Heldenhaft

Liebe Gemeinde,

Jesus Christus – ein heldenhaftes Leben für andere. So lautet unser heutiges Thema. Sie haben das Thema ja schon im Nachrichtenblättchen lesen können.
Es gibt in den Zeitungen manchmal Heldengeschichten. Ich erinnere mich gut an einen Manager, der vorgestellt wurde. Voller Bewunderung wurde erzählt, wie viel Stunden er arbeitet. Ich rechnete nach und stellte fest: der Mann schläft ja kaum. Zum Heldenbild des Managers gehört: er muss ein harter Hund sein. Er muss sich durchsetzen können. Er kennt nichts als die Arbeit. Widerstände spornen ihn geradezu an. Je mehr Arbeitsplätze er vernichtet, desto besser, denn dann steigen die Aktienkurse.

Nun sind alle unsere Helden in letzter Zeit etwas vom Sockel gestürzt worden. Von Managern lesen wir, wie sich selbst bedienen. Von Oliver Kahns Freundin haben wir gelesen. Politiker haben sowieso ein schlechtes Image.

Es gibt natürlich eine Menge berühmte Personen, die kein schlechtes Image haben. Aber trotzdem sind wir insgesamt als Gesellschaft sehr orientierungslos geworden. Nichts scheint mehr wirklich gültig und sicher zu sein. Die Rente schon einmal gar nicht und die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands erst recht nicht.

Nun denken manche vielleicht: und jetzt kommt etwas über Jesus Christus, aber was kann denn dieser altertümliche christliche Glaube uns helfen. In der Kirche sind doch nur Ältere und Jugendliche. So ein Gottesdienst mag noch so schön sein und ans Herz gehen – was verändert das denn in der harten Wirklichkeit? Die, die wichtigen Entscheidungen treffen, die hören doch nicht auf die menschenfreundliche Botschaft der Bibel.

Ja, jetzt kommt was über Jesus Christus. Aber dass Jesus Christus bedeutsam und wichtig ist, das hängt nicht daran, wie gut oder schlecht es der Evangelischen Kirche in Deutschland geht, auch nicht daran, wie viele in der Kirche sind und inwiefern die wichtige Entscheidungen für die Zukunft unseres Landes treffen können. Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen, sagt Jesus Christus. Und damit geschieht etwas von weltweiter Bedeutung. Wir werden durch Jesus Christus in eine Bewegung hinein genommen, die die entscheidende Veränderung bewirkt. Wir werden in eine Geschichte des Heils hinein genommen und es geschieht etwas von Gott her an uns.

Unseren Predigttext aus Philipper 2,5-11 mussten wir als Konfirmanden auswendig lernen. Der Text ist schwer und ich bin immer stolz drauf, ihn zu können. Ich habe ihn noch einmal aufgefrischt und probiere einmal, ihn aufzusagen.

[TEXT]

Ein göttlicher Held wird uns vorgestellt. Er ist in göttlicher Gestalt, also er ist im Himmel und so stark und mächtig und schön wie Gott selbst. Er könnte dort bleiben und es sich gut gehen lassen. Aber er hält es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein. Er denkt nicht an sich selbst, sondern an die Menschen, die nach Erlösung hungern, nach Heil schreien, nach Liebe dürsten.

Und dann geht dieser göttliche Held Jesus Christus einen Weg des Verzichts. Er verzichtet auf seine Göttlichkeit und wird ein Mensch. Nicht genug damit, er leidet alle menschlichen Qualen am Kreuz. Er stirbt in jungen Jahren den Foltertod, verspottet von seinen Volk, verraten von seinen Freunden.

Dort am Tiefpunkt aber kommt die Wende. Gott erhöht Jesus Christus, der sich selbst erniedrigt hatte. Und er gibt die allerhöchste Position, die man sich nur denken kann. Er wird der Weltherrscher, wie ihn uns viele Bilder in Kirchen darstellen. Alle Menschen aller Zeiten beugen ihre Knie vor ihm. Aber die Ehre behält er nicht bei sich selbst, sondern gibt sie weiter an Gott, den Vater.

Dies ist ein wunderschönes Lied der allerersten Christen. Wir sind mit diesem Lied ganz nahe am Auferstehungsgeschehen. Dieser Predigttext ist einer der frühesten christlichen Texte, die wir haben.

Paulus nimmt dieses Lied auf und er mahnt die Gemeinde: genau so sollt auch ihr denken, fühlen und leben. In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was des anderen ist. Seid als Gemeinde Jesu Christi einmütig, eines Sinnes, habt gleiche Liebe, seid einmütig und einhellig.

Jesus Christus hat ein heldenhaftes Leben für andere geführt. Darin ist er auch uns Christinnen und Christen heute Vorbild. Auch wir sollen ein solches heldenhaftes Leben für andere führen.

Natürlich sind wir davon überfordert. Wer ist schon ein Held? Und wenn es Helden gibt, dann sind das doch die berühmten Leute, die jeder kennt und von denen die Zeitungen und das Fernsehen und das Radio voll sind. Also doch auf keinen Fall wir ganz normalen Menschen.

Aber, liebe Gemeinde, haben wir nicht auch Lust, ein heldenhaftes Leben zu führen. Sind wir nicht dazu geboren worden, unser Leben tapfer zu leben und Spuren zu hinterlassen, die unserer unsterblichen Seele gemäß sind? Und zwingt uns das Leben nicht manchmal zur Tapferkeit?

Viele haben mir schon gesagt: „Ich weiß gar nicht, wie ich diese schwierige Zeit damals ausgehalten habe. Aber wie durch ein Wunder habe ich die Kraft damals gehabt. Und ich bin stolz, dass ich meine Aufgabe erfüllt habe und das Päckchen, das ich zu tragen hatte, tapfer getragen habe.“

Ja, das Leben zwingt uns manchmal zu einem tapferen und heldenhaften Leben. Und dieser Held für andere, Jesus Christus, er kann uns darin eine große Hilfe sein.

1. Wir können zu ihm beten. Das allein hilft oft schon. Wenn wir all unsere Gefühle ausdrücken können. Oft können wir sie nur sehr begrenzt in Worte fassen. Beten ist die wirksamste Form, an seinen Gefühlen zu arbeiten, die ich kenne. Ein gutes Gespräch mit einem einfühlsamen Gegenüber oder ein Tagebuch, in das ich meine Gefühle und Gedanken schreibe, sind auch nicht schlecht. Aber beim Beten kann ich noch viel tiefer dringen, kann ich Bereiche gelangen, die ich nicht mehr mit Worten ausdrücken kann. Und dabei kann ich anfangen, loszulassen. Die Wut loszulassen. Die Kränkung loszulassen. Den Schmerz und die Enttäuschung loszulassen. Den geliebten Menschen, der gestorben ist, loszulassen. Die Angst loszulassen.

2. Das Beten ist ja keine Einbahnstraße. Gott antwortet. Während wir beten oder irgend wann anders geschieht heilsames in uns, mit uns, unter uns und oft genug auch trotz uns. Oft geschieht etwas von Gott her, was ich gar nicht so erwartet hätte. Oder es geschieht etwas, das mich ärgert oder belastet und erst später merke, dass das richtig war.

Gott ist wie ein sorgender Vater und wie eine liebende Mutter zu uns. Jesus Christus ist wie ein gütiger und weiser Freund zu uns.

Und gerade die Eltern unter uns wissen: manchmal ist Neinsagen, eine Grenze setzen, einen Anspruch ausdrücken langfristig gesehen das Richtige.

3. Das Vorbild Jesus Christus, der mit seinen Gefühlen und seinem Handeln bei den anderen ist und anderen helfen will, hilft mir, von mir und meinen Problemen einmal wegzusehen. Ein spannendes Buch oder ein guter Film helfen mir natürlich auch, Abstand zu gewinnen. Sehr hilfreich kann es aber auch sein, mir folgendes vorzustellen: Ich will Jesus Christus nachfolgen. Ich will so gesinnt sein wie Jesus Christus auch war. Wenn ich versuche, die Menschen in meiner Umgebung mit den Augen Jesu zu sehen, was könnte ich tun oder sagen oder durch Körpersprache ausdrücken, damit Jesus Christus unter uns heilsam und wirksam werden kann. Was würde Jesus in dieser Situation tun? Der Jesus Christus, der so sehr den Weg für andere gegangen ist, dass er nicht im Himmel geblieben ist, sondern auf die Erde gekommen ist und sogar ans Kreuz gegangen ist.

Liebe Gemeinde, in unserer orientierungslosen Zeit haben wir hier wirklich Orientierung. Und was uns hier gesagt wird und was hier an uns geschieht, das ist wirklich nachhaltig, denn es hat Ewigkeitswert.
Lassen Sie uns deshalb unseren Glauben leben, so heldenhaft wie möglich. Wir wissen ja, dass da, wo wir es nicht schaffen, jemand für uns einspringt. Der nämlich, der menschlich wurde, damit wir an Gott Anteil haben. Der, der starb, damit wir leben. Der, der die Liebe so lebte, dass er durch den Tod hindurch ging. Damit wir mit unseren erstarrten und erkalteten Herzen immer wieder neu die Liebe lernen können.

Dazu helfe uns Jesus Christus. Alle werden am Ende bekennen, was heute schon lobpreisend sagen: Jesus Christus ist der Herr. Zur Ehre Gottes des Vaters.

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