Kraftquellen des Glaubens

Liebe Gemeinde,

Jesus weiß, dass ihn Simon Petrus in der entscheidenden Stunde, wo das Bekenntnis gefordert wird, verleugnen wird. Simon Petrus wird bestreiten, Jesus je gekannt zu haben. Trotzdem liebt ihn Jesus. Er hat für ihn gebetet, dass Gott ihn in der Stunde der Versuchung und Schwachheit hält. Jesus legt den Freund mit dem schnellen Mundwerk in Gottes Hände. Petrus hat wirklich einen flotten Mund. Er wird Jesus nie verraten und im Regen stehen lassen. Er nicht. Er wird, wenn es sein muss, mit ihm ins Gefängnis und in den Tod gehen. Das lässt er sich auf keinem Fall nehmen. Darauf kann sich Jesus felsenfest verlassen.

Petrus kann die gefährliche Situation schon so sehen, wie sie Jesus beschreibt. Jesus wird in Jerusalem zu Tode kommen. Petrus hat das an der Seite Jesu schon mitbekommen, dass die Art und Weise von Gott freundlich zu reden, nicht in die Religion und Zeit passte. Petrus betont ausdrücklich bereit zu sein, mit Jesus Gefangenschaft und Tod zu teilen. Es ist gut, bei dieser Bereitschaft auch ein wenig zu verweilen und nicht sofort die Schwäche, sondern wirklich auch Petrus Stärke zu sehen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass er das sehr großmäulig gemeint hat. Denn nur aus der Rückschau ergibt sich, dass Petrus den Mund doch zu voll genommen und nicht halten konnte, was er sich vorgenommen hatte.

Petrus steht hier auch für die Kirche. Auf diesen Felsen, so sagte Jesus, wolle er seine Gemeinde bauen. Das hat er auch getan. Dieser Felsen ist stark. Die Kirche in allen ihren Ausprägungen hat sich bis heute gehalten. Sie ist gespalten und doch auch wieder einig, indem sie Kreuz und Auferstehung Christi zum Zentrum ihrer Botschaft hat und macht. Sie hat Verfolgung und Unterdrückung überstanden. Sie stand, wenngleich nie als Ganzes, so doch in großen Teilen gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Unmenschlichkeit. Die Kirche Christi ist immer auch Mahnerin und Erneuerin für den Frieden in der Welt gewesen. Aus ihr sind Menschen hervorgegangen, die aus dem Vertrauen zu Christus heraus ihr Leben eingesetzt und verloren haben.

Es ist sehr leicht über die Kirche herzuziehen und zu schimpfen. Es deckt sich ganz sicher vieles nicht mit unseren Erwartungen. Zuerst ist es wichtig, ihre Kraft und auch ihren Mut zur Erneuerung zu erkennen. Viele bekannte und unbekannte Menschen haben dazu beigetragen, dass die Kirche auch immer auf der Seite der Unterdrückten stand. Das hat auch in unseren Tagen nicht aufgehört. Vieles davon läuft einfach im Hintergrund. Das ist gut. Ihr Engagement gegen die rechte Gewalt, Ausländerfeindlichkeit oder gegen die Kriege ist dennoch stark da. In allem braucht sie unbedingt das Gebet Christi. Der Auferstandene betet auch heute für uns. Er betet in uns. Gerade dann, wenn uns die Kraft und die Worte fehlen. Er ist da und vertritt uns vor Gott. Er glaubt an uns und liebt uns. Er trägt uns durch sein Gebet, das unseren Mut und unser Vertrauen stärkt.

Kirche ist aber zugleich auch die Geschichte eines vielfältigen Schweigens und Versagens. Kirche hat sich immer auch mit den Herrschenden verbunden. Kirche hat sich immerwieder auf die Seite der Unterdrücker gestellt. Sie tut es heute noch. Sie unterdrückt selbst. Sie hat Unrecht getan. Sie hat Macht missbraucht. Sie hat Menschen in Gewissensnot und Selbsttötung getrieben. Im Bild Jesu gesprochen hat sich Satan aufgemacht, um den Weizen zu sieben. Dabei ist mehr Spreu zutage getreten, als Frucht. Um wieviel mehr brauchen wir als Kirche und Christenmenschen das Gebet Christi, mit dem er uns vor Gott vertritt.

Jesus wird weiterhin verleugnet, wo wir uns den Begebenheiten dieser Welt bedenkenlos anpassen. Da, wo wir selbst zu Richtern und Unterdrückern werden. Wie oft schweigen wir, wo wir Farbe bekennen müssten. Schweigen zu Gewalt, Kriegen, Hass und Streit. Wir wissen auch darum. Wenn wir dann ebenso wie Petrus umkehren und bitterlich weinen, ist noch Hoffnung für uns da. Kennen wir noch Christus, oder heulen wir mit den Wölfen, die das Unrecht an Schwache und Wehrlose weiterhin üben? Der Umgang mit alten und behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ist von Vorurteilen und Ablehnung gekennzeichnet. Die Verurteilung von arbeitslosen und schutzsuchenden Asylbewerbern deckt die eigenen Ängste vor dem Zu-kurz-kommen auf. Jesus verleugnen wir da, wo wir von den Problemen und Nöten der Menschen um uns herum und in der Welt zufrieden gelassen werden möchten.

Es stimmt, wir können die Welt nicht retten. Manchmal haben wir auch keine Kraft mehr zu kämpfen. Aber Christus sagt uns Schwachen seine Kraft zu. Er fordert von uns gar nicht das Versprechen, mit ihm in den Tod zu gehen. Er ermutigt uns, da zu sein, wo immer Menschen vernachlässigt, verurteilt und missbraucht werden, um der Menschen willen. Gott liebt sie alle und hat nicht einen von uns ausgenommen. Petrus ist nicht nur Versager. Er wird sich Christus ganz und gar zuwenden. Das war, als er hinausging und bitterlich weinte. Jesus sieht diese entscheidende Stunde, wo Petrus umkehrt. Nun wird er stark sein aus Christus heraus, um die Geschwister im Glauben zu stärken und zu ermutigen. Im Bild Petrus ist hier auch die Kirche gezeichnet, die Buße tut, umkehrt und Schuld bekennt.

Der für uns betende Jesus macht uns zugleich, obwohl wir immerwieder scheitern, zu Kraftquellen des Glaubens. Er macht uns zu Menschen, die ihr Leben einsetzen, damit die Menschenwürde in der Welt zum Zuge kommt. Er macht uns zu Friedensstiftern und Wegbereitern der Liebe. Lukas hat dieses entscheidende Gespräch mit Petrus in das Abschiedsessen Jesus von seinen Jüngern gelegt. Bei diesem letzten Essen rüstet er seine Gemeinde aus, dass sie unter dem Abschied nicht zerreißt, sondern wieder zusammenfinden kann. Er gibt ihr Kraft und Mut. Das Abendmahl ist der besondere Ort der gestärkten Gemeinschaft, der Vergebung und der Ermutigung für uns als Christen und Gemeinde. Christus, der Auferstandene betet für uns, dass unser Glaube bleibt und viel gute Frucht bringt.

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