Nachfolge – Abenteuer der Freiheit

Wir haben es eben im Evangelium gehört: Jesus kündigt zum ersten Mal seinen Tod an. Jesus begann den Jüngern klarzumachen, was Gott mit ihm vorhatte: dass der Menschensohn vieles erleiden und von den Ratsältesten, den führenden Priestern und den Gesetzeslehrern verworfen werden müsse, dass er getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse. Jesus sagte ihnen das ganz offen. Da nahm Petrus ihn beiseite, fuhr ihn an und wollte ihm das ausreden. Aber Jesus wandte sich um, sah die anderen Jünger und wies Petrus scharf zurecht. »Geh weg!« sagte er. »Hinter mich, an deinen Platz, du Satan!« Deine Gedanken stammen nicht von Gott, sie sind typisch menschlich.« Dann rief Jesus die ganze Menschenmenge hinzu und sagte: »Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben wegen mir und wegen der Guten Nachricht verliert, wird es retten. Was hat ein Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert? Womit will er es dann zurückkaufen?

Die Menschen dieser schuldbeladenen Generation wollen von Gott nichts wissen. Wenn jemand nicht den Mut hat, sich vor ihnen zu mir und meiner Botschaft zu bekennen, dann wird auch der Menschensohn keinen Mut haben, sich zu ihm zu bekennen, wenn er in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln kommt!« (Gute Nachricht 1997) Wir, liebe Gemeinde, sind es gewohnt, dass uns alles in Höchststufen und mit uneingeschränkten Erfolgsaussichten angeboten wird. Seien es die beruflichen Aufstiegschancen in der Computertechnologie, ein abgesicherter und sorgenfreier Lebensabend mit der Riesterrente, die unverwüstliche Gesundheit dank Vitamin E, traumhafte Reisen und ebenso fantastische Gewinne im Lotto. Kurz gesagt, all dass, was zu einem glücklicheren Leben beitragen könnte, wird uns so abwechslungsreich wie möglich angeboten.

Wundern wir uns da nicht, wenn wir Christen uns mit dem Angebot Jesu: Wenn einer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, schwer tun? Ein Angebot ohne großartige Versprechen und Schmeicheleien. Ganz im Gegenteil, die Gedanken um mich herum, um das eigene ich, sind in Schranken gewiesen. Und diejenige oder derjenige von uns, der zur Nachfolge bereit ist, wird mit der Realität des Kreuzes konfrontiert.

Für viele Christen in der heutigen Zeit ist das „Wie“ und „Warum“ der Nachfolge Jesu zu einem Problem geworden. Die Ursache hierfür ist, so denke ich, zu einem im Alltag unserer modernen Industie- und Wohlstandsgesellschaft, und zum anderem in der weit verbreiteten Orientierungs- und Ziellosigkeit vieler Menschen zu suchen. Wenn wir Jesus nachfolgen, dann werden wir Anteil an seinem Kreuz haben, an seinem Leiden und ebenso an seinem Verworfenwerden. Dann tragen wir an Jesu Kreuz mit. Wenn wir Jesus nachfolgen, dann nehmen auch wir unser eigenes Kreuz auf uns, und sagen ja zum eigenen Leid, auch dann, wenn wir es nicht verstehen sollten. Wenn wir Jesus nachfolgen, dann tragen wir auch am Kreuz und Leiden unserer geringsten Schwestern und Brüder mit.

Zum Leben gehören Leiden und Opfer, sowie mein eigenes und das Kreuz meiner Nächsten auf mich zu nehmen, mit dazu. Und ich denke, dass es nicht gut ist, wenn wir uns selbst und auch den anderen das Leiden und Sterben ausreden wollen. Das Kreuz Jesu, liebe Gemeinde, zeigt uns, wie es in der Welt zugeht. Das Kreuz Jesu steht stellvertretend für all die Kreuze, die immer wieder aufgerichtet werden ? für die Geschöpfe Gottes, denen immer wieder Leid zugefügt wird. Gottes Wort der Liebe wird immer wieder mit Füßen getreten. Und seit den Anfängen der Kirche bis in unsere Tage hinein haben viele Menschen, ich kann sie nicht zählen, bewusst und aus freier Entscheidung heraus den Weg des Kreuzes in der Nachfolge Jesu als ihren Lebensweg gewählt.

Bereits der Evangelist Lukas schildert uns in der Apostelgeschichte, wie Paulus bereit war Strapazen, Verfolgung und Leiden, die er für Jesus Christus und der Verkündigung seiner Botschaft, zu ertragen. In den Jahren seiner Haft ließ sich Dietrich Bonhoeffer nicht unterkriegen seinen verzweifelten Mitgefangenen durch die Frohe Botschaft Zuspruch und Trost zu verkündigen. Er war ein Pastor unter den Gefangenen, er baute sich keine fromme Welt neben der gottlosen auf. Nein, er richtete immer wieder Kreuze auf, für die Menschen, denen immer wieder Leid zugefügt wurde, wo das Wort der Liebe wird immer wieder mit Füßen getreten wurde. Und in der Millionenstadt Kalkutta lebte und litt in den Elendsvierteln Mutter Teresa mit den geringsten Schwestern und Brüder.

Alles uns bekannte Menschen, die ihr Leben ganz in den Dienst der Sache Jesu Christi gestellt hatten, um den Anspruch Gottes: der Liebe und Sorge um den Nächsten und um der Wahrheit und Gerechtigkeit wegen, sogar ihr eigenes Leben opferten. Das ist Nachfolge, liebe Gemeinde. Jesu nachzufolgen, kann auch für uns die Folge haben, genau so wie er, um der Wahrheit und der Liebe willen leiden zu müssen. „Denn wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen. Und wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben wegen mir und wegen der Guten Nachricht verliert, wird es retten.“

Im Blick auf Jesus, der durch sein Leiden hindurch in Gottes ewiges Reich aufgenommen wurde, erhalten wir die Zuversicht: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. (Off 21,4) Jesu Ruf in die Nachfolge ist, so denke ich, etwas Einzigartiges. Es ist ein Ruf zum Mitgehen auf seinem Weg. Es ist ein Ruf zur Verwirklichung des Dienstes an meiner geringsten Schwester und meinem geringsten Bruder, genau so, wie Jesus es verkündigt und vorgelebt hat.

Wenn wir in seiner Nachfolge stehen, liebe Gemeinde, dann sind auch wir fähig nicht nur menschlich zu handeln, nein, sondern auch zu leiden und nicht nur zu leben, sondern auch zu sterben. Wer von diesem Lebensgesetz Jesu Christi her Opferbereitschaft und Leidensfähigkeit lernt, der gewinnt Leben für sich und seinen geringsten Nächsten. Das ist der Weg, den Jesus uns anbietet, der zum Leben führt und den wir alle schon ein kleines Stück gegangen sind. Das ist der Weg der Nachfolge. Bestimmt kein bequemer und leichter Weg. Nachfolge, liebe Gemeinde, ist auch ein Abenteuer der Freiheit, ohne ängstliche Absicherung des eigenen Lebens. „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben wegen mir und wegen der Guten Nachricht verliert, wird es retten.“

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