Leistung statt Gnade?

Liebe Schwestern und Brüder!

In diesem Sommer werden die Olympischen Sommerspiele in Athen, in Griechenland beginnen. Tausende von Sportlern und Sportlerinnen aus aller Herrn Länder werden um die in den einzelnen Disziplinen zu vergebenen Medaillen kämpfen. Fast alle haben sich dafür jahrelang geschunden und gequält, um den Siegespreis, die Medaille in der Hand zu halten. Und der olympische Gedanke, der nach der antiken griechischen Stadt Olympia benannt ist, dieser olympische Gedanke geht davon aus, dass sich die Sportler in einem fairen und gerechten Wettkampf messen. Die besten Drei der jeweiligen Disziplin erhalten die Edelmetall-Medaillen aus Gold, Silber und Bronze. Die besten mögen auch gewinnen, so der olympische Gedanke. Erwähnenswert, weil interessant, in diesem Zusammenhang ist noch, dass es in der Antike -und die ersten Olympischen Spiele des Altertums fanden bereits 776 v.Chr. im heutigen Griechenland statt- während des Wettkampfs keine kriegerischen Handlungen zwischen den Völkern der Pelopenes gab. So besteht der Olympische Gedanke bis heute nicht nur aus einem fairen Wettkampfverlauf, einem gerechten Kräftemessen aller beteiligten Athleten und internationaler und völkerübergreifender Verständigung, sondern vor allem auf der universalen Idee des Friedens und der Völkerverständigung.

Natürlich basiert der olympische Gedanke längst nicht mehr nur auf der edlen Idee des fairen Wettkampf, sondern hinter der Olympiade stehen auch die handfesten Interessen der Sportler, Funktionäre und vor allem der Industrie. Siege wollen auch versilbert und finanziell ausgekostet werden. Je besser die Plazierung beim Wettkampf, desto lukrativer sind die Vermarktungschancen und Verdienstmöglichkeiten. Dafür lohnt sich schon die jahrelange Quälerei. Und wenn auch viele die anschließenden Verdienstmöglichkeiten und Geldsummen der Sportler als unmoralisch und obszön empfinden, so werden nur wenige etwas gegen einen angemessenen finanziellen Ausgleich für jahrelangen Verzicht haben. Wer sich plagt, der soll auch einen Gewinn erringen. Wer Erfolg hat, der soll auch für diesen Erfolg den Lohn einfahren. Auf dieser Logik basiert unser Wirtschaftssystem, der Kapitalismus. Der Tüchtige und Erfolgreiche hat Glück. Erfolg lässt sich nunmal äußerlich in Geld messen.

Auch der Apostel Paulus hat sich nicht gescheut, den sportlichen Wettkampf heranzuziehen, um seinen Einsatz für die Sache Gottes damit zu illustrieren. Er schreibt im
1. Korintherbrief, im 9. Kapitel, in den Versen 24 bis 27:

[TEXT]

Das klingt wie ein sportliches Leistungsprogramm? Predigt der Apostel den Korinthern jetzt die Leistung statt der oftmals gepriesenen Gnade Gottes? "Lauft so, dass ihr den Siegeskranz erlangt!" Da fragt man sich in der heutigen Zeit, welchen Siegeskränzen viele unserer Zeitgenossen, und wir bisweilen selber hinter herlaufen? Es gibt ja viele vermeintliche erstrebenswerte Ziele im Leben. Der vorhin beschriebene Erfolg, die Suche nach der neuesten Mode, dem Geld, dem Prestige, der Macht über andere, der Suche nach Anerkennung und äußerlichem vergänglichem Ruhm.
Viele Menschen in unserer modernen Zeit suchen Vorbilder, wieder andere die schnelle Mark. Aufgeblähte, der Realität nicht standhaltende, Egos mit einem unbändigen Drang nach Selbstverwirklichung sind die Folge. Die garstige Realität der Arbeitslosigkeit zerbricht diese Selbstverwirklichungsphantasien aber allzuoft.

Aber, was der Apostel indirekt auch anspricht ist: ohne Fleiß gibt es keinen Preis. Das weiß jeder Sportler, ohne Schweiß und manchmal auch Tränen gibt es keinen Erfolg, ohne Einsatz und richtigem persönlichen Engagement mindern sich die Siegeschancen.

Liebe Schwestern und Brüder, der Apostel treibt die Korinther und auch uns dazu an, dem unvergänglichen Siegeskranz nachzulaufen. Dieser unvergängliche Siegeskranz, weil niemals vergehende Siegeskranz, ist die Zusage, ist das Versprechen Gottes, die durch Jesus Christus geschehene Liebestat an uns, uns mit seiner Gnade und Liebe zu beschenken. Gott spricht zu uns, zu dir und mir: Ich, dein Gott, dein Schöpfer und Erlöser, kröne dich mit meiner Barmherzigkeit, wie es im Psalm heißt.

Gott ist durch unseren Glauben unser festes Ziel im Leben. Und wer mit Gott geht, wer mit seinem Evangelium geht, wer sich auf Gottes Wort und Tat verlässt, der wird Erfolg im Leben haben.

Und lässt sich dieser Erfolg auch nicht durch Euro und Besitz messen, so wird der Siegeskranz des Glaubens ganz andere Dimensionen des Lebenssinnes freisetzen. Laut Paulus macht der Glaube frei. Er macht frei von aller Vordergründigkeit und destruktiver Abhängigkeit wie z.B. Alkohol- und Drogensucht. Dieser Glaube führt aber auch in eine neue positive Abhängigkeit, diese Abhängigkeit ist der unbändige Drang an seinem Nächsten und an Gott seinen Dienst zu leisten. Wenn ich mich im Glauben durch Gott geliebt fühle, so kann ich meine Begabungen und Gaben für die Sache Gottes, für das Evangelium von Jesus Christus einsetzen. Dieser daraus resultierende Einsatz verschafft mir Freiheit für die Sache Gottes. Und die Sache Gottes in dieser allzu gottlosen Zeit ist für jeden einzelnen von uns: Lebe und handle so, dass deine christliche Überzeugung in deinem Leben zum Erfolg und Licht für andere werden kann. Sage und zeige durch Wort und Tat, dass du ein überzeugter Christ bist und als solcher versuche dich auch für die Sache des Christentums einzusetzen.

Paulus schrieb den Korinthern, den christlichen Einwohnern der im römischen Weltreich berühmt berüchtigten griechischen Hafenstadt diese Worte, um sie daran zu erinnern, dass sich ein christliches Leben und eine christliche Existenz im Leben auch auszeichnen müsste.

Christlicher Glaube und christliches Leben ist von dieser Welt und jeder Christ und jede Christin lebt in dieser Welt, aber d.h. nicht, dass wir uns in allen Belangen dieser Welt und ihren Zwängen gleichstellen müssen. Die dahinter stehende Frage lautet nicht, ob Christen die besseren Menschen sind, weil sie sich von der Gnade und Liebe Gottes geführt wissen! In vielen Belangen sind wir Christen genauso gut oder schlecht handelnd, wie die anderen Menschen.
Auch heißt die Frage nicht, wie ich mir einen gnädigen Gott oder eine gefällige menschliche Umwelt schaffen kann, womöglich noch durch Geld oder andere naive Gunsterweise?

Nein, die Frage ist: Ändert sich durch den persönlichen von empfangender Gnade und Barmherzigkeit gekennzeichneten Glauben, meine Einstellung zu den zweifelhaften Erfolgen, korrupten Werten, schäbigen Zielen und glücklosen Orientierungen dieser modernen und gnadenlos kapitalistischen Welt?

Ja, liebe Schwestern und Brüder, der Apostel mahnt seine Leser und Zuhörer durch sein eigenes Vorbild dem Anspruch der christlichen Ethik hin und wieder einmal versuchen gerecht zu werden. Denn man muss sich nicht in allen Belangen dieser vergänglichen Welt gleichsetzen.

Ehrgeiz und Motivation werden niemand abgesprochen oder verdammt, im Gegenteil sie sind nötig, um bestimmte persönliche Ziele im Leben zu erreichen. Aber wir sollten dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass aller irdischer Ruhm und alles irdische Glück jäh vergehen können. Dank schulden wir unserem Schöpfer und Erlöser, und wenn wir sein Reich bekennen, dann rühmen wir seinen ewigen Erfolg.

Nochmals: Kann ich durch gute Werke und Taten Erfolg und Ruhm vor Gott erlangen. Nein; niemals, aber ein guter Glaube wird gute Werke zeitigen, wie auch ein guter Baum gute Früchte trägt. Schlechte Bäume tragen keine guten Früchte. Und schlechte Menschen werden niemals vor Gott Ruhm und Ansehen erlangen, auch auf unsere menschliche Gnade können sie selten trauen. Aber schlechte Menschen können, wenn sie bereuen, auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit bauen, denn Gottes Liebe und Barmherzigkeit ist größer als unsere menschliche Vernunft und Geduld.

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