Menschen des Vertrauens

Liebe Gemeinde,

was würden wir darum geben, wenn unsere Kinder auch an J.Chr. glauben könnten. Vielleicht würden wir nicht unser Heil in J.Chr. dafür aufgeben wollen, wie es Paulus für Israel tun möchte. Aber es macht uns schon sehr traurig, wenn unsere Kinder Christus nicht vertrauen können. Es macht uns traurig, wenn sie unseren Glauben mit uns nicht teilen können. Es macht uns traurig, dass sie eher die Kirche kritisieren, als nachdrücklicher zu hinterfragen.

Wir beschäftigen uns zu wenig mit den Wurzeln unseres Glaubens. Wir setzen uns zu wenig mit den Traditionen auseinander, die sich in tausenden von Jahren herausgebildet haben. Wir betonen mehr, was uns voneinander unterscheidet, als miteinander verbindet. Unsere Glaube hat an Lebendigkeit verloren, weil wir viele Glaubensaussagen statisch, unverrückbar gemacht haben.

Bekenntnisse unseres Glaubens sind entstanden in schweren Auseinandersetzungen mit Glaubensinhalten, die nicht unsere sind. Neue Zeiten, andere Erkenntnisse der Welt und des Lebens erfordern, neu darüber nachzudenken, wie wir heute J.Chr. in unserer Zeit und Welt bekennen können. Bilder und Vorstellungen vergangener Zeiten, die genau aussagen konnten, was gemeint war, sind heute unverständlich und führen zu unnötigen Streitereien. So z.B. das Bekenntnis, dass Jesus von der Jungfrau Maria geboren wurde. Ein König und Kaiser damaliger Zeit, wurde von den Göttern und nicht von Menschen gezeugt. Heute wird der japanische Kaiser in den Status eines Gottes erhoben, um seine besondere, von allen Menschen einmaligen und unterschiedenen Rolle hervorzuheben.

Wir wollen die Welt immer noch in 7 Wochentagen als entstanden wissen und verlieren das einmalige und großartige Bekenntnis, auf damalige naturwissenschaftliche Erkenntnisse gebaut, zu erkennen.

Christus ist für uns einmalig und von allen Menschen für uns herausgehoben. Sein Vertrauen in Gottes Gegenwart und Nähe lehrt uns, Gott anders und neu zu sehen, als Generationen vor ihm. Er zeigt jene Seite Gottes, die stärker ist, als alle anderen, von uns negativ empfundenen Seiten Gottes. Gott erbarmt sich über uns. Er steht auf unserer Seite. Er hält zu uns. Wir müssen ihn nicht mit unserem eifrigen Glauben, unserer Anständigkeit und guten Moral bestechen. Er liebt uns um unserer selbst willen. Es gibt für seine Liebe keine Bedingung, keinen Vorbehalt.

Das aber bekommen wir offenbar nicht in unseren Schädel hinein. Wir meinen immer noch, uns in irgendeiner Weise Gottes Liebe, seine Hingabe in J.Chr., seinen Frieden und seine Gerechtigkeit verdienen zu müssen. Das geschieht ja zumeist auf dem Hintergrund, dass wir andere für schlechter halten als uns selbst. Halten wir Gott nicht für so naiv, dass wir ihn betuppen könnten. Er richtet uns nicht nach unserer Schuld und Sünde. Er rechnet uns unsere Missetaten nicht zu. Aber nur, weil wir uns auf J.Chr. berufen.

Ich denke, Gott wird einmal Recht sprechen. An seiner Gerechtigkeit und Liebe müssen sich alle Menschen messen lassen. Kein Leid und Unrecht, keine Gewalt und kein Verbrechen wird vor ihm verborgen bleiben. Wir Menschen müssen vor ihm dafür einstehen. Das Urteil über unsere Leben kann dann nur vernichtend sein. Allein einen Ausweg hat er uns geöffnet, die Tür, die J.Chr. ist, wie er es selbst sagt. Wer durch diese Tür hindurchgeht, wird gerettet werden. Wir können uns nicht auf unsere guten Taten, unsere Gerechtigkeit und Liebe berufen, sondern nur allein auf J.Chr. Um seinetwillen sehen wir getröstet unserer Zukunft und unserem Sterben entgegen. In ihm glauben wir, das Leben zu haben.

Wie Jesus in der Bergpredigt deutlich sagt, werden die Menschen die Unrecht und Gewalt erlitten haben, Gerechtigkeit erfahren. Glaube niemand, Gott wird schweigen zu den Verbrechen der Menschen. Wer meint, sich herausreden zu können, irrt. Kein Richter, kein Gerechter, kein Staatsmann, niemand kann Gott an der Nase herumführen.

Das ewige Leben durch unseren auferstandenen Herrn, beginnt immer jetzt, hier und heute und nicht an irgendeinem Sanktnimmerleinstag. Wir kommen nicht alle automatisch in den Himmel, weil wir wer weiß wie lieb sind! Heute, wo wir Jesu Stimme in unserem Leben hören, sollen wir uns für ihn öffnen. Spielen wir dabei die Religionen nicht gegeneinander aus und sagen, ja was sei denn mit denen, die an wer weiß wen glauben. Das ist Gottes Bier und nicht das unsrige. Zerbrechen wir uns nicht Gottes Kopf. Wenn er durch andere Weise den Menschen seine Hand reicht, ist das für uns kein Grund, seine Hand, die er uns durch J.Chr. entgegenstreckt auszuschlagen.

Auch die Kritik an der Kirche oder an die Juden, dem Volk Israel, kann sich sehr schnell als eine Ausrede erweisen, um von Jesus nicht wissen zu wollen. Auch wenn wir Christen noch so viel falsch machen und uns als böse Kinder dieser Welt erweisen, ist das kein Grund, Gott und J.Chr. zu misstrauen. Wenn andere durch uns in ihrem Glauben verunsichert werden, müssen wir uns selbst hinterfragen, auf welchem Weg wir uns gerade befinden.

Paulus ist hier in unserem Text traurig darüber, dass sein Volk, aus dem er kommt, nicht an Christus glaubt. Obwohl Gott sich ihnen in vielfacher Weise in ihrer Geschichte gezeigt hat. Wenn wir in unsere Lebensgeschichte hineinhorchen, werden wir viele Spuren Gottes in unserem Leben entdecken. Vielleicht gewinnt auch manche qualvolle und sinnlose Erfahrung doch einen Sinn. Vielleicht hören wir damit auf, Gott unser Versagen, unsere Schuld und unseren Unglauben in die Schuhe zu schieben. Vielleicht entdecken wir, dass er auch in leidvollen Zeiten uns sehr nahe war. Dass er da Menschen um uns gestellt hatte, die uns festhielten, trösteten, ermutigten und geholfen haben.

Vielleicht ändert sich auch unsere Vorstellung von Gott, dass er kein Groschenautomat ist, in den wir unsere Gebete hineinwerfen und dann muss es so kommen, wie wir es uns vorstellen. Lernen wir zu begreifen, dass er uns in guten und schlechten Tagen begleitet. Wir werden ihm niemals entgleiten können. Er geht uns auch dort noch da, wo wir schon lange und verzweifelt versuchen, uns von ihm abzunabeln.

Ich gestehe Ihnen, mit der Einteilung die einen sind erwählt und die anderen nicht, meine großen Schwierigkeiten zu haben. Ich glaube, Gott hat jeden Menschen durch J.Chr. erwählt. Auch dort, wo andere religiöse Vorstellungen und Glauben zu Hause sind. Gott will uns alle heimführen in sein Haus. Aber er wird es nicht gegen unseren Willen tun. Er wird es auch nicht um unseres irdischen, himmlischen, gesellschaftlichen oder religiösen Verdienstes tun. Er wird es nur um J.Chr. willen tun. Auf ihn wollen wir uns verlassen. In ihm wird er uns die Kraft und den Mut zum Sterben und zum Leben geben.

Gott erbarmt sich über uns um unserer selbst willen. Wir sollen leben, wie Christus lebt. Das beginnt immer schon hier und jetzt in unserem Leben. Es macht uns zu neuen Menschen. Menschen des Vertrauens in die Gegenwart Gottes durch unseren auferstandenen Herrn J.Chr.

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