Märchen oder Wirklichkeit?

Liebe Gemeinde,

Harry Potter, zwei Worte – sie nicht zu kennen – bringt Sie oder mich in den Verruf eine Bildungslücke zu pflegen. Nur zögerlich bekenne ich mich dazu: Ich habe noch keinen Band gelesen, aber selbstbeteuernd füge ich gerne hinzu: den Film, den habe ich gesehen. Harry Potter auf Erfolgskurs seine Verkaufszahlen nehmen Verfolgung auf mit den bis jetzt einmaligen Verkaufszahlen der Bibel in aller Welt. Aber es geht ja noch weiter: Unter Harry Potter Zaubertrunk.de lässt sich der Wissensdurst auf mehr löschen. Unter Harry Potter Denkarium.de werden die Gehirnzellen angeregt sich auf die Gedankenwelt von Harry Potter einzulassen. Unter Harry Potter Zauberministerium.de greift Harry Potter von seiner Wirklichkeit verspielt in die Wirklichkeit unserer Wörterwelt. Das Phänomen Harry Potter regt kluge Köpfe an, sich diesem Phänomen mit sachlich wissenschaftlichen Argumenten zu nähern. Harry Potter Phantasie, die gekonnt sich mit der Wirklichkeit unseres Lebens verwebt – vermarktet wird, so weit bis sich die Fragen in den Köpfen bilden Ist da nicht doch etwas wahres dran? Gibt es ihn vielleicht wirklich? Hat sich das wirklich nur ein Mensch, J.K. Rowling, in Edingburgh alles ausgedacht.

Fragen über Fragen – Sehnsüchte über Sehnsüchte – Faszination über Faszination: Was ist aber wenn der Gruppenrausch verebbt? Wenn ehemalige Mittelpunkte des gesellschaftlichen Lebens drohen an den Rand gedrängt zu werden durch die einfache Methode des Vergessens? Wenn eine Phase ihre Phase hatte? Diesen Fragen sahen sich die Verfasser des Petrusbriefes gegenübergestellt. Die Augenzeugen starben und mit ihnen die Erinnerung aus erster Hand. Genau andersherum als bei Harry Potter, der sich von der Phantasie in die Wirklichkeit vorarbeitet, fragten sich nun Christinnen und Christen: War das wirklichlich wahr mit Christus? Wieso kam er nicht wieder auf die Erde wie versprochen? Obliegen wir einer Idee, einer Phantasie? Ist es ein Märchen: die Geschichte über Jesus, die von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Der Augenzeuge Petrus antwortet auf all die Fragen wie in einer Art Testament an die Nachwelt im Petrusbrief:

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Märchen oder Wirklichkeit!! Mythos oder Geschichte!! Das sind hier die Fragen!!

Der Autor des Petrusbriefes sagt ganz klar: kein Märchen, sondern Wirklichkeit. Kein Mythos, sondern erlebte Geschichte. Und hierfür nennt er drei Argumente:

1. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Er gibt damit die historische Kunde in testamentarischer Gültigkeit von einer Generation an die nächste weiter.

2. Ich habe die Stimme Gottes auf dem heiligen Berg gehört, als er zu Jesus sagte: "Du bist mein geliebter Sohn." Diese Worte erinnern an die Taufe Jesu. Jesus ist es. Er ist der Sohn, der sich von der Stimme des göttlichen Vaters bestimmen lässt.

3. Das prophetische Wort wurde erfüllt. Er ist der, der vorher in den Schriften verheißen wurde. Aber er, nennen wir ihn weiterhin Petrus, gibt der nachfolgenden Generation einen Wunsch mit auf den Weg: Ich wünsche mir, dass ihr Euch an dieses Licht in der Dunkelheit haltet, solange bis es überall aufgeht.

Mir fällt Kaptain Blaubär ein, wie er seinen Neffen Geschichten aus seiner Vergangenheit erzählt. Wie sie ihr Ohr seiner Stimme neigen und den phantastischen Erlebnissen lauschen. Mit einem Lächeln hinter den Augen, schmunseln die Neffen, vermeintlich wissend, dass es sich um Seemannsgarn handelt. Aber dann ist doch irgendwie alles immer mal wieder anders!

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, das ich so traurig bin. Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn. So dichtete Heinrich Heine über eine Frau mit Namen Loreley, die seine Sinne nicht mehr los liess.

Hinter Kaptain Blaubär und Petrus steckt für mich die Frage: Was hat Bedeutung für mich / für mein Leben? Was hat so viel Bedeutung, dass ich es meinen Neffen, meinen Kindern, der nächsten Generation weitergebe! Das ich mich dafür einsetze, dass eine Gemeinschaft von Menschen diesen Gedanken weiterhin als ihren Gedanken weitertradiert.

Oder noch einen kleinen Schritt weitergedacht: Welches Deutungsschema habe ich für mein Leben? Und warum tue ich es? Warum denke ich, dass Ideen, Geschichte aus uralter Zeit Auswirkungen auf die Zukunft haben? Warum lasse ich der Jugend nicht ihren unbeschwerten Zukunftsoptimismus und belaste sie mit alten Kamellen?

So wie es zwar eine alte Legende war über die schöne Loreley, so liess der gleichnamige Fels immer wieder auf´s neue Schiffe untergehen. So wie es alte längst geschriebene, zichmal gelesene Bücher sind über Winnetou, Old Shetterhand, über Robinson Cruso, Freitag, Faust und die Physiker, so bringen sie mich noch heute ins Nachdenken.

So wie es in jeder Familie – Sätze der Weisheit gibt, die bei gegebener Situation angesprochene jüngere Familienmitglieder in Wallungen versetzen, so sind es doch diese Sätze, über deren Richtigkeit gealterte Jugendliche nachdenken. Sie sogar – über sich selbst peinlich berührt – an ihre Kinder weitergeben.

Märchen oder Wirklichkeit! Mythos oder Geschichte! Welches Deutungsschema habe ich für mein Leben? Bei meiner Mutter zu Hause hängt ein Spruch, der so ungefähr lautet: Der hat das größte vollbracht, der die meisten Menschen hat glücklich gemacht.

Petrus ist sich sicher, dass er den kennengelernt hat, der das größte vollbracht hat: Jesus Christus. Er gibt auch uns deshalb über 80 Generationen hinweg den Zuspruch und Wunsch mit auf den Weg, dass wir dieses Licht des Glücklichen, trotz aller Finsternis in uns scheinen lassen sollen als Morgenstern. Das ist sein Deutungsmuster für uns, so von Onkel zu Ururururururururururuneffe. Was wir darüber schmunzeln, lächeln, es als Seemannsgarn ablegen, dass liegt nicht allein in unserer Hand, denn der von dem Petrus als dem Licht spricht, leuchtet auch heute für dich und für dich. Das ist die christliche Waffe gegen die Dunkelheit in der Welt.

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