Mobile

<i>[Diese Predigt wurde für den Sonntag Sexagesimae 2004 zur Presbyteriumswahl konzipiert.]</i>Gemeinde ist wie ein Mobile: Viele kleine Teile, die sich gegenseitig im Gleichgewicht halten. Leise bewegen sie sich im Wind und verändern immer wieder ihre Position und bleiben in Bewegung. Wenn ich aber eine Teil wegnehme, ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Die sanfte Bewegung stoppt abrupt, wenn ich einen Teil weg nehme oder unbedacht verschiebe.

Ein schöner Gedanke. Jede Gruppe, jedes Team, jede Gemeinschaft, die Einrichtungen wie Büro oder Kindertagesstätte, aber auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter sind Teil dieses Ganzen. Dieser Gedanke verfolgt mich des Öfteren, wenn ich an die Sparmaßnahmen denke, die unsere Kirche im Moment bedrängen. Da kommt man schnell an den Punkt: ein Gebäude schließen oder eine Person entlassen oder Stunden kürzen. Das sagt sich so einfach. Nur wer sehenden Auges durch die Gemeinde geht, merkt auch schnell, wie durch solche Entscheidungen Dinge ins Rutschen kommen, Gewachsenes kaputt geht, das Mobile aus dem Gleichgewicht geht und unter Umständen nur noch schlaff runterhängt.

Gerade heute, wo wir ein neues Presbyterium wählen, steht mir der Gedanke besonders nah: Dieses neue Presbyterium muss miteinander Entscheidungen treffen, die entscheiden, wie und wo das Mobile verschoben wird. Vielleicht wird es dabei kleiner und weniger imposant, aber es darf nicht aus dem Lot geraten, es muss sichtbar bleiben und den Menschen seine Botschaft zeigen.

Die Anstrengungen des Presbyteriums gehen genau in die Richtung: Versuchen mit den Ressourcen und Möglichkeiten neue Ziele zu definieren ohne das Gewachsene zu zerstören. Da tut die Erinnerung an einen Konflikt vor fast 2000 Jahren und seine Behebung vielleicht gut:

[TEXT]

Es geht in dieser Geschichte nicht einfach nur um Diakonie – die geschieht, aber es läuft da Einiges schief dabei, und das ist eigentlich schon ein Zeichen, dass auch die erste Gemeinde nicht allein vom Heiligen Geist regiert wurde, sondern im selben Maße auch von Menschen, die manches nur relativ wahrnehmen konnten. Streit in der Gemeinde scheint seit 2000 Jahren dazu zu gehören. Zwei Gruppen derselben Gemeinde streiten wie die Kesselflicker um Gleichbehandlung. Das ist so – und wir müssen es wohl akzeptieren. Aber wir können hinschauen wie die Menschen damals mit dem Streit umgehen:

Es wird gemurrt. Es melden sich die zu Wort, die sich ungerecht behandelt fühlen, bzw. deren Vertreter. Auch die Apostel hatten nicht immer das Gespür für das, was falsch gelaufen ist. Aber als Gemeindeleitung (Judenchristen) erkennen sie nachdem sie drauf aufmerksam gemacht wurden das Recht der Heidenchristen (Griechen) an, und sie erkennen, dass es darum geht, dass die verschiedenen Gaben in der Leitung repräsentiert sind. Das Murren wird gehört, nicht unter den Teppich gekehrt. Streit gehört dazu, wenn Gemeinde wachsen soll, aber seine positiven Impulse müssen aufgenommen werden.
Jeder hat seine Brille auf – das ist kein Problem, solange jeder dem anderen sein Recht zugesteht à Wenn viele gucken, wird der Blick panoramafähig.

So funktioniert Gemeindeleitung bis heute. Ein Presbyterium das immer neu versucht hinzuschauen und die Grundlagen von Unstimmigkeiten zu erkennen und dann zu handeln, damit das Mobile mit Namen Gemeinde im Gleichgewicht bleibt. Das geht nicht immer ohne Schmerzen ab. Manchmal muss man auch eingestehen, einen Konflikt nicht richtig erkannt zu haben. Manchmal muss man zugeben, dass man auf dem eine Auge blind war. Das tut weh. Aber erst wer bereit ist, sich selbst einzuordnen kann wirklich leiten. Da muss man schon andauernd dazu lernen.
Offiziell werden in unserer Geschichte neue Mandate verteilt. 7 neue Leitende für ein neues Ministerium ‚Diakonie’. Aber wer genau hinsieht, wird feststellen. Das ist wohl nur eine Etikette. Denn im Gegensatz zu der ‚alten’ Leitung, deren Namen alle hebräischen Ursprungs sind, tauchen hier 7 griechische Namen auf. Die Leitung wird erweitert, damit alle Gruppen gleichrangig vertreten sind.

Erstes Ziel dabei ist, dass das Wort verkündet wird und dass den Armen geholfen wird. Die Balance des Mobiles bleibt in Schwung. Unsere Konflikte sind anders. Manchmal tauchen Schlagworte auf, wie:
· Investition in Gebäude oder in Menschen
· Kirchenasyl gegen geordnete Gottesdienste
· Spiesen oder Elversberg oder Heinitz
· Mehr ‚neue Gottesdienste’
· ………

Nie werden Probleme ohne Schmerzen gelöst werden. Es kann auch sein, dass es in unserer Geschichte nicht still wurde; denn seit die Leitung erkante, dass da noch mehr Bedürftige in der Gemeinde sind, könnte es ja sein, dass die ‚alten’ Bedürftigen jetzt Angst habe zu kurz zu kommen. Aber das muss wohl in Kauf genommen werden, damit allen geholfen wird.

Wichtig ist, dass alle Leitenden definiert werden als Menschen voll Glaubens, Weisheit und Heiligen Geistes. Wenn alle aus einem Geist leben, werden sie sich auch gegenseitig glauben, dass sie dasselbe wollen.

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