da gäbe es ja schon einige. So zum Beispiel, dass der Mensch seine Abkehr von Gott, es ohne ihn schaffen zu können, als seine Sünde zu erkennen und zu bekennen. Oder, es muss erst einmal alles gut gemacht werden, was ein Mensch an Schaden angerichtet hat. Wie bei Zachäus [Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: >>Siehe, Herr, die Hälfte meines Besitzes gebe ich den Armen, und habe ich jemand um etwas betrogen, will ich es vierfach erstatten. (Luk 19,8)] der sich beeilte, alles wieder zurückzugeben und noch mehr dazu. Jesus hat ihn dazu aber nicht aufgefordert. Jesus fordert allein nur dazu auf, ihm zu folgen. Wir sind alle ohne jeden Unterschied Sünder. Aber gerade solche Menschen meint Jesus. Der Sünder benötigt Gott.

Uns begegnen heute die Zöllner, jedenfalls an unseren Grenzen, als zumeist freundliche Leute. Damals aber, zur Zeit Jesu, wurden sie mit Mördern, Räubern und Huren auf eine Stufe gestellt. Die Zöllner wurden von den Menschen gemieden, weil sie mit der römischen Besatzungsmacht zusammenarbeiteten, den Zoll einforderten, den das römische Reich damals verlangte.

Nicht nur gemieden wurden solche "Verräter", sondern auch gehasst, weil ihr Beruf immer wieder zu mehr oder minder großen Betrügereien führte, sie mehr Zoll erhoben, als sie eigentlich durften.

Menschen aus anderen Berufen wurden ebenfalls gemieden. So die Steuereinnehmer, Geldwechsler, Gerber, und Hirten. Dann waren da noch diejenigen, die nach ihrer Lebensweise ausgegrenzt wurden: die Ehebrecher, Huren und Würfelspieler. Eine dritte Gruppe der verachteten Menschen waren die der Tora Unkundigen. Sie konnten als Unkundige nicht gerecht leben.

Mit ihnen hat Jesus Tischgemeinschaft. Gerade so, als würde er das himmlische Mahl bereits mit ihnen feiern und für vorweggenommen.

Wer getauft ist, hat Zugang zum Tisch des Herrn. Aber bei uns fehlen viele Getaufte bei den Abendmahlsfeiern. Die Kinder, die Obdachlosen, die Drogenabhängigen, die Alkoholiker und viele andere, denen wir aus dem Weg gehen.

Jesus macht deutlich, auf welcher Seite der Menschen Gott steht. Sicher, wir kümmern uns schon um Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. Wir haben für sie ein Herz. Wir spenden für sie. Es wird erst kritisch, wenn sich jemand, ohne auf das Gerede zu achten, um diejenigen kümmert, die zu den gesellschaftlich Verachteten gehören. Dann wird er schnell als einer von ihnen abgestempelt und ihm das Leben schwer gemacht.

Gott will, dass wir uns um diejenigen kümmern, die ihm ebenfalls wichtig sind. Er will Barmherzigkeit als Opfer. Der Ritus hält die Gemeinde zusammen und unter Gottes Wort. Das ist gut und richtig. Auch wenn gespendet wird und das wirklich für den einzelnen ein großes Opfer bedeutet, ist das richtig und hoch zu würdigen. Gott sieht das mit großer Freude an, darin bin ich sicher.

Aber da ist noch mehr, was nötig ist, sagt Jesus. Barmherzig gegenüber anderen Menschen zu sein ist mehr zu üben, als das Opfern. Gottes Eigenschaft ist die Barmherzigkeit. So soll auch die Barmherzigkeit das wesentliche Kennzeichen für diejenigen sein, die Christus nachfolgen.

Martin Luther sagt dazu: "Barmherzigkeit heißt, dem Nächsten wohltun in seinem Elend und in seinen Nöten. Da kannst Du die Nöte des Nächsten aufzählen, dann wirst Du wissen, was Barmherzigkeit ist. Not und Elend des Nächsten ist aber ernstlich die Sünde. Da soll man ihn denn also belehren, vermahnen, schelten, tragen und trösten … Zum zweiten betrifft die Not der Menschen Traurigkeit, Krankheit und allerlei Übel des Leibes. Auf wie vielerlei Weise kann da der Mensch seinem Nächsten helfen, wenn nicht mit der Tat, mit Geld, Werken und Gehorsam, so doch mit Gunst und einem guten Wort … Die dritte Not der Menschen ist Armut und ähnliches Elend. Wer könnte auch da die Werke zählen, mit denen wir Barmherzigkeit üben können, mit Speisen, Tränken, Kleidern und dgl., wie Mt 25 spricht…" (1538).Dazu ist nichts mehr hinzufügen.

Zusammenfassend ist zu sagen: In Jesu Kirche tätig zu sein und in ihr zu leben, ergibt sich nicht aus unseren Taten und weil wir so toll sind, sondern allein aus Jesu schöpferischen uns erwählenden Ruf. Jesus wandelt Zöllner und Sünder, oder wie sie heute auch immer genannt werden, nicht um in Gerechte und Gott Wohlgefällige. Viel mehr! Jesus schenkt neues Leben. Es ist tröstlich zu wissen, dass Jesus seine Sache treibt mit den Menschen, die er sich nicht nur vom Zoll, sondern mitten aus der Welt und dem Leben der Menschen holt.

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