Jeder Sonntag ist Ostern

<i>[Grundlage für die Gottesdienstgestaltung ist das Bild ‚Auferstehung’ von Alfred Manessier (Gottesdienstinstitut der bayrischen Landeskirche)]</i>

Ich sehe die Sonne, die förmlich zu explodieren scheint und ich sehe die schwarzen Flecken, die nach außen abgedrängt werden. Aber sie sind noch da die Flecken. So ist auch mein Leben. es hat sich was verändert, das ich nicht so genau beschreiben kann. Ich feiere Weihnachten,. Ostern, Pfingsten – und manchmal frage ich mich: Was bedeutet das eigentlich? All die richtigen und wichtigen Sätze, wie der, den wir zu Beginn des Gottesdienstes zitiert haben: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Wo hat das etwas mit mir und meinem Leben zu tun?

ChristInnen zu allen Zeiten hatten es nicht einfach mit der Botschaft von der Auferstehung. Sie war unglaubwürdig. Schon zu Anbeginn wurde der Gemeinde vorgeworfen, den Leichnam entführt oder geraubt zu haben, oder auch nur Märchen erzählt zu haben vom leeren Grab, von Erscheinungen und der Zeugenbestand war ja nun auch dürftig: Frauen hauptsächlich, dazu noch AnhängerInnen dieses Gekreuzigten. Nicht gerade das, was ich bei einer Sekte als glaubwürdig einstufen darf. Und dann noch das Zweite: Für die griechisch-stämmige Bevölkerung war die Auferstehung des Einen kein so großes Problem, aber die Verheißung einer Auferstehung für alle, das war ein wesentlich größeres Problem. Allen SkeptikerInnen versucht Paulus zu antworten:

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Für Paulus ist die wissenschaftliche Diskussion relativ uninteressant, was nun wirklich geschehen ist. Für ihn ist interessant: Was hat sich durch das Geschehen bewegt. Das leere Grab hat keinerlei Bedeutung. Da gibt es nun wirklich Erklärungen dafür, dass dieses Grab leer war, die denkbar sind. Aber dass derart viele Menschen bezeugen: ‚Der Herr ist auferstanden’ und zwar mit ihrem Leben bezeugen, das ist entscheidend. Da haben Menschen aufgrund einer Erscheinung ihr Leben verändert, alles hingeworfen und neu angefangen.

Paulus redet mit Menschen, für die die Auferstehung Christi nichts Aufregendes ist, aber die eigene Auferstehungshoffnung Zweifel bereitet. Er will die Auferstehung Christi und die eigene Auferstehung untrennbar verklammern. Paulus macht die Korinther darauf aufmerksam, dass schon einige die den Auferstandenen sahen, entschlafen sind, dass also der Tod nicht verschwunden ist durch die Auferstehung, wohl aber verändert.

Aber da ist etwas geschehen, das aus ängstlichen Menschen Kraftvolle gemacht hat, und das den eifernden Saulus ‘umgedreht’ hat zu einem Paulus. Da ist etwas geschehen, dass Menschen auf einen neuen Weg gebracht hat und ihnen geholfen hat, ihre Ziele fürs Leben neue zu bestimmen. Da ist aus dem Alltag plötzlich Sonntag geworden, der Tag an dem man feiern kann, weil das Leben nicht nur dieses müde Sein ist, diese Tretmühle, als der viele es sehen müssen, nach der 25. Absage, gescheiterten Familienbeziehungen oder absoluter Überforderung durch Beruf, Familie und Krankheit.

Tod ist auch etwas, das mitten im Leben geschieht. Täglich sterben Hoffnungen, Erwartungen, Pläne und Beziehungen. Und täglich gibt es Auferstehung, entsteht etwas Neues, können wir neues Leben mitten unter uns erleben. Und wir können neues Leben erwecken bei unseren Nächsten. Viele kleine Auferstehungen in unserem Alltag, die ein Gleichnis sein können für dieses großartige Ereignis, von dem Paulus schreibt.

Wesentlich ist die Freude über die Botschaft wach zu halten in mir gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Der Herr ist auferstanden dieser Freude hat etwas zu tun mit mir und meiner Auferstehung – vor dem Tod und nach dem Tod.

Das älteste uns überlieferte Osterbekenntnis lesen wir und doch – so betont Paulus – nur Teil dessen, was christliches Allgemeingut jener Zeit war, Überlieferung, die er wiedergibt und die Evangelisten nach ihm. Da mögen sich so viele Geschichten drum herum ranken. Die Auferstehung bleibt.

Wer den Tod versucht, auszublenden braucht auch kein Osterereignis. Erst dort wo man die schwarzen Flecken (Bild) ins einem Leben in seinem Umfeld auch wirklich wahrnimmt und ernst nimmt , bewahrt man sich Offenheit für das Evangelium.

Nicht das leere Grab ist die Botschaft, sondern der Glaube der frühesten CrhistInnen: Der Herr ist auferstanden. Darum nimmt es die orthodoxe Kirche auch so ernst damit sich das am Ostermorgen immer wieder zuzurufen. Da ist etwas bekannt davon, dass Wahrheiten nur dort wirklich wahr sind, wo sie auch ausgesprochen werden.

Jeder Sonntag ist Ostern, Gottesdienst kann ich an jedem Tag feiern, aber den christlichen Gottesdienst eben nur am Sonntag (strenggenommen nicht einmal am Samstag Abend). Als 8. Wochentag gleichzeitig Beginn der neuen Schöpfung.
Die Kirche lebt davon, dass er lebt, nicht von ihren eigenen Lebenserscheinungen.

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