Mein Haus, mein Auto, mein Rennpferd!

Mein Haus, mein Auto, mein Rennpferd … Erinnern sie sich an diesen Werbespot aus dem Fernsehen? Treffen sich zwei alte Schulfreunde, kommen ins erzählen und fragen: Na, was ist aus dir geworden? Holt der eine Fotos aus der Tasche und zeigt, Haus, Kind, Auto und ist dabei mächtig stolz. Der andere lässt sich nicht lange bitten und kontert mit seinen Fotos: Haus, Auto, Rennpferd. So muss es sein, etwas vorweisen können. Zeigen was man hat. Wie überflüssig denken Sie? Oder, darauf kommt es nicht an? Aber mal Hand aufs Herz. Vielleicht nicht so extrem, aber doch wenigstens ein bisschen wollen wir alle mit Stolz vorweisen, was wir sind und haben. Ein schönes und gepflegtes zuhause, unsere Familie, Fotos von den Kindern, den Enkeln, auch das neue Auto. Und wir erzählen auch gern vom schönen Urlaub, oder einem beruflichen Erfolg. Und warum sollen wir uns nicht auch mal selbst loben, wenn uns etwas gut gelungen ist. Vielleicht verbirgt dieses Thema eine Generationenfrage? Während der älteren Generation das sich selbst hervorheben eher schwer fällt, weil Bescheidenheit als große Tugend galt, haben jüngere Menschen, damit kein Problem. Sie wachsen damit auf, dass man was ist, wenn man was hat. Geld, Aufmerksamkeit, Talent. He guckt mal ich hab das neue Handy, die neue Klamotten ich gehör dazu. Man muss sich gut verkaufen können, so tun als ob. Ein bisschen Angeben, warum nicht. Aber, war das früher so anders? Gut da gab es noch keine Handys aber ne schicke Isetta, oder den ersten Käfer, die erste Urlaubsreise nach Italien. Ein bisschen prahlen und angeben hat es immer gegeben, außer in den schlechten und schweren Zeiten, denn da hatte man wirklich andere Sorgen.

Ganz so hart sind die Zeiten, in denen wir gerade Leben noch nicht, aber wir spüren, dass sich etwas verändert und die Bescheidenheit an Konjunktur gewinnt, denn der Rubel rollt nicht mehr so schnell wie noch vor 10 Jahren. Es wird auch mal nein gesagt, aus zwei oder drei Urlauben wird einer und in manchen Familien ist selbst das ein Luxus, denn es gibt in allem Überfluss auch unter uns Menschen, die wenig, zu wenig haben. Und auch wenn man aus Prinzip eine andere Haltung hat, wer möchte schon, dass das eigene Kind zum Außenseiter wird?

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott, durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Frieden mit Gott, Bedrängnis und Geduld, Gottes Liebe und ein sich rühmen das mit Haus, Autos und Pferden überhaupt nichts mehr zu tun hat. Paulus schreibt von seiner Erfahrung mit dem Glauben. Er schreibt aus seiner Erfahrung, dass das Leben kein Spaziergang ist, sondern ein härten Treffen können. Er schreibt, das der Glaube für ihn Lebenswichtig ist und er schreibt, das der Glaube mit dazu beiträgt, dass er es schwer hat. Würde er sich weniger für seinen Glauben an Jesus, den der für uns gestorben ist und auferstand, engagieren, er hätte es leichter. Er hätte einen bequemeren Weg wählen können, aber er hat sich anders entschieden, weil er glaubt, was er sagt. Bedrängnis führt zu Geduld, Geduld bringt Bewährung und Bewährung aber Hoffnung. Für (euch) Jugendliche, unsere Konfirmanden klingt das vielleicht wie die Lebensweisheiten von Eltern, Großeltern und Lehrern, die immer mal wieder über einen hereinbrechen. Und meist geht es dann darum, dass sie (ihr) auch mal Erfahrungen machen werdet – und gemeint sind dann meist die unangenehmen Erfahrungen – nach denen man erkennt, wie gut es einem doch geht. Erwachsene wollen Jüngeren etwas mitgeben, manchmal auch von allen Schwierigkeiten fern halten, damit sie es besser haben, als man selbst. Und dann geht es auch darum Wissen weiterzugeben, damit andere es leichter haben oder von Erfahrungen zu erzählen, damit man etwas davon lernen kann und sich nicht alle Fehler wiederholen müssen. Wie man ein Fahrrad repariert, ein Mittagessen kocht, Ordnung hält, aber auch wie geht das mit dem traurig sein, wenn man verlassen wurde? Was sagt man, wenn jemand schwer krank ist? Wie kann ich etwas tun, wenn ich erkenne, dass da etwas Ungerecht ist? Und wie kann man überhaupt weiterleben, wenn man denkt, dass alles hoffnungslos, festgefahren und frustrierend ist? Wie kann man die Hoffnung wieder finden, oder überhaupt für sich entdecken? Was trägt mich, wo finde ich Schutz, Halt, ein offenes Ohr, wenn ich etwas getan habe, was mir schwer auf der Seele liegt, mich belastet. Und wo ist der Ort, an dem ich so sein kann wie ich möchte, ohne das ich so tun muss als hätte ich – im übertragenen Sinne – auch ein Haus ein Auto und ein Rennpferd? Ja und das mit dem Glauben, das ist auch so eine Sache, was bringt das eigentlich und was ist das ganz genau?

Wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Wie kann ich das vermitteln, ohne von eigenen Erfahrungen zu sprechen, wie kann ich versuchen diese Lebenserfahrung, diese Erfahrung mit dem Glauben so lebendig werden zu lassen, dass sie verständlich wird? Es geht nur über das weitererzählen, durch das Erzählen eigener Erlebnisse und Erfahrungen. Doch auch das Wissen wir, manches wird erst dann richtig verstanden, wenn wir es selbst erlebt und gespürt haben, was das ist Bedrängnis. Und was Geduld bedeutet.
Die Passionszeit ist die Zeit darüber nach zu denken, wo und wie Menschen Leid erleben , Warum eigentlich? Weil es die Zeit ist, in der wir uns an Jesus erinnern. An die letzten Wochen seines Lebens, an die Zeit, in der er wusste, dass er sterben wird. An die Zeit, in der Gott auf diese Weise, dem Leiden und all dem was so sinnlos ist in dieser Welt einen neuen Sinn gegeben hat. Und so können wir, um zu verstehen, was das bedeutet von anderen lernen, die erleben was das heißt Bedrängnis. Auf diese Weise können wir einfühlsam werden für die Bedrängnis, die Fragen und die Probleme anderer. Im Nordosten Brasiliens, am Rande einer staubigen Strasse, haben sich Landarbeiter mit ihren Familien Hütten aufgebaut. Land besitzen sie keins, sie haben auch kein Geld, um sich Land zu kaufen und werden in ihrem Leben auch nie so viel Geld verdienen können. Doch sie wollen arbeiten, um sich und ihre Familien zu ernähren. Das Land dehnt sich auf beiden Seiten der Straße aus, soweit das Auge reicht. Es liegt einfach so da, unbebaut und unbepflanzt. Es gehört ihnen nicht, deshalb dürfen sie es nicht bebauen. Am Rand der Straße halten sie in ihrem Lager aus. Sie wollen erreichen, dass man ihnen ein Stück des Landes zur Bewirtschaftung überlässt. Der Kampf ist hart. Die Anfeindungen sind groß. Die Unterstützung ist noch zaghaft. Als der Priester aus der nahe gelegenen Ortschaft sie besucht, führen sie ihn zu einem großen Holzkreuz am Straßenrand, genau in der Mitte des Lagers. Ein junger Mann sagt: „Hier versammeln wir uns jeden Tag um fünf Uhr nachmittags. Wir halten Andacht und treffen gemeinsam alle Entscheidungen. Das Kreuz ist das Kreuz von uns allen – obwohl es sich leichter trägt als das Leben. Sie sehen, dass es von verschiedenen Latten gestützt wird. Jede Latte trägt einen Namen – den Namen derjenigen, die uns unterstützen und helfen, das Kreuz zu tragen.“

Mitten im Kampf um Leben um Überleben wachsen dem Kreuz Stützen der Hoffnung. Im Aushalten. Im Widerstehen. In der Bewährung. Stützen der Hoffnung, die sich an das aufgerichtete Kreuz anlehnen, die ihm Halt geben und selber an ihm Halt finden. Es ist das Kreuz, der Menschen, die in dieser Welt verzweifelt sind, weil sie nicht wissen wie ihr Leben überhaupt weitergehen kann. Und es ist das Kreuz des Einen, der den Frieden und die Gerechtigkeit Gottes bringt.

Paulus beschreibt einen Weg. Einen Weg, der es möglich macht aus Traurigkeit, aus Angst, aus Unsicherheit, aus Perspektivlosigkeit, wieder zu Hoffnung, zu Lebensmut und Lebenslust zurückzufinden. Es ist ein Weg, auf dem wir Menschen und uns selbst begegnen, ein Weg in dem es nicht zuerst um Haus, Auto und Rennpferd geht, sondern um mehr. Es ist ein Weg, den wir wagen können, in dem wir zuhören auf das, was uns in diesen Wochen die biblischen Texte erzählen wollen. Und in dem wir darüber nachdenken, es in unserem Leben wirken lassen. Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott, durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen,
und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen. Durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.

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