Kommet her zu mir

Erquickung – ja, danach hungert und dürstet es uns, die wir doch mit unserem Joch mühselig beladen sind.

EINGESPANNT in dem Trubel des Alltages, in der soviel an Leistung erwartet wird, rasen wir oftmals mit zusammengebissenen Zähnen und angespannten Nerven durchs Leben. Egal ob auf der Arbeit oder in der Familie – Ruhe gibt es da nicht, Zeit zum Durchschnaufen kennt man wohl höchstens aus der Erinnerung. Irgendeiner möchte immer etwas von uns, im Büro klingelt irgendwo immer das Telefon, und jeder Händler oder Arbeitnehmer kennt die stets drohende Gewissheit, dass die Konkurrenz nicht schläft und der Arbeitsplatz kein sicherer ist. Und wer kann hier schon sagen, dass ich nicht man kann?

UMSPANNT von den verführerischen Werbeangeboten, mit denen das Leben angeblich einfacher, problemloser, schöner wird: Wir machen den Weg frei. Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause. In der Zukunft ein Zuhause haben, wer will das nicht? Auch biblische Worte werden dargeboten: Nichts ist unmöglich, Toyota. Aber stimmt das denn? Im Original heißt es: Bei Gott ist kein Ding unmöglich.Und noch in unserer Träumerei dämmert es uns, "dass wir Scheine geben für den Schein und Brot für Nicht-Brot und verhungern am gedeckten Tisch und austrocknen", da unsere Sehnsucht hier nach einer Lebensquelle unerfüllt bleibt.

ÜBERSPANNT in unserer Fassungslosigkeit über die tiefste Tiefen unseres Daseins, in der Erschütterung über das geschehene Unglück am Bodensee (Flugzeugabsturz am 01.07.2002), inmitten von Leid und Mitleiden mit den Opfern und ihren Angehörigen.

Erquickung – wahrlich, danach hungert und dürstet es uns.

"Kommet her zur mir, alle" – so ruft Jesus uns zu sich, der doch selbst ein Mühseliger und Beladener war, eingespannt zwischen einer Fülle von Aufgaben, von Prüfungen, auf dessen Schultern die ganze Verantwortung ruhte; einer der sein Kreuz bis zum bitteren Ende mit sich herumschleppte. Aber anstatt über seinen vielleicht größten Misserfolg, seiner totalen Ablehnung zu jammern und zu klagen, preist er Gott als seinen Vater. Ausgerechnet in der Stunde des Tiefpunktes lobt er Gott als den, der an der Seite der Beladenen und Mühseligen steht. Das macht nur einen Sinn , wenn Gott auch noch mit unseren menschlichen Tiefpunkten zu tun hat – oder zu tun bekommen soll. Und so hatte Jesus die Freiheit, Gott in die Niederungen seines Lebens hineinzuziehen. Und stellt euch vor: Gott lässt sich darauf ein. Er kann auch – ja, er will GERADE – mitten in der Mühsal, in der abgründigsten Tiefe aus gütlicher Liebe unser Gott sein. Für alle! Ganz ohne unserem Verdienst oder Zutun. Das ist das Geheimnis, das er den Unmündigen offenbart – und den Klugen und Weisen vorenthalten hat. Das ist zugleich, was unser ruheloses Innere zur Ruhe bringen kann.

Eine Wende bahnt sich an. Eine Wende, bei der wir nicht selber Maßstab der Wende bleiben, sondern durch Umkehr zu ihm, Jesus Christus, befreit werden. Wie tut das gut, auch einmal entgegen aller gesellschaftlicher Verhältnisse bekennen zu dürfen: "Ja, ich bin sehr belastet mit vielen Problemen! Ich kann oft nicht schlafen, weil ich mich ängstige und die Sorgen um das Morgen mich gefangen halten." Ihm müssen wir nichts vorspielen. Zu Jesus dürfen wir so kommen, wie wir wirklich sind. Und er versteht uns.

Wie sehr, das hat er mit seinem Leben gezeigt. Er war bereit, in die tiefsten Tiefen des Menschenlebens hinabzusteigen bis in den Tod, Mühsal und Verzweiflung auf sich zu nehmen und dann am dritten Tage aufzustehen, damit wir wissen, wir sind nicht allein. Und in dieser Feier des Zusammenseins kann er uns helfen, und er wird uns helfen. Das heißt schlussendlich nicht, wer Christ ist, der hätte keine Probleme mehr. Jesus sagt nicht: Ich nehme euch das Joch ab und dann gibt es keines mehr. Er sagt nicht, dass alles immer glatt laufen wird in unserem Leben mit ihm. Vielmehr fordert er uns auf, sein sanftes Joch auf uns zu nehmen, denn gerade erst ein leichtes Joch bewirkt, dass ich etwas bewegen kann im Leben. So wie der Bauer dem Ochsen ein Joch um den Hals legt, um den daran befestigten Pflug oder Wagen zu ziehen. Ohne ein leichtes Joch kann ein Ochse nichts vorwärts bewegen. Und ohne ein Joch können wir das auch nicht, auch wenn wir keine Ochsen sind. So weiß er darum: wenn wir sein Joch tragen, dann kann es unter unserem Joch leichter werden. Sein Joch? Das besteht darin, einzig und allein auf ihn zu vertrauen. So gesehen ist seine leichte Last eine Selbstbeschränkung: Ich wende mich ab von meiner Qual, nehme Abstand und lasse mich ganz ein auf Jesus. Was er mir dafür verspricht, ist Erquickung. Dafür steht im Griechischen das Wort anapauso, und ihr hört ganz richtig das Wort Pause heraus. Das ist doch eine gute Perspektive. Wie ein Schüler mit seinem Pausenbrot eine richtig gute Pause haben, damit unsere Lasten wieder tragbar werden. Und das was wir nicht packen, das dürfen wir schließlich stehen lassen. Jesus wird es am Ende aufheben und tragen.

"Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Erquickung, ja lassen wir uns von wunderbaren Mächten treu und still umgeben, so dass wir getrost erwarten, was kommen mag. Denn Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

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