Manche Narretei tut gut

<i>[Anmerkung: Die Predigt nimmt zwei Gedanken aus einer Predigthilfe von Pfrin. Claudia Wieland, Schnaitsee auf. Den Kanzelsegen hat Pfr. Mag. Siegfried Kolck – Thudt, Amstetten / Österreich in Reime gefasst.]</i>

Liebe Brüder, liebe Schwestern,
ist die Kirche etwa von gestern!?

Alle Welt tobt, tanzt und lacht,
Narren tummeln sich auf Straßen
ein Korken nach dem andern kracht
doch wir hier können es nicht lassen:
Tod und Teufel, Pein und Leid
beschäftigen uns zur Narrenzeit!

Vielleicht sind ja alle Narren,
die sich um dieses Kreuz hier scharen.
Aber eines ist uns wohl klar
des Herren Wort halten wir für wahr:

Was hülfe es uns Menschen denn,
was hülfe es dir selber, wenn
die ganze Welt dir jetzt gehörte
und deine Seele doch zerstörte?

Weil du dein Leben drauf gericht‘
was jeden Menschen schnell anficht‘,
nämlich die Maske, unter die du schlüpfst
vermeintlich leicht durchs Leben hüpfst
als sei es Friede; Freude, Eierkuchen.
Gott hat da nicht viel zu suchen!

Doch merk dir eins: es wird so sein,
dass unter allem diesem Schein
Gott’s Herrlichkeit wird schwer durchdringen,
um dir die Seligkeit zu bringen.

Mit solchem Wahn auch Petrus wehrte
damals schon ab, was ihn so störte:
Dass nun, bei vollem Lebensdurst,
der Herr vom Sterben reden musst!
Die Herrlichkeit kann doch nicht sein
der Tod, das Leiden und die Pein!

Doch Jesus trieb ihn fort alsdann:
„Geh weg du menschlicher Satan!
Natürlich muss ich überwinden
um dich vom dem so loszubinden,
was dich und alle Menschheit
kann hindern an der Fröhlichkeit.“

Und weiter könnt der Herr nun sagen
wenn wir uns auch bei ihm beklagen:
Ich mach von aller Sorg’ euch frei,
ob euer Leben sicher sei.
Doch das geschieht – es ist Gott’s Will‘
erst wenn ich durchdringe auch die Höll‘.
Also lasst mich ziehn und freuet euch,
esst und trinkt nur voll die Bäuch‘,
habt Lust am Leben und der Freude,
es gibt wirklich nur dies eine Heute,
nehmt Teil an dem, was ihr nennt all‘
den Fasching oder Karneval.

Doch denkt daran, das alles könnt ihr nur
weil ich, der Herr, dies hab getan,
und damit schuf den Zusammenhang
zu dem, was heißt simpel und pur:
„Carne vale!“ – „Fleisch ade!“
also: das Fasten tut jetzt weh.
Das hat denn Sinn, dass wir bedenken
in welche Bahnen wir nun lenken
unsern Lebenswandel, und so wissen,
warum wir nennen uns die Christen.

Christus sprach damals zum Volke
– es ist nicht verpufft, wie eine Wolke –
er sagt auch dir, was er verlangt,
damit die Jüngerschaft wird erlangt.

Es heißt sehr schwer und unverständlich:
Verleugne dich! Das Kreuz schlepp rum!
Folge mir nach! Sei nicht so dumm,
wenn du ein Leben willst haben ewiglich.

Wie soll das nun herrlich klingen?
Ich will versuchen, es euch beizubringen:

Sich verleugnen in einer Welt,
welche die Selbstfindung so hoch stellt,
das ist wahrlich ein Problem,
wenn ich nur mich allein will sehn.

Doch du bist nicht allein gemeint,
und „verleugnen“ heißt hier nicht:
Stell unter den Scheffel dein Licht!
Sondern: dein Wesen nur dann erscheint
wenn du das alles, was du tust
im Licht des Herrn denkst und suchst.

Gott gibt dir ganz schön viele Gaben.
Sollst dich selbst und andre laben
an dem, was dir zuteil geworden.
Doch immer so, dass du erkennst,
es gibt auch andere, die mit Ernst,
Prinzipien und mit hohen Orden,
diese Welt können gestalten
und Gottes Schöpfung wohl erhalten.

Denk nicht nur an dich und was du hast,
sonst fällst du dir nur selbst zur Last.

Verleugne dich! – also: Lass los!
denn so eröffnest du dir bloß
den Blick für diese schöne Sache,
dass, wer los lässt und sich aufmache
zu verlassen seinen Sinn –
Richtung: zu demjenigen hin,
der gesagt hat: Folge mir! –
der wird hören: Ich bin bei dir!

So wirkt dein Leben in dir fort
egal ob du an dunklem Ort,
oder mit Freude und viel Lust
dein täglich Werk verrichten musst.

Ans Verleugnen ist gebunden
was wir in manchen schweren Stunden,
wenn die Kräfte nicht ausreichen,
mit „sein Kreuz tragen“ bezeichnen.

Wir befürchten zu erschlaffen
weil ganz weit auseinander klaffen
unsere Kraft und unsere Last.
Wir klagen dann: O Gott du hast
mich hier wohl ganz vergessen!?
Was hätt‘ ich denn noch mehr tun sollen
als gut zu planen, viel zu wollen
für die Sicherheit im Leben,
bei ‘nem Unfall, in der Not?!
Ach wäre ich doch nur gleich tot!
Ach hät‘, ach würd‘, ach könnt‘ ich doch…!
Was muss.. , was kann… was soll ich noch?!

Nun kannst du ‘was, du lieber Christ,
wenn du im Namen Jesu leben willst:
denk daran in guten Zeiten,
dass du nie alles kannst so vorbereiten,
wie und was das Leben bringt,
dass es dich immer auf Wolke sieben schwingt.

Sieh das Kreuz an – jederzeit
und sei auch für Manches im Leben bereit,
was du nur in Gottes Hand kannst legen
damit du weiter gehst auf deinen Wegen.

Dafür muss du dann verleugnen dich
und dem Herren sagen: „Trage mich!
Mein Kreuz ist mir zu schwer!
Wenn du es nicht abnimmst? Wer dann? Wer??“

So kannst du dann wieder fröhlich werden
und Lust zum Leben finden hier auf Erden.

Es ist dann klar, es gehört dazu,
dass manche Narretei tut gut.
Wenn wir uns nur drauf besinnen
dass jedes Mal wir dürfen neu beginnen.

Ihr seht, Brüder und Schwestern,
die Kirche ist nicht von gestern.
Sie denkt zurück und blickt voraus.
Sie sieht überhaupt und nie „alt“ aus.

Nichts gegen all die Narretei!
Doch bliebe es allein dabei,
so hätt‘ der Herr umsonst gerungen
und selbst die Hölle auch durchdrungen.

Wir hätten bloß die Welt gewonnen,
doch unsre Seele wär‘ zerronnen.

Carne vale! Fleisch ade!
Wir feiern: „Alaaf!“, „Hellau!“, „Juchhe!“
Doch wissen wir: es kann nur sein
weil Jesus Christus trägt die Pein.

Und der Friede unseres Herren Christ,
der um so viel höher ist,
als alles, was wir tun und denken,
er möge unser Leben lenken,
dass überall und allezeit
wir preisen seine Herrlichkeit.

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