Mannschaftsspiel

Liebe Gemeinde,

die Fußballeuropameisterschaft ist voll im Gange. Die Vorrunde läuft. Es hat sich gezeigt, dass alle Mannschaften hervorragende Einzelspieler haben. Fußball ist inzwischen ein internationales Geschäft und jede Mannschaft hat Spieler, die in einer der großen Ligen in Europa spielen. Umso wichtiger wird die Vorbereitung der einzelnen Mannschaften und der Trainer. Es kommt darauf an aus den vielen großen Einzelspielern eine Mannschaft zu formen. Am Ende entscheidet wesentlich über den Erfolg: die mannschaftliche Geschlossenheit. Wie die Einzelspieler sich verstehen, die Pässe ankommen und die Kombinationen gelingen, das führt zum Weiterkommen oder ausscheiden.

Um im Bild des Fußballspiels zu bleiben geht es auch in unserem heutigen Predigttext um mannschaftliche Geschlossenheit und Zusammenspiel unter Christinnen und Christen. Ich lese aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus 2,17-22:

[TEXT]

Das Bild, das unser Predigttext verwendet stammt nicht aus dem Fußball sondern aus der Bauwirtschaft. Die ersten christlichen Gemeinden mussten aus sehr verschiedenen Einzelpersonen mit verschiedener sozialer Herkunft, Freie und Sklaven, Männer und Frauen, reiche und Arme Menschen aus dem Osten oder dem Westen, eine Gemeinschaft bilden. Das war eine im römischen Reich nie versuchtes Unternehmen. Die meisten anderen Religionsgemeinschaften, waren entweder für Männer oder für Frauen, entweder für Sklaven oder für Freie, entweder für Reiche oder für Arme, oder jeweils nur für Mitglieder einer bestimmten Volksgruppe. Eine universale Religion für alle, das war eine unglaubliche Herausforderung. Und deshalb wird in den Briefen der ersten Christen viel darüber geredet wie diese Herausforderung bewältigt werden kann. Hier wird die Herstellung der Gemeinschaft der Kirche verglichen mit dem Tempelbau. Christus ist der Eckstein, auf den es ankommt. Die Apostel und Profeten bilden die Grundmauern, und alle Menschen, die hinzu kommen bilden Steine, die notwendig zur Vollendung des Gebäudes sind. So entsteht der Tempel Gottes hier auf der Erde. Dieser Tempel ist dann kein Tempel aus toten Steinen. Er ist ein Tempel aus lebendigen Steinen, den Menschen, die sich zum christlichen Glauben bekennen und die christliche Gemeinde bilden. Diese Menschen sind gerade in ihrer Unterschiedlichkeit wichtig. Alle gehören dazu. In diesem Tempel finden alle zu Gott. Die bisher weit von Gott entfernt waren und die als Jüdinnen und Juden Gott schon immer nahe waren. Alle kommen zu Gott und sie sind bei Gott gleich wichtig.

Auch diese Botschaft ist in der antiken Welt etwas Neues. Das Christentum ist ja aus dem Judentum hervor gegangen. Und das Judentum war in der antiken Welt eine attraktive Religion auch für Menschen, die nicht aus Judäa oder Galiläa stammten und deren Mütter keine Jüdinnen waren. Um die jüdischen Synagogen, die sich über die großen Städte des römischen Reiches verteilten, sammelten sich sogenannte Gottesfürchtige. Menschen, die an einen allgemeinen Gott für alle glauben wollten, und die vielen regionalen Gottheiten ablehnten. Das waren philosophisch interessierte gebildete Personen oder Menschen, die eine Gemeinschaft suchten, die überall zusammen hielt. Unter diesen Leuten missionierte Paulus und die anderen Apostel. Viele davon übernahmen den christlichen Glauben, weil sie nun vollgültige Mitglieder werden konnten. Bei den jüdischen Gemeinden waren sie immer am Rand geblieben. Der Übertritt zum Judentum war schwierig. Die Männer mussten sich beschneiden lassen. Das konnte man bei den öffentlichen Sportveranstaltungen, wo die Wettbewerbe nackt ausgetragen wurden sehen, und das war peinlich. In der christlichen Gemeinde also wurden auch Nichtjuden gleichberechtigte Mitglieder mit dem gleichen Zugang zu Gott.

Nach dem Evangelium von Jesus Christus soll Frieden herrschen, Frieden für die fernen und Frieden für die Nahen.

Mannschaftliche Geschlossenheit und gutes Zusammenspiel zwischen den ach so verschiedenen Menschen, die in der christlichen Gemeinde zusammen finden.
Sie können sich vorstellen, dass das damals genauso wenig funktioniert hat wie heute. In den Gemeinden, die Paulus und seine Schüler gegründet haben, gab es jede Menge Ärger, Krach und Auseinandersetzungen. Und auch zwischen den von Paulus gegründeten Gemeinden überall im römischen Reich und der Urgemeinde in Jerusalem war das Verhältnis nicht gerade spannungsarm. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb erhält der Verfasser des Epheserbriefes den Anspruch aufrecht, dass Frieden sein soll zwischen den nahen und fernen und zwischen Gott und den Menschen.

Wie können wir also heute in einer Kirche, in der es viele Auseinandersetzungen gibt, zum Frieden beitragen? Wie können wir ein gutes Zusammenspiel und mannschaftliche Geschlossenheit zeigen? Vielleicht ist der Schlüsselsatz dazu der letzte Satz unseres Predigttextes: Durch ihn ( d.h. durch den Zugang zu Gott) werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Gutes Zusammenspiel erreichen wir durch eine bestimmte innere Haltung. Wir als einzelne Menschen können zur Wohnung Gottes werden. In uns kann der heilige Geist wohnen. Durch den Zugang zu Gott, den Jesus Christus geschaffen hat, werden wir zu Personen aufgebaut, in denen Gott wirkt. Wir beginnen Dinge zu denken und zu tun, die etwas dazu beitragen, dass Gott hier auf der Erde gegenwärtig ist. Und dann werden wir offen für das Zusammenwirken mit anderen. Das ist heute so schwierig wie zu Zeiten des Epheserbriefes. Aber wir können es schaffen, wenn wir uns für Gottes Gegenwart öffnen und im Gebet auch immer wieder unsere eigene Haltung überprüfen. Ich kann mich fragen: Bin ich jetzt zu rechthaberisch? Wie könnte das Problem aus der Perspektive des anderen aussehen? Habe ich genau genug zugehört? Wo gibt es noch einen Weg, wo wir uns treffen können? Das schließt Streit nicht aus. Sicher streiten wir in der Kirche miteinander, das finde ich auch nach wie vor wichtig. Und nur wo es um nichts mehr geht, und alles tot ist, gibt es auch keinen Streit mehr. Denn dann findet es niemand wichtig genug, um sich auseinander zu setzen und man zieht sich frustriert zurück. Aber wichtig ist es, nicht im Streit zu verharren, sondern Wege heraus zu suchen. Und zuerst einmal auf das zu schauen, was uns verbindet und das was uns trennt auch einmal hintan zu stellen.

Wie kann das praktisch aussehen? Normalerweise neigen wir als Menschen dazu, uns und unsere Bereiche abzuschotten. Wenn man beim Sängerbund Eintracht singt, dann hält man Abstand zur Treue und zum Glückauf und umgekehrt. Man schützt sein eigenes Milieu, man will ja nicht so gerne Sänger an die anderen verlieren. Genauso ist das zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Aber allen Beteiligten wird langsam klar, dass man ja für etwas Gemeinsames einsteht. Für den Chorgesang oder eben für den christlichen Glauben, also haben wir jetzt sowohl ökumenische Gottesdienste als auch gemeinsame Konzerte der Chöre. Und wie wirkt sich diese Haltung dann aus?

Ein paar einfache Beispiele: Bei seinem letzten Kirchenvorstandstag hat sich der Kirchenvorstand Gedanken darüber gemacht, wie wir hier im Ort das Miteinander mit den verschiedenen Ortsvereinen verbessern können. Das Verhältnis mit der katholischen Kirchengemeinde und der Kommune ist ja inzwischen schon ziemlich gut. Wir wollen als evangelische Kirchengemeinde verstärkt auf die anderen zugehen. Aber auch innerhalb der Kirchengemeinde ist es wichtig die Verbindungen zu stärken. Tanja Wolf organisiert ein Fest, wo die alten Konfirmanden die neuen einladen, damit auch die Jugendlichen der verschiedenen Jahrgänge mehr Verbindung miteinander bekommen. Und nicht zuletzt wollen wir die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und im Dekanat stärken. Wir freuen uns, dass wir den Dekanatschor hier heute in Messel zu Gast haben. Wenn Ihnen der Gesang gefällt, bekommen Sie vielleicht Lust mitzusingen. Oder Sie kennen jemand, der vielleicht mitsingen würde, erzählen Sie es weiter. Neue Sängerinnen und Sänger im Dekanatschor sind willkommen, und es würde die Verbindungen im Dekanat stärken. Die Telefonnummer des Chorleiters Ulrich Kuhn finden Sie in der Brücke auf S. 19. Wenn Sie die zu Hause nicht mehr haben, können Sie ein Exemplar im Turm mitnehmen.

Wir in der Kirche können uns gegenseitig stärken und ermutigen, das finde ich sehr wichtig. Und mit etwas Respekt vor der Haltung des oder der anderen kommen wir der mannschaftlichen Geschlossenheit und dem guten Zusammenspiel näher. Und dann so verspricht unser Predigttext werden wir alle zusammen und jeder und jede einzeln zu einem Ort werden, in dem Gott wohnt. Und Gottes Kraft und Gottes Geist werden von uns ausgehen. Das wünsche ich uns allen.

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