Ihr seid Licht

Im Grunde sind es Selbstverständlichkeiten, die Jesus in der Bergpredigt in seinen Worten über das Licht ausgesprochen hat. Die Stadt auf dem Berge kann nicht verborgen bleiben. Licht findet seinen Weg und bahnt sich seine Weg. Solche Selbstverständlichkeiten finden sich oft in den Reden Jesu. An diese Selbstverständlichkeiten knüpft der Brief an die Epheser an. Ihr seid Licht – in diesem Bewusstsein müsst Ihr eigentlich nur einfach leben – und alles wird gut. Denn dieses Licht wird in Euch ganz normal Früchte hervorrufen. Insgesamt klingt uns das vielleicht banal, und doch stutzen wir, weil wir in unserem Alltag an uns und Anderen so wenig spüren von diesem Licht, so wenig merken, dass wir eben nicht nur einfach leben, sondern leben als Kinder des Lichts, aber vielleicht sollten wir uns an diesen Gedanken heranwagen und sehen, was dann mit uns passiert:

[TEXT]

Das Präsens wird besonders betont: Ihr seid -> also lebt, was ihr seid. So wie Jesus es gesagt hat, sagt das auch der Schreiber dieses Briefes an die Gemeinde in Ephesus.
Wenn vom christlichen Glauben die Rede ist, geht es zuallererst nicht um die Zukunft, sondern um die Gegenwart. Was uns geschenkt ist, ist uns heute geschenkt und dürfen wir heute leben. Die Spekulation über die Zukunft kann uns kaputt machen.

Vielleicht das größte Manko der katholischen Kirche der Reformationszeit: Sie zerbrach sich den Kopf über Fegefeuer und Höllenstrafen. Luthers Erkenntnis: Ich bin getauft, ich bin befreit, ich bin gerechtfertigt. Vielleicht ist das auch heute noch manchmal ein Manko unseres Redens über unseren Glauben. Wir erzählen von der Vergangenheit, den großen Taten Gottes und der Menschen, die an ihn glaubten und wir träumen von einer Ewigkeit, die Gott für uns bereit hält. Und darüber vergessen wir dann leicht die Gegenwart, die Gott uns schenkt. Aber gerade diese Gegenwart ist die Zeit, die Gott uns schenkt unseren Glauben zu leben, die Zeit zu genießen für uns und mit den Anderen. In dieser Gegenwart dürfen wir Licht sein.

Es gibt so viele Früchte des Lichtes, Früchte des Glaubens, die wir in unserem Leben und im Leben unserer Gemeinde feststellen können, wenn wir nur wollen. Ich sehe Jugendliche, die ihre Freizeit, ihre Energie und ihre Ideen einsetzen, um anderen etwas Gutes zu tun. Ich sehe Menschen, die sich im Presbyterium in den Gruppen für das Leben der Gemeinde einsetzen. Ich sehe Menschen, die Mülltonnen heraustragen für Gehbehinderte und Essen kochen für Menschen, die zu schwach sind. Ich sehe Hilfe für Behindert, für Alte und Schwache, Engagement für Kinder und Jugendliche, für Frauen und Männer. Wo ChristInnen bewusst auftreten, scheint das Licht der Welt (z.B. Mutter Teresa, aber eben auch jeder Einzelne, der hilfreich wirkt).

Die Macht der Finsternis, das sind aber nicht immer einfach nur die Anderen – amerikanische Präsidenten machen es sich da oft zu einfach, genauso wie wir s uns oft zu einfach machen, wenn wir uns im Recht sehen und Andere im Unrecht. Das Licht in der Welt, das sind genauso wenig nur Einzelne Größen der Geschichte, das sind wir, denen Jesus das zuspricht.

Natürlich ist es auch Christinnen und Christen nicht immer nur möglich im Licht zu leben. Natürlich erleben sie auch schwarze Stunden – nicht nur Stunden des Schmerzes und des Leides oder der Angst, sondern auch Stunden wo sie ihre eigenen Schwächen deutlich spüren, wo sie ihr eigenes Versagen empfinden, wo sie den Ansprüchen, die wir gerne an Andere stellen nicht genügen. Aber auch und gerade dann gilt die Zusage des Auferstandenen. Der im Licht lebende Mensch ist wie der heimgekehrte Sohn. Auch sein Leben wird fortan nicht nur in ebenen Bahnen verlaufen, dafür wird vielleicht schon sein Bruder sorgen, aber er weiß sich getragen von der Liebe des Vaters.

Erinnerung an den 20. Juli 1944: Da waren Menschen, die selber schon Schuld auf sich geladen hatten, die an einem ungerechten Krieg in führender Position und voller Begeisterung teilgenommen hatten, bis sie das Verbrecherische dieses Regimes entdeckten. Sie haben sich nicht verkrochen, sondern (und die meisten aus christlicher Motivation) Verantwortung übernommen und wenigstens versucht, diesem Regime und diesem Krieg ein gewaltsames Ende zu setzen. Von Dietrich Bonhoeffer wissen wir in diesem Zusammenhand, dass er gewusst hat: An diesem Attentat beteiligt zu sein, bedeutet Schuld auf sich zu laden, an diesem Attentat nicht mitzuwirken bedeutet noch mehr Schuld auf sich zu laden.

V. 10 gibt eine Leitlinie heraus: Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist. Auf diese Prüfung läuft es heraus. Zu dieser Prüfung gibt er selber uns seinen Geist. Wir müssen ihm nur in uns nachspüren.

drucken