Licht für Dornröschen

Liebe Gemeinde!

Sie kennen das Märchen vom Dornröschen, dem ersehnten Wunschkind der Königin und des Königs. Lange hatte das Paar auf ein Kind gewartet, fast war schon die Hoffnung verloren. Als es endlich geboren war, wunderschön und vollkommen, feierte das königliche Paar ein großes Fest. Alle waren eingeladen, Nachbarn, Freunde und Verwandte. Besonders aber die weisen Frauen des Landes, es waren 13 an der Zahl. Sie erinnern sich? Im Palast gab es aber nur 12 goldene Teller ? man beschloss, eine der Feen nicht einzuladen. Es wurde ein großartiges Fest. Man feierte und tanzte und sang. Und am Ende standen die 12 Feen auf und brachten dem Kind ihre Wundergaben: Sie schenkten ihm Tugend und Schönheit, Reichtum und Glück. Doch nach der elften Fee trat plötzlich die dreizehnte, die nicht geladene, vor das Kind und schenkte ihm ……. einen frühen Tod im Alter von 15 Jahren durch eine Spindel. Die letzte Fee konnte dieses Geschenk nicht rückgängig machen, sie konnte es nur mildern: Hundert Jahre lang sollte das Kind in einen tiefen Schlaf fallen. Dieses Märchen, liebe Gemeinde, soll uns durch die Predigt führen und uns den Predigttext nahe bringen. Im 2. Petrusbrief steht er aufgeschrieben und es geht hier um Weissagungen, die das Leben begleiten wie die Geschenke der Feen. Es geht um prophetische Worte, Worte, die die Zukunft kennen. Ich lese aus dem 2. Petrus im 1. Kapitel:

[TEXT]

Wir haben das prophetische Wort, sagt der 2. Petrus. Er spricht von der Wiederkunft Christi. Christus kommt ganz bestimmt ? das hat er gesagt, so steht es in den Schriften, er ist noch nicht fertig mit der Welt, er kommt, und wird alles richten, alles gut machen, bei uns wohnen ? das ist die Hoffnung des 2. Petrus, das ist für ihn, der in einer Zeit lebt, wo Christen bedrängt und verfolgt werden, wie ein Licht an einem dunklen Ort. Und er ist ganz sicher: Wenn Christus kommt, dann ist es als wenn nach langer, schwerer Nacht der Tag kommt ? der Morgenstern geht in unseren Herzen auf, wir werden sehr froh sein und endlich befreit. Die kleine Königstochter bekam eine ganze Menge prophetischer Worte mit auf den Weg. Alle sagten sie ihr Glück und Freude voraus. Alle, bis auf das eine. Wie im richtigen Leben vertraute auch der König mehr auf die eigene Kraft als auf die Macht der Worte. Er ließ alle Spindeln im Reich verbrennen. Er glaubte, er könne dem Unheil wehren. Er glaubte, er könne das Gute nehmen, und das Böse verhindern. Das Kind erhielt alle Gaben, die ihm die Frauen gaben: Es war freundlich und klug, schön und verständig ? jeder im Reich gewann es lieb. Aber über seinem Kopf schwebte die Gefahr, das böse Wort der bösen Fee.

An Ihrem und meinem Bettchen, liebe Gemeinde, haben keine Feen gestanden. Es gab ja wohl auch keine goldenen Tellerchen, also keinen Grund, bei irgendwem in Ungnade zu fallen. Es gibt – Gott sei Dank? – auch keine so konkreten Weissagungen über unserem Leben. Vielleicht haben sich unsere Eltern Gedanken gemacht: Was wird wohl aus dem Kind werden? Wie wird es ihm ergehen? Und viele haben sich vorgenommen: Mein Kind soll es einmal besser haben! Und ich glaube, den meisten von uns ist es tatsächlich besser ergangen als unseren Eltern. Aber wir sind getauft, und das vergessen wir häufig: Am Beginn unseres Leben steht Gottes Wort: Du bist mein Kind, ich hab dich lieb, was immer auch geschieht. Ich werde immer für dich da sein. Eine Weissagung ist das: Es bedeutet: Wir können gar nicht aus Gottes Gnade herausfallen, was immer auch geschieht, und selbst wenn es das schlimmste wäre, lässt Gott uns doch nicht fallen.

Auch Dornröschen blieb trotz allem nicht bewahrt. An seinem 15. Geburtstag streifte es, neugierig und offenherzig wie es war, durch den Palast. Es öffnete jede Tür, so auch jene, die es nicht hätte öffnen sollen. In einem Turmzimmer saß eine alte Frau und spann. Das hatte Dornröschen noch nie gesehen ? wie denn auch? Alle Spindeln waren ja verbrannt. Es war neugierig und wollte sogleich ans Werk und lernen ……… und schon stach es sich an der Spindel der alten Frau und fiel von dem Moment an in einen tiefen Schlaf. Der Dornröschenschlaf ist unseren Sprachgebrauch eingegangen. Wir meinen damit ein ganz unschuldiges Schlummern, einen Schlaf, der nur auf den Prinzen wartet, der ihn weckt. Aber ganz so einfach war das nicht, mit Dornröschen und seinem Schlafen. Der ganze Palast fiel von Sekund an ebenfalls in einen tiefen Schlaf, selbst die Fliege an der Wand schlief ein, der Feuer im Herd, der Koch mit erhobener Hand, weil er gerade den Lehrling ohrfeigen wollte, der König und die Königin ? alles schlief einen todesähnlichen, tiefen Schlaf über hundert Jahre lang. Und um den Palast herum wuchs eine Hecke aus Dornen. Der Predigttext spricht von einem Licht in dunkler Zeit. Wer einmal durch ganz dunkle Zeiten gegangen ist, kann sich vielleicht in Dornröschen hineinfühlen. Man hat keine Kraft mehr, hat das Gefühl, alles ist schwer und unerträglich. Man mag sich kaum mehr bewegen, schafft nichts weg. Man kann sich nicht mehr freuen. Alles ist grau in grau. Und niemand dringt zu einem durch. Man fühlt sich ganz allein, dem Tode näher als dem Leben. Depression nennen die Psychologen das, die meisten kennen solche Gefühle. Und wenn die Dornenhecke sich schließt, wenn es kein Licht mehr gibt in der Dunkelheit, wenn die Hoffnung stirbt, dann wird ein Mensch krank und kann aus eigener Kraft nicht mehr gesund werden.

100 Jahre dauert der Schlaf der königlichen Tochter ? eine Ewigkeit. Und immer wieder starben junge Männer beim Versuch, in den Palast einzudringen. Es schien, als hätten die Dornen Hände, und sie hielten den Jüngling fest, er konnte nicht mehr vor und nicht zurück und starb in der Hecke einen traurigen Tod. Vergessen schien die Weissagung der letzten Fee: Es würde ein 100 jähriger Schlaf werden, ein tiefer Schlaf, aus dem die Königstochter erst nach hundert Jahren erwachen konnte. So vergessen auch wir in dunklen Zeiten oft die gute Weissagung über unserem Leben. Niemand hat uns jemals gesagt oder versprochen, das es leicht und mühelos sein würde. Niemand hat gesagt, dass er Krankheit und Schmerz, Verlust und Not von uns fernhalten könnte. Keinem von uns bleiben Erfahrungen von Einsamkeit und Verlassensein erspart. Aber Gott hat gesagt, dass er zu uns steht! Und Petrus sagt in unserem Predigttext: Ihr tut gut daran, dass ihr auf dieses Wort achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Denn der Tag kommt, für Dornröschen und für uns. Als es soweit war, ging auf einmal alles ganz leicht und ganz schnell. Der Richtige kam zur richtigen Zeit. Und die Dornenhecke öffnete sich von ganz alleine, sie trug sogar Blumen zu seinen Ehren. Ungehindert ging der junge Prinz durch den schlafenden Palast. Er kam, um die schöne Königstochter zu wecken. Er fand sie, sie lag noch an der selber Stelle, unverändert, schön und liebreizend. Er tat, was er tun musste, das Herz ging ihm über: Er küsste sie sacht auf den Mund. Da erwachte mit ihr das ganze Schloss, das Feuer im Herd ging wieder an, der Braten brutzelte weiter und der Koch gab dem Jungen die Ohrfeige, die er sich vor hundert Jahren verdient hatte. Dornröschen heiratete ihren Prinzen und sie lebten vergnügt, bis an ihr Ende.

Der Tag kommt auch für uns. Gottes Wort gilt, er lässt uns nicht im Stich. Und wenn wir dann hindurch sind durch die schweren Zeiten, dann können wir auch sehen, wozu das alles gut war. Der Tag kommt! Jesus ist das Licht der Welt, das Licht für dich und mich und er will und wird unser Leben hell machen und uns beistehen über den Tod hinaus! Die Bibel ist voller Prophezeiungen für die dunklen Tage unseres Lebens: ?Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken? sagt Jesus. Und er sagt: ?Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.? Er sagt: Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.? Es sind gute Worte, Weissagungen, die uns leuchten wollen in dunkler Zeit.

Denn der Tag kommt, das hat Gott uns versprochen. Wir wissen nicht, wann das sein wird. Vielleicht wird es nach menschlichem Ermessen dann zu spät sein, so wie der hundertjährige Schlaf des Dornröschens nach menschlichem Ermessen zu lang war. Für uns aber wird es jedem Fall sein, als ob das Morgenlicht in unseren Herzen aufginge, unser Leben wird sich anfühlen wie der junge Tag. Ein Neubeginn wird möglich sein, zu jeder Zeit ? das ist Gottes Versprechen, seine Verheißung an uns. Sollten wir uns nicht darauf verlassen? Wir täten gut daran.

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