Ich bin das Schnitzel des Lebens

Liebe Gemeinde,

am Mittwoch war im Fernsehen ein Bericht von einem Mann zu sehen, der es in Los Angeles – wie man so sagt – "geschafft hat". Stolz sprach er von seiner durchschnittlichen Garage, mit Rolls Royce, Ferrari, S-Klasse, Harley. Zeigte seine momentane Freundin, die er so etwa alle zwei Jahre wechselt. Erzählte von seinem Striplokal mit dem er all sein Geld verdient und davon, dass ihm manchmal langweilig ist und er dann mindestens einmal im Monat Urlaub machen muss.

Tja liebe Gemeinde, was soll ich da noch sagen? Jesus will nicht LA für uns sein, sondern ein trockenes Brot. Er will nicht glänzen, nicht reich machen, nicht Jugend und Schönheit versprechen. Sonnenschein, Solarium, Big Brother und Charts spielen keine Rolle bei ihm. Nicht einmal meine Steuererklärung kümmert ihn, oder mein Auto.

Brot. Wenn es wenigstens Biobrot wäre, oder eine Mehrkornmischung. Es ist ja nicht mal ein saftiges Bauernbrot, wenn ich an die jüdische Tradition denke, sondern trockenes, langweiliges, ungesäuertes Brot, Matzen. Unsere Paula schüttelt den Kopf, wenn sie zur Scheibe Wurst Brot essen soll. Im Grunde ist das Zeug nur die Halterung für den Aufstrich, der bei uns in den reichen Ländern oft dicker ist, als das Brot.

Wie sehr würde sich ein äthiopisches Kind am heutigen Sonntag über eine viertel Scheibe Brot freuen. Ein Laib Brot für eine Familie in Indien wäre ein Segen. Die Rettung für ein Straßenkind in Brasilien und seine Familie. Auch in Sibirien reicht es nicht immer für einen frischen Laib Brot. Im Grunde gibt es viel mehr Menschen ohne Brot als Menschen mit Ferrari. Schade, dass man Ferraris nicht essen kann. Nicht mal glücklich machen sie. Aber macht Brot glücklich. Bertold Brecht sagt: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. "Brot für die Welt" will nicht Stubenküken an Basilikumcreme verteilen, sondern möglichst viele Leute satt kriegen. Mit dem Nötigsten, mit Brot, vielleicht auch einfach nur Mehl. Hauptsache sie krepieren nicht mit ihren Hungerbäuchen.

Ich sehe lieber Filme aus Los Angeles mit dem "Hollywood" Schriftzug an dem Berg und einer schönen Harley Davidson. Lieber als Berge toter Leute im Kosovo, oder in Afrika. Ich sehe lieber Glaspaläste im neuen Berlin, als Seuche, Tod und Elend in der Welt. Aber es gibt mehr Tote und Elende als Glaspaläste auf der Welt. Schade, dass man schöne Häuser nicht essen kann. Wahrscheinlich machen sie auch niemanden wirklich froh. Einer, der nicht sterben muss, weil ihm jemand von seinen Schnitzeln mit Pommes eine halbe Scheibe Brot abgibt, der wird schon froh. Glücklich vielleicht nicht, aber froh, nicht gestorben zu sein.

Wir sind nicht gerade gestorben, als wir nach einem Jahr aus den USA zurückgekehrt sind. Aber wir haben auch nicht den Schweinebraten oder das gute Bier vermisst. Nach einem frischen, knusprigen Brot stand uns der Sinn; zugeben mit ein bisschen guter Butter vielleicht.

Jesus ist schlichtes Brot, ohne Butter. Zu seiner Zeit gab es keine edlen Restaurants, keine Charts, keinen Fitnesskult. Braun ist er an der Sonne geworden. Die Leute hatten verglichen mit uns gar nichts. Hungern musste aber keiner. Für Brot hat es gereicht. Brot war Grundnahrungsmittel und Existenzgrundlage. Mit genug Wasser und etwas Brot kann man lange überleben. Hin und wieder ein paar Vitamine, sonst nichts. Ferrari gab es noch nicht damals, hätte auch keiner gekauft, auch die reichen Zöllner nicht, bei den Strassen. Da wäre man mit einem Ochsenkarren dreimal schneller gewesen. Mit einem Handy hätte man vielleicht Nägel in Bretter hauen können. Aber nein, dazu taugen sie ja nicht. Wozu einen Monatslohn mit meinem Nachbarn vertelefonieren, wo ich doch auch einfach rübergehen kann zu ihm. Jesus will Brot sein, nicht Handy und Ferrari. Das Wichtige und Lebensnotwendige will er sein, nicht die Verzierung, Luxus, das Extra.

Erreicht er uns damit noch? Spricht er nicht an uns vorbei? Bei uns daheim wird Brot regelmäßig altbacken. Kommt halt in den Kompost. Ganz normal. Toastbrot verschimmelt. Na und? Und Jesusbrot? Was ist mit seinem Brot? Wie würde das klingen: "Ich bin das Schnitzel der Welt, das vom Himmel gekommen ist"?

Erfüllung heißt nicht angefüllt sein mit allem, was ich kriegen kann. Diese Erfahrung muss jeder selber machen. Von Kindheit an sind wir nämlich eher auf das Haben-wollen, das Mehr, den Luxus, das Überflüssige gepolt. Kaum ein Kind verlangt nach einer trockenen Scheibe Brot, wenn in der Speisekammer die Smarties warten.

Wie kann ich dem Kind das Brot, wie kann ich mir das Jesusbrot schmackhaft machen, wenn mir nach üppiger Tafel der Sinn steht, wenn ich soviel Brot habe und haben könnte, dass es mir zu den Ohren rauskommt, ja zum Hals heraushängt? Da sind doch Jesus und sein Brot auf verlorenem Posten. Es kommt , wie es kommen muss. Erst die Erfahrung meiner Grenzen lässt mich umdenken. Deswegen ist es auch so schwer für uns, in den Himmel zu kommen. Die armen Leute leben jeden Tag mit ihren Grenzen. Jeden Tag an der Grenze zum eigenen Tod, Kriegstod, Hungertod. Die können gut verstehen, wie wichtig so ein Jesusbrot sein kann. Wir nicht. Wir erfahren vom Lebensnotwendigen aus Geschichten alter Leute, aus dem Fernseher, aus Büchern. Wir erfahren davon, wenn wir krank werden, sterbenskrank, wenn wir die Arbeit verlieren, wenn Seuchen unsere Existenz in Frage stellen, wenn die Ehe auseinandergeht, wenn die Kinder aus dem Ruder laufen. Dann wollen wir keinen Ferrari und kein Handy, kein Schnitzel und keinen Luxus mehr, keine Playmobilfigur und kein Geld mehr, sondern dann wollen wir gesund werden, überleben, die Ehe retten, Arbeit finden, die Mama drücken und so weiter.

Schade, dass es so weit kommen muss. Darin sind wir die Armen, dass wir vor lauter mehr und mehr das wenige Wichtige nicht mehr sehen. Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr wahrnehmen.

Der Unterschied zwischen dem Jesusbrot und dem unheiligen Schnitzel begegnet uns jeden Tag, wenn wir einmal die Augen offen halten. Und das sollten wir tun, damit das Jesusbrot uns retten kann. Am verkaufsoffenen Sonntag kann ich mit meinen Kindern ins Brückencenter gehen, oder mit Gummistiefeln durch den matschigen Wald laufen und Stecken sammeln. Am Abend kann ich meiner Frau erklären, warum ich heute so abwesend war, oder die wahnsinnig interessante Sendung einschalten. Der pflegebedürftigen Oma kann ich 5 Flaschen Doppelherz bringen, oder ihre alten Geschichten zum 100sten Mal anhören. Meine Kinder kann ich Sonntag früh zum Kindergottesdienst begleiten, oder die Pokemons anschalten.

Wir alle haben die Wahl. Wir alle wissen, was leichter ist. Wir alle wissen, was lebensnotwenig ist und gut für uns und andere. Ein armer Mensch kann sich nicht freikaufen. Der muss die Oma besuchen und ihr zuhören, der muss mangels Fernseher mit der Familie reden und mangels Geld zum Einkaufen, doch besser in den Wald gehen. Deswegen hat es ein armer Mensch viel leichter das Lebensbrot Jesu zu schmecken. Zu verstehen, dass es Leben schenkt, wo andere Dinge das Leben nehmen. Dass dieses Brot mir und meinem Nächsten und unserer Gesellschaft dient, wo anderes, überflüssiges diese nur aushöhlt. So gesehen sind wir arm dran in unserer Welt des Überflusses und der täglichen Entscheidungen. Aber Jesus hat uns zugetraut, das zu schaffen. Sein Brot zu erkennen und erleben. Drum kam er nicht als Schnitzel auf die Welt, sondern als Brot. Das verstehen auch die, die kein Schnitzel essen, denn Brot essen alle Menschen. Er hat uns nicht angeboten, von seinem Luxus zu teilen, sondern seinen Leib und sein Blut, also sich selbst gegeben. Dass sich jemand opfert, aufopfert, hergibt für seine Mitmenschen, dass verstehen alle auf der Welt. Warum Jesus seine Überfluss teilt´, würde keiner verstehen, der Luxus nicht kennt, aber hungrig ist nach Brot und durstig nach einem Schluck zu trinken. Schlicht geht es deshalb in unserem Abendmahl zu. Eine mickrige Oblate, ein winziger Schluck Wein. Mehr braucht es nicht, um zu verstehen, dass es dabei um alles geht, um unser Leben nämlich. Leben, geschenkt von Jesus Christus, geteilt und nichts zurückbehalten. Leben und nichts Überflüssiges. Gutes Leben. Das Wichtigste halt.

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