Ich muss mich entscheiden

‚Da kann ich nicht Nein sagen.’ Ist eine altbekannte Redewendung. Egal; ob uns jemand ein Stück Kuchen reicht, oder einen guten Schnaps. ‚Da kann ich nicht Nein sagen.’, das sage ich oft, wenn ich etwas annehme, das ich eigentlich nicht will, weil die Versuchung wieder einmal stärker ist, als meine moralische Widerstandskraft. Ich kann nicht nein sagen, vielleicht will ich ja auch nicht, weil das Angebot zu verlockend ist – und mancher liegt mit Magendrücken oder schlechtem Gewissen im Bett, weil er nicht Nein gesagt hat, zu einem Essen, das ihm nicht bekommen ist, oder zu einer kleinen (Steuer- oder Versicherungs-) Lüge, die ihm aufs Gewissen schlägt. Manchmal spüre ich: Ich müsste besser Nein sagen. Nein aus Gehorsam gegenüber meiner Gesundheit, meinen Prinzipien und meinem Gewissen. Nein auch aus Gehorsam gegenüber Gott. Der Gedanke: Wie geht ein Mensch mit den Versuchungen seines Leben um, durchzieht die ganze Bibel, besonders bekannt im Neuen Testament die Geschichte von der Versuchung Christi:

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Der Teufel wird hier beim Namen genannt, nicht hinter irgend welchen dunklen Mächten versteckt. Das lohnt sich. Grundsätzlich lohnt es sich den Teufel beim Namen zu nennen. Wir haben den Teufel ein wenig versteckt in unserer Sprache. Wenn überhaupt, steckt er nur im Detail. Manche Verlockungen sind teuflisch gut. Die Kunst hat den Teufel schön gemacht. Mit Freude war ich vor drei Jahren in Saarbrücken im Musical ‚paradise of pain’. Der Teufel hat mir teuflisch gut gefallen. Vielleicht auch, weil er so schön greifbar war – eine Person, eine Persönlichkeit. Greifbar und ein wenig hatte er auch von mir. Ich denke, darum spricht auch die Bibel so gerne vom Teufel, von Satan oder vom Versucher.

Das, was mich in Versuchung führt ist eben nicht einfach nur etwas Unpersönliches, etwas Philosophisches oder etwas Gedachtes, was mich verführt. Es ist ganz konkret persönlich. Manchmal bin ich sogar selber der Teufel, der mich verführt. Oder jemand Anderes, der mich reizt, mir Wege anbietet, die ich eigentlich nicht gehen will.

Genau das erlebt auch Jesus. Der Gehorsam gegenüber Gottes Geist führt ihn in die Wüste. 40 Tage fastet er dort wie vor ihm schon Mose oder Elia. In dieser Situation, in die ihn Gottes Geist geführt hat, tritt der Versucher an ihn heran. Er hat tolle Angebote bereit.

Der Teufel in unserer Geschichte ist ein frommer Mann. Er begegnet Jesus mit gar frommen Worten. Vielleicht erkennt Jesus ihn erst in seiner wahren Gestalt an der Zielrichtung dieser frommen Worte. Brot zu machen, kann ja wohl nichts Schlechtes sein, eine göttliche Verheißung auf ihre ‘Tragfähigkeit’ hin zu untersuchen, wohl auch nicht. Aber spätestens in der letzten Versuchung fällt die Maske. Der Teufel sagt deutlich: mir gehört die Welt – damit verrät er sich. Er ist der Fromme, der angeblich die ganze Welt in den Säckel stecken kann. Dieser Fromme ist der Teufel. Jesus schafft es NEIN zu sagen. Er weiß um das erste Gebot, das vor die Frage stellt: Wo ist Sinn und Ziel deines Lebens. Und er hat die richtige Antwort, die mir so oft fehlt. Die Antwort, die aus dem Bewusstsein kommt, voll und ganz zu Gott zu gehören. Der Gehorsam, den Jesus hier zeigt ist beispielhaft. Versuchung entsteht nicht aus dem inneren, aus sich selbst. Versuchung ist ein konkretes sinnvolles Angebot. Mittelpunkt ist der Anspruch des 1. Gebotes: Gott Gott sein lassen. Nicht Brot, nicht Vertrauen, nicht Macht an sich sind verwerflich, sondern sie sind verwerflich unter der Frage: Unter welchen Bedingungen. Es ist im Grunde die gleiche Frage, die Jesus hinterher dazu bringt zu sagen, dass es für Reiche fast unmöglich ist ins Himmelreich zu kommen. à Anfechtung lehrt, auf das Wort zu hören. In Gethsemane sind es die Jünger, die in Versuchung/Anfechtung geraten und nicht bestehen.

Die zerstörerischen satanischen Absichten in meinem Leben sind nicht immer sofort zu erkennen. Im Gebet wird Jesus von der Versuchung gestört. Nicht immer sind es die schlechtesten Momente, in die hinein die Versuchung kommt. Ich brauche das Nachdenken, ich brauche das Gebet. Ich brauche Gottes Wort und die Schwestern und Brüder im Gottesdienst im biblischen Gespräch um Antworten zu finden auf die Versuchungen meines Lebens.

Es ist auch unsere Wahl, Gott anzubeten oder den Satan. Gerade als Leib Christi ist die Kirche immer wieder er Versuchung erlegen (Hexenverbrennung). Darum betet sie in jedem Gottesdienst im Vaterunser: ‚führe uns nicht in Versuchung!’ Das ist für mich eine ganz zentrale Bitte. Gerade am Ende von Sitzungen wie dem Presbyterium spüre ich das. Wenn wir beten ‚und führe uns nicht in Versuchung’; dann beten wir, dass wir dort, wo wir Entscheidungen treffen, stark bleiben. Stark bleiben, Gottes Willen zu tun und nicht unseren eigenen Wünschen zu dienen. Nicht als wären unsere eigenen wünsche immer schlecht, aber sie müssen die Prüfung vertragen: Passen Sie in Gottes Gebot oder nicht.

‚Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.’ hat keine Hörner und keinen Huf, sondern lila Papier und eine lila sympathische Kuh und brachte letztes Jahr noch junge Mädchen zum Kreischen. So sind sie manchmal die Versuchungen, harmlos amüsant. Und ich muss entscheiden. Nicht immer dagegen denn nicht automatisch ist alles, was Spaß macht schon schlecht, aber nur Spaß ist manchmal zu wenig.

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