Juristisch einwandfrei

Liebe Gemeinde,

der Predigttext von Paulus, den ich gerade vorgelesen habe, wäre bei jedem Gericht damals als wahr anerkannt worden. Hier haben wir einen juristischen Text vor uns, der nach den Maßstäben der damaligen Zeit einwandfrei ist. Wenn jemand vor Gericht etwas beweisen wollte, dann brauchte er dazu zwei Zeugen, die übereinstimmend aussagen. Paulus führt hier Hunderte von Zeugen an, die übereinstimmend sagen: „Jesus ist auferstanden.“ Die Beweisaufnahme ist also abgeschlossen, nun kommt es darauf an, was wir mit diesen Beweisen machen.

Es gibt Zeitgenossen, die sagen, wir können die Auferstehung mit unserem Verstand nicht begreifen, also glaube ich nicht daran. Machen wir unser Verstehen zum Maßstab, dann müssten wir in gleicher Konsequenz auch die Photosynthese und das menschliche Gehirn als nicht wirklich verwerfen, denn wie sie funktionieren, ist bis heute wissenschaftlich weitgehend unverstanden, und nach bauen kann man beides nicht. Was aber Gott tut, ist immer größer als unsere Gedanken ? seien es die biblisch bezeugten Taten oder die genialen Gedanken in den Werken seiner Schöpfung.

Der Philosoph Martin Heidegger (1889 – 1976), der sicher nicht vom Glauben her argumentierte, steht dennoch richtig fest: „Ist Jesus von Nazareth von den Toten auferstanden, dann ist jede naturwissenschaftliche Erkenntnis vorletztlich“, denn diese kann dann niemals der Weisheit letzter Schluss sein. So scheitert auch jeder Versuch, die Auferstehung Jesu biologisch, medizinisch oder sonst wie wissenschaftlich erklären zu wollen. Wir leben in einer dreidimensional begrenzt Welt, die außerdem einer ablaufenden Zeit unterworfen. Bei Gott aber gilt das keineswegs: „Er wohnt in einem Licht da niemand zukommen kann“ (Die Bibel. 1. Brief an Timotheus 6,16), d. h. er lebt in höheren Dimensionen, die zwar unsere Welt durchdringen, aber nicht umgekehrt.

Wir kommen von Karfreitag her, „Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht es schon in der Heiligen Schrift.“ Was das bedeutet, verdeutlicht folgende Geschichte:
„Da stand einmal an einem Samstagmorgen in einer Lokalzeitung ein Inserat einer Bank: »Wer sich heute zwischen drei und halb vier Uhr nachmittags mit diesem Inserat bei unserer Filiale in der Dorfstraße einfindet, bekommt alle Kreditschulden auf der Stelle erlassen.« In der Dorfkneipe wurde laut gelacht, als jemand dieses Inserat vorlas. Der ganze Stammtisch machte sich darüber lustig. Als einer der Trinkfreudigen nun nach Hause gehen musste, sah er plötzlich einen Mann wie wild auf der Straße tanzen. »Denken Sie sich«, rief der ihm zu, »mein ganzer Baukredit ist einfach von der Bank übernommen worden! Keine Schulden mehr! Hatte meine Frau doch recht, als sie sagte, ich solle einfach mal hingehen und schauen, ob das mit dem Inserat ein Witz ist!« Da bemerkte der Mann aus der Kneipe, wo er war: Gerade vor der Bank, die die Anzeige aufgegeben hatte. Doch die Uhr im Uhrengeschäft gegenüber zeigte schon Viertel vor Vier. Er musste seine Schulden selbst abzahlen. Er war zu spät gekommen …“

Eine unglaubliche Geschichte? Aber klar ist, was sie dir sagen möchte: Deine Schuld vor Gott kannst du niemals selbst zurückzahlen. Das musste ein anderer für dich tun: Jesus. Der Zeitraum ist ein größerer als eine halbe Stunde, es ist dein Leben. Dass mit deiner Schuld zu ihm kommen kannst, bezeugt die Bibel schwarz auf weiß ? zuverlässiger als die beste Zeitung! Du solltest nicht zögern, diesen befreienden Schuldenerlass anzunehmen!

Das Kreuz steht vor der Auferstehung. Darum mussten wir zuerst davon reden. Die Gute Nachricht von der Auferstehung heißt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Sie weist dich auf folgende Dinge hin:

1) Christlicher Glaube lebt von der Erinnerung
Die erste Erinnerung, von der wir reden müssen, ist die Erinnerung an die Tatsache, dass Gott in deinem Leben handelt. Er hat gehandelt, lange bevor du ihn überhaupt kanntest. Weitere Erinnerung gilt dem Moment, an dem du angefangen hast, dein Leben mit Jesus zu leben. Ob das ein Augenblick war, oder ein längerer Prozess, das zeigt dir deine Erinnerung. Wichtig ist nur, das du diese Erfahrung in deinem Leben gemacht und zu Jesus „Ja“ gesagt hast. Denn in dieser Erinnerung gewinnen alle anderen Erinnerungen Bedeutung, wie zum Beispiel wie zum Beispiel die biblischen Berichte von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Das hilft uns vor in allen in schweren Tagen, wenn deutlich wird, das Gott auch in schweren Zeiten an unserer Seite geht. Die letzte Erinnerung die ich in dir wachrufen möchte, ist die Erinnerung, dass Gott auch in der Zukunft in deinem Leben handeln möchte. Und er kann es umso besser, je mehr du dich auf ihn einlässt, indem du in der Bibel liest, indem du im Gebet mit ihm redest und indem du im Alltag mit ihm rechnest. Von diesen täglichen Erfahrungen mit Jesus lebt und wächst dein Glaube.

2) Christlicher Glaube lebt von der Tradition
Wir leben in einer Zeit, in der Traditionen leichtfertig und vorschnell über den Haufen geworfen werden. Wenn jemand eine Gemeinde nicht passt sucht er sich die nächste oder gründet eine neue. In der Gründungsphase hat die Gemeinde neue Feuer und Elan, aber spätestens in der zweiten Generation beginnen die alten Probleme. Außerdem gibt es, um mit Spurgeon zu sprechen, die ideale Gemeinde nur so lange, bis du eintrittst. Wirkliches Christsein finden wir nur in der Balance von Tradition und Erneuerung. Tradition heißt nicht die Asche zu bewahren, sondern die Flamme weiterzugeben. Und Erneuerung bedeutet die Formen bei gleichem Inhalt behutsam an die heutigen Gegebenheiten anzupassen. Dies wirklich zu Leben ist schmerzhaft und bedeutet immer wider Schmerzen. Aber es ist besser als den Problemen immer wieder davonzulaufen.

3) Christlicher Glaube braucht Zeugen
Menschen berichten hier als Zeugen juristisch einwandfrei von der Auferstehung. Menschen haben dir vom christlichen Glauben erzählt. So wird das Zeugnis von Generation zu Generation weitergegeben. In dieser Kette stehst du. Die Botschaft, die du vernommen hast, sollst du als Zeuge an andere weitergeben. Das ist deine Aufgabe an deinen Kindern, deinen Freunden, deinen Nachbarn und deinen Arbeitskollegen, Zeugnis zu geben vom christlichen Glauben. Die schließt Wort und Tat mit ein.

4) Christlicher Glaube braucht Selbsterkenntnis
Eines der größten Glaubenshindernisse in unserer Zeit ist die Tendenz zu Selfmade Frauen und Männern. Dagegen kommt es im christlichen Glauben nicht auf meine Leistung und darauf was ich bin an, sondern auf das, was Gott mir schenkt. Paulus schreibt: „Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade.“ Christlicher Glaube ist und bleibt Geschenk. Darauf, dass wir zu Jesus gefunden haben, dürfen wir uns nichts einbilden. Sondern diese Gnade soll dazu führen, dass wir sie doppelt für Gott einsetzen:

a) unser Leben sinnvoll und nach Gottes Willen zu gestalten
b) anderen in dieser Gnade begegnen und so zu einem menschlicheren Miteinander beitragen.

„Ich lebe und ihr sollt auch leben“, das ist das Programm des auferstandenen Jesus Christus. Viele menschliche Programme wollen uns zum wahren Leben verhelfen. Doch es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen all den menschlichen Programmen und der Aussage Jesu. Alle menschliche Programme beziehen sich auf das diesseitige leben hier auf diese Erde. Nur der gekreuzigte und auferstandene Herr Jesus Christus hat ein Programm, das das diesseitige und jenseitige Leben umfasst. Paulus hat schließt den Abschnitt mit der Zusammenfassung: „Wir alle haben dieses eine Evangelium verkündet, und dadurch seid ihr zum Glauben gekommen“ Wer es einmal begriffen hat: Christus ist auferstanden, der kommt zum lebendigen Glauben an Jesus Christus.

drucken